Archiv für Juli 2017

Ultimative Drohung

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Man muss sich wehren

Stichpunkte:

Komfortzone .Schwer zu erfassen, woher solche Begriffe kommen, wengleich man,  ach nein, nicht man (!), nicht irgendwer – sogar ich doch weiß, die kommen aus dem Englischen. Aber woher kommen sie dort? Was dahinter steckt, das interessiert mich. Fragte gestern herum. Komfortzone. Keine Antworten, nur Achselzucken und schneller Übergang in die Small-Talk-Zone. Im Netz finden sich diverse Texte zur Komfortzone – im Wesentlichen mit einem Tenor:  Es sei wichtig, die Komfortzone zu verlassen, damit man sich entwickleln könne. Stimmt nicht unbedingt. Der kleine Mensch entwickelt sich bis zur Geburt in einer absoluten Komfortzone.

In der DDR gab es Komfortwohnungen. Als Jugendliche wohnte ich zeitweise in einer, auf die meine Mutter sehr stolz war. Als sei es irgendwie ein Verdienst, eine Wohnung mit einer inneliegenden Toilette und einer Badewanne zu haben. Die Wärme kam aus der Ferne. Auch im Winter hatten wir alle Fentser gekippt, sonst wäre es nicht auszuhalten gewesen.  Der Duft von gebratener Braunkohle hing über der Stadt. Die meine Mutter umgebende Wohnungs-Komfortzone habe ich gerade noch rechtzeitig verlassen.  Ich wehrte mich gegen das Genausowerden und entschied mich für das andere Leben. Auch war ich kein Unkraut wie meine Mutter meinte, sondern eine Wildpflanze. Gegen Unkrautex bin ich resistent.

Frau K. (weit in den 90igern), die heute ich wegen der Übergabe von Katzenfutter anrief, hat einen vollen Terminkalender. Man muss sich vielleicht gegen das Alter wehren, indem man aufhört, es wahrzunehmen als eine Begrenzung der eigenen Möglichkeiten.

Es lohnt sich weiterzudenken. Verweigerung von Gedankenarbeit ist kontraproduktiv für das Überleben. Da zählt keine Entschuldigung.

Ein Schmetterling, den ich gestern fotografieren wollte, wurde auf meiner Schulter entdeckt, auf der er sich zeitweise niedergelassen hatte.

Ein Plastikfisch umschließt eine Tüte mit einem Salatrest. Die blaue Hanna blüht. Wirkliche Nähe verschwindet mit dem Tod nicht. Die fremden Gedanken haben sich eingegraben und fanden eine Heimstadt. Menschliche Überlebensstrategie. Auch eine Art Wiedergeburt.  Wir lasen: „Eine taktische Frage“ – Rosa Luxemburg. (Bei Interesse: KLICK)

Mein Kopf fotografiert Worte. Festhalten: Gewöhnliche Gewohnheiten. Fuhr gestern mit der Kollegin durch gewerbliche Gegenden.

Schlimmer als Gedankenarmut kann fehlende Selbstreflexion sein. Als gestern jemand Freundlichkeit als Zeitverschwendung und Formalie abtat, da brach es mir fast das Herz – völlig unnötig. Hätte es gleich ablegen sollen unter dem Label Unsymphat. Ich erinnerte mich in dem Zusamenhang an Horst E. Richter.  Fand sein Buch auch gleich im Regal:

„Die natürliche Bedingung für die Wechselbeziehung zwischen Hilfe und sozialer Hilfe ist die alles menschliche Leben verbindende Anlage zur Sympathie. Das ist nicht nur die Fähigkeit sich wechselseitig einzufühlen. Sondern auch die spontane Bereitschaft, eher der als Notwendigkeit erlebbare Hang zu einem spontanen Mitfühlen. Der Einzelne findet sich, wenn er sich nicht gewaltsam egozentrisch selbst isoliert, ursprünglich und spontan in die Gemeinschaft eingebunden.

