Archiv für die Kategorie ‘Politik’

„Hupen gegen die AFD“ und „Gegen faschistische Tendenzen“

Das Hupen höre ich bis an meinen Schreibtisch – ist das schön! Schön laut.

Hupen gegen die AFD

Hupen gegen die AFD

Demnächst jährt sich die sogenannte Ossietzky-Affäre, die sich ähnlich wie im Wikipedia-Artikel beschrieben zugetragen hat.  Bei blogsgesang.de gibt es einen Artikel, der vor 10 Jahren zum 20. Jahrestag erschien.

1988 demonstrierten Schüler der EOS Carl-von-Ossietzky mit einem selbstgemalten Transparent: Gegen faschistische Tendenzen. Einer der Gründe für ihre spätere Bestrafung.

Die Schule macht zu den Ereignissen von 1988 Projekttage und hat ehemalige Schüler und auch mich dazu eingeladen. Welche Bedeutung hat das, was die Schüler damals machten im Heute? Hat es eine? Die Speakers Corner ist für die Schüler inzwischen wenig interessant, erfuhr ich aus sogenannten gut informierten Kreisen.

Fest an der Panke. Alles wie immer. Man trifft einfach alle – ob man will oder nicht. Die Parteien stehen an der gleichen Stelle wie im Vorjahr. Auch die AFD. Nach 2 Minuten Diskussion mit einem der dortigen Multiplikatoren wird mir schlecht, und ich wende mich unter lautem Protest ab. Hinter dem AFD -Stand hocken ein paar junge Leute, die ganz offensichtlich meine Abneigung teilen.

Wir kommen ins Gespräch und so erfahre ich von der für heute angemeldeten Demonstration.

Sehr coole Aktion – und es gab laute positive Resonanz von den Vorbeifahrenden und Vorbeigehenden. Und übrigens: Da waren auch Schüler des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums dabei.

Ich freue mich auf die Projekttage und viellicht auf eine Begegnung mit Schülern der Schülerzeitung „Moron“.

Vielfalt

Vielfalt

Schild gegen die AFD

Schild gegen die AFD

Demo

Demo


Nachschlag… (zum Film „Familie Brasch“) – Thomas Brasch erhält den Bayerischen Filmpreis 1981

Eine kurze Sequenz aus der Preisverleihung gab es auch im Film „Familie Brasch“ zu sehen. Die generierte zwar Lacher – Brasch bedankte sich bei der Filmhochschule der DDR für seine Ausbildung – war  aber definitiv zu kurz, um Brasch zu verstehen. Auch die Zeitzeugenkommentare halfen da nicht weiter. Weiter helfen kann nur Thomas Brasch selbst.


Pressemitteilung des Schriftstellerverbandes (VS) – Chemnitz: Ein Weckruf

03.09.2018

Die anhaltende rechtsextreme Gewalt auf den Straßen von Chemnitz ist schockierend und muss ein Weckruf sein für alle, die die Bildung rechtsextremer Formierungen bisher nicht genügend ernst genommen haben. Diese Vorgänge sind ein Angriff auf den Rechtsstaat und eine Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, so die Vorsitzende des Schriftstellerverbands Eva Leipprand.

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) appelliert an jene, die sich immer noch von dieser Seite eine Lösung ihrer Probleme erwarten: Fremdenhass und Gewalt sind nicht zukunftsfähig. Sie zerstören die Gemeinschaft und die Grundlage von Freiheit und Demokratie. Sie sind kein Mittel gegen Abstiegsängste, Ungerechtigkeit und Folgen des Klimawandels. Nur eine offene Gesellschaft kann tragfähige Wege in die Zukunft finden.

Die im Grundgesetz niedergeschriebenen Menschenrechte sind über Jahrhunderte hart erkämpft worden und gelten für alle, ganz gleich welcher Herkunft und Religion. Nun gilt es, aufzustehen und sie zu verteidigen. Nina George, VS-Vorstandsmitglied: »Man kann es nicht deutlich genug sagen: Nach diesem Ausbruch von Hass und Gewalt muss jeder und jedem klar sein, die oder der sich solchen Aktionen anschließt, sie gutheißt oder verteidigt, dass sie dabei sind, die dunkelste Geschichte unseres Landes zu wiederholen. Jene, die zur Gewalt aufrufen, Hetzjagden rechtfertigen und den friedlichen Widerstand verhöhnen, gerieren sich als die Stimme des Volkes; dabei sind sie Stimmen des Hasses. Wer sich ihnen anschließt, sollte sich nicht beschweren, in eine extremrechte Ecke gestellt zu werden – er hat sich dort selbst positioniert.«

Das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft kann und muss eine Gesellschaft lernen, es sollte längst eine Selbstverständlichkeit sein. Dazu gibt es keine Alternative. Unser Grundgesetz gibt uns dafür die notwendigen Instrumente in die Hand.

Während fremdenfeindliche Gruppen die Gewalt auf die Straße tragen und Thilo Sarrazin mit seinem neuen Buch noch Öl ins Feuer gießt, kreist der Astronaut Alexander Gerst an Bord der Internationalen Raumstation um die Erde. Aus seiner Perspektive ist ganz klar: Wir Menschen müssen auf dieser Erde miteinander auskommen und pfleglich mit ihr umgehen. Einen Kampf aller gegen alle können wir uns nicht leisten. Aus der Ferne des Alls zeigt sich unser Blauer Planet in verletzlicher Schönheit und begrenzt in seinen Ressourcen. Er ist unsere Heimat, eine andere haben wir nicht.


Aufreger

Eine Beratungsstelle. Soll helfen. Ich rufe dort an für meine Freundin J. an, die unsere Sprache noch nicht so fließend spricht. Angeblich stehen auch Sprachmittler in arabisch zur Verfügung. Es geht um ein dringendes medizinisches Problem. Am Telefon gerate ich in eine schier unendliche Schleife, kann immer nur mit Zahlen antworten, die aber alle nicht zutreffen. Ich probiere alle – ich will mit einem Menschen sprechen. Lande aber immer wieder in einer Sackgasse mit Textansagen. Keine davon kann jemand verstehen, der nicht mindestens sehr gut deutsch spricht. Am Ende der Hinweis: Für Nachrichten ist unser Band nicht vorgesehen.

Neuer Versuch, anderer Weg: Ich schreibe eine E-Mail und erkläre das Anliegen, das dringende medizinische Problem, das J. hat.

Die Antwort besteht aus einem unzutreffenden Textbaustein.

Sehr geehrte Frau W.,

bitte rufen Sie uns zu den Telefonsprechzeiten an, damit wir Ihre Voraussetzungen für die kostenlose Verhütung sowie Terminvereinbarungen besprechen können.

Weder meine Freundin J. noch ich wollen kostenlos verhüten.

Hoffentlich begegnen uns vor Ort nicht auch Roboter.

Die Beratungsstelle ist kostenlos. Aber: Guter Rat ist bekanntlich teuer.

 


Schulsachen

Die Zuckertüte hatte ich vorher schon besichtigt, sie war schnell gekauft.  Danach haben wir die Liste abgearbeitet, die die Kinder von der Schule bekommen hatten.

Ich habe viel gelernt. Nie wieder machen wir das so kurz vor Schulbeginn!  Immerhin weiß ich jetzt, was ein Verbindungsheft ist: Ein „Mutti-Heft“, Mitteilungsheft.

Inzwischen weiß ich auch, was ein Heft mit einem Haus ist.

Die Summe, der Dinge, die von einem Erstklässler gebraucht werden (Liste von der Schule), übersteigt die Möglichkeiten von Empfängern von Transferleistungen (Hartz4) beträchtlich. Selbst wenn es eine „Beihilfe“ von 70 € gibt. Bereits ein einfacher Schulranzen kostet so viel. Die mit „gut“ bewerteten Schultaschen kosten alle über 100 €, Preise über 150 € sind keine Seltenheit. Wer billig kauft, macht den Rücken seines Kindes kaputt…

Die Angebote für die Freizeit der Ganztagsschüler kosten ebenfalls – fast alle.

Wer möchte, dass sein Kind früh Englisch lernt, muss tief in die Tasche greifen – 23,90 € monatlich. Spanisch ist preiswerter, das gibt es für 100 € jährlich.

So wird schon früh sortiert – die einen lernen Englisch und Spanisch und Klavier und das Töpfern und und und… Und die anderen nehmen die kostenlosen Angebote und spielen mit der Horterzieherin.

Bildungsferne wird so dauerhaft reproduziert.

eine kleine, syrische Prinzessin – wird eingeschult 2018


Manchmal kommt aus Österreich ja auch etwas Gutes!

Omas gegen Rechts


Aufstehen

https://www.aufstehen.de/

Einen Versuch ist es wert! Ich bin gespannt.


Eigentlich wollte ich nur schnell etwas besorgen

Eigentlich wollte ich nur schnell etwas besorgen und dann noch ein Stück spazieren gehen.

Für meine Besorgung musste ich in das hiesige Einkaufscenter. Ich wusste, dass es knapp werden würde – der Laden schließt um 20:00 Uhr und ich konnte erst 15 Minuten vorher das Haus verlassen. Deshalb hatte ich – ganz entgegen meiner Gewohnheit – keine Kamera mit. L.(5 Jahre, sie lernt seit 1,5 Jahren deutsch) teilt meine Kameras ein: Die kleine Kamera, die mittlere Kamera und die große Kamera. Sie fehlten alle. Aber ich hatte das Handy dabei.

Auf dem Weg will ich an A. ein paar Bilder schicken – zum Deutschlernen. WhatsApp sei Dank, ist das einfach.

Ich schicke ein Bild von einem kaputten Luftballon, einer kaputten Schaufensterpuppe – es geht um das Wort „kaputt“ dann halte ich suchend das Handy in die Höhe, drehe mich, an mir vorbei geht eine junge Frau und als sie vorbei ist, dreht sie sich um – ich habe immer noch das Handy oben… Die Frau kommt (stürzt?) auf mich zu.

Haben Sie mich fotografiert?

Nein, antworte ich wahrheitsgemäß.  Wie kommen Sie darauf? Ich lerne mit jemanden Deutsch und habe ein Motiv gesucht. Ich zeige ihr mein Handy, der Dialog mit A. ist offen.

Sie ist ganz offenbar wütend.

Ich will freundlich sein. Ich stelle die blödeste Frage der Welt: Woher kommen Sie denn? Ich frage das, weil sie ein Kopftuch trägt, von dem ich denke, dass es wie bei den syrischen muslimischen Frauen gebunden ist. Aber es bleibt trotzdem eine dumme Frage. Und ich kriege – das habe ich verdient – mein Fett weg: Ich bin hier geboren. Sie spricht ohne Akzent.

Wir verstehen uns trotzdem nicht. Sie hält mich für eine böse Rassistin, die auf der Straße Frauen mit Kopftuch fotografiert, zu welchem Zweck auch immer. Und sie glaubt, dass ich wenn ich sie denn fotografiert hätte, sie nur wegen des Kopftuchs fotografiert hätte.

Ich frage sie, wieso sie mich denn verdächtigt. Dass sie mich verdächtigt, daran besteht kein Zweifel. Ich erkläre ihr noch einmal, dass ich ja nur mit jemandem Deutsch lerne und deshalb nach einem Motiv gesucht habe.Ich habe sie nicht fotografiert, wie sie ja an meinen Fotos sehen kann. Sie wirft mir mangelnde Emphatie vor. Mehrfach. Ich befinde mich schnell im Verteidigungsmodus. Meine Freundlichkeit, mit der ich versuche, sie davon zu überzeugen, dass ich weder ihr noch anderen Menschen gegenüber feindlich gesinnt sei, trifft auf taube Ohren. Sie ist der Meinung, ich müsste verstehen, dass ich in Verdacht gerade, wenn ich mich so benehme. Sie redet vom Recht am eigenen Bild und ist irgendwie immernoch aufgebracht, obwohl ihr ja nun inzwischen klar sein müsste, dass ich mich nicht mit „feindlicher Absicht“ durch den Straßenraum bewegt habe. Ich bin der Meinung – das sage ich ihr – sie hätte – wenn überhaupt – mich anders ansprechen müssen. Sie meint – ich würde sie ja gar nicht kennen und wüsste gar nicht, ob sie hysterisch oder zickig oder sonstwas sei… Wie denn anders? Guten Tag und Entschuldigung haben Sie… Das findet Sie nicht angemessen. Was sie denn gemacht hätte, wenn ich einfach weitergegangen wäre? Dann wäre sie mir hinter hergelaufen und hätte die Polizei gerufen. Häh, die Polizei? Sie denkt, die hätten dann mein Handy kontrolliert. Ich denke das nicht – und widerspreche. Das dürfen die ja so einfach gar nicht, Sie meint, aber dann hätte ich wenigstens Stress gehabt.

Die Genugtuung, jemand anderem dann „wenigstens“ Stress bereitet zu haben, verstehe ich nicht.

In ihrer Sprache, in ihrem Gebaren, ihren Anwürfen steckt meines Erachtens eine Verachtung, die ich auch nicht verstehe. Sie habe mich ja nicht geduzt und auch nicht beschimpft, meint sie. Ich fühle mich aber angefeindet – so sehr, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe.

Sie wäre schon so oft fotografiert worden, auch von Männern, und ich wisse ja, wie