Unter den Zwängen des Machtprinzips und des egozentrischen Rivalisierens wird die als Sympathie ursprünglich und natürlicherweise gegebene emotionale Beziehung unter allen Einzelwesen kaum mehr wahrgenommen.“ (Das Urphänomen Sympathie als Disposition für Solidarität und Gerechtigkeit – 16. Kapitel in Der Gotteskomplex)

Brombeeren locken in S., reif oder noch nicht reif, das ist die Frage. Noch nicht reif, verspreche ich mir hoffnungsfroh.

 


Zweisamkeit

Zweisamkeit

Zweisamkeit


Wahlverwandtschaften

(unfertige Notizen)

Wir sprachen über die kommende Bundestagswahl. T. ist unentschieden, ob er überhaupt wählen geht. Ich werde natürlich wählen gehen und mit den üblichen Bauchschmerzen eine Partei wählen, die sich gegen Kriegseinsätze ausspricht. Dass diese Partei regieren oder mitregieren könnte, das ist nicht zu befürchten, aber müsste man es fürchten, hätte ich noch mehr Bauchschmerzen.

Ein typischer DDR-Spruch hat überlebt und gilt weiter: Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wer nicht wählt, wird auch gequält.

Und gelten nicht auch: „Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient“ (Joseph Marie de Maistre) und/oder „Wenn Wahlen etwas ändern könnten, dann wären sie verboten“ (Kurt Tucholsky)?

Bei aller Unterschiedlichkeit der  Menschen, mit denen ich schon über die Wahl gesprochen habe, irgendwie wählt jeder „das kleinere Übel“, obwohl sich das kleinere Übel von Mensch zu Mensch stark unterscheidet.

Insgesamt ist es ziemlich übel, wenn jeder das kleinere Übel wählt.

Kein Wunder also: Die Wahl verursacht Übelkeit. Vorher und hinterher erst recht.


Des Rätsels Lösung

Der Tag war lang, darum gönnt es mir – etwas albern werd ich hier…  Klickt auf das Bild, dann wird es groß

Damhirsch mit Basthaut auf dem Geweih

Damhirsch mit Basthaut auf dem Geweih


Offener Brief am Tag der Türkischen Presse an Erdogan und Yildirim – PEN-Zentrum

ZUR KENNTNIS

Pressemitteilung, Darmstadt, 24. Juli 2017

Messieurs les Présidents,

Bay Erdogan

Bay Yildirim

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht die Zeit haben werden.

Oder sind Sie gerade nicht damit befasst, neue Deals und Taten zu planen, die das Tageslicht und eine kritische Berichterstattung durch eine freie Presse scheuen?

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht den Mut haben werden.

Denn Politiker, die Verantwortung dafür tragen, dass in ihrem Land binnen eines Jahres

  • mindestens 145.000 Beamte entlassen werden
  • mehr als 47.000 Menschen unter überwiegend absurden Anklagen, die einer rechtsstaatlichen Beweisführung nicht standhalten, inhaftiert werden und 100.000 Fälle vor dem Verfassungsgericht anhängig sind
  • mindestens 165 Journalisten verhaftet werden, was Ihr Land zum weltweit größten Gefängnis für Journalisten macht
  • dass mindestens 160 Verlags- und Medienhäuser geschlossen werden
  • und mindestens 1300 Verbände und Organisationen verboten werden –

solche Politiker werden von Angst beherrscht und regieren selbst mit Angst und Willkür.

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht den Anstand haben werden.

            Denn anständige türkische Politiker würden am 24. Juli den Tag der Türkischen Presse feiern und daran erinnern, dass am 24. Juli 1908 die Zensur in der Türkei abgeschafft wurde. Sie würden die besten Journalisten ihres Landes einladen und mit Preisen für mutige Berichterstattung auszeichnen, anstatt sie an den Pranger zu stellen und ins Gefängnis zu werfen.

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht genug Liebe zu Ihrem Land haben werden.

Denn sonst wären Sie stolz auf die bald hundertjährige Geschichte der Zeitung, die sich den Namen „Republik“ gab und die die älteste Zeitung in der modernen Türkei ist, Cumhuriyet. Seit 1924 hat die Zeitung fünf Militärcoups überlebt. Viele ihrer Journalisten wurden inhaftiert, gefoltert oder fielen sogar politischen Attentaten zum Opfer. Noch nie aber gab es eine solche konzertierte Anstrengung, die Zeitung gänzlich zu eliminieren. Dieser Angriff auf die Cumhuriyet ist ganz offensichtlich ein politischer Angriff und zielt direkt auf die Pressefreiheit und die säkulare Republik.

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht die Größe haben werden.

            Denn sonst würden Sie für eine unabhängige Justiz sorgen, anstatt martialische Reden zu schwingen, in denen Sie Ihren angeblichen Feinden barbarische Aktionen androhen. Sie würden Ihren Kritikern mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen.

Messieurs les Présidents, Bay Erdogan, Bay Yildirim,

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, um Sie aufzufordern: Zeigen Sie Mut, Anstand und Größe. Beweisen Sie die Liebe zu Ihrem Land, indem Sie den Ausnahmezustand beenden. Und beenden Sie die Politik der Spaltungen – zwischen Türken und Kurden in Ihrem Land, zwischen türkischen oder türkisch-stämmigen und deutschen Bürgern in Deutschland. Mit Ihrer Politik und Ihrem Gebaren leisten Sie den Türken in Deutschland keine guten Dienste, im Gegenteil: Sie beschwören Konflikte herbei, die die deutsch-türkischen Beziehungen um Jahrzehnte zurückwerfen können.

Messieurs les Présidents, Bay Erdogan, Bay Yildirim,

Setzen Sie heute, am Tag der Türkischen Presse, ein Zeichen. Setzen Sie sich für die Freilassung der zu Unrecht inhaftierten politischen Gefangenen ein und für die Einstellung des Prozesses gegen die Mitarbeiter der Cumhuriyet, der heute, am 24. Juli, beginnt. Von den 17 Mitarbeitern – die Namen rufe ich Ihnen nachfolgend in Erinnerung – sitzen acht Journalisten und drei Rechtsanwälte seit nun mehr über neun Monaten lediglich für ihre kritische Berichterstattung in Haft. Diese tapferen Männer und Frauen – und ihre Familien, die zum Teil auf barbarische wie hilflose Weise unter das Verdikt der Sippenhaft gestellt sind – sie verkörpern für mich das Beste und Schönste im Menschen, das Politikern wie Ihnen fehlt. Wahre menschliche Größe. Anstand, Aufrichtigkeit, Mut. Wahrheitsliebe und Freiheitsliebe und Liebe zu ihrem Land wie zu einer in Frieden lebenden Menschheit.

Und so sehr Politiker wie Sie auch geifern und all das zu unterdrücken versuchen: Wahrheit und Gerechtigkeit werden am Ende doch siegen.

Regula Venske

Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland


Es regnet, es regnet… und wieder denke ich an Uwe…

So nass wie am Sonnabend bin ich in den letzten Jahren nie geworden. So häufig so stark geregnet hat es auch nicht.

In den Baum gegenüber hat der Blitz eingeschlagen, zwei Autos wurden „verletzt“.

Wir haben noch Tee getrunken, dann ist mein Gast barfuß nach Hause gegangen.

Und ich dachte an Uwe… Und heute regnet es wieder, und ich denke wieder an ihn.

Er war ein guter Mensch, ein guter Freund, und ich vermisse ihn immer noch.

Ausnahmsweise verlinke ich mich selbst.

Und versuche gut zu sein…

 

 


Sicher ist sicher

Wieder so ein Foto, dessen Details ich erst zu Hause entdecke: Da haben sich die Fliegen einen sicheren Landeplatz gesucht! (Auf’s Foto klicken, dann wird es groß.)

Großer FROSCH und kleine Fliegen

Großer FROSCH und kleine Fliegen


Rätsel – Was ist das?

Was ist das?

Was ist das?


Schafgarben-Logik

Schafgarbe ist nichts für Pferde, sagte S. Deshalb heißt es ja Schaf-garbe. Betonung auf Schaf.

S. hat recht, Pferde mögen keine Schafgarbe, Schafe fressen aber auch nur die Blätter.

Getrocknet hilft Schafgarbe allerlei Tieren, auch der hochentwickelten Art Mensch, selbiger kann sich aber bei Bedarf auch einen Tee aus den frischen Blüten machen. Hilft zum Beispiel gegen Bauchschmerzen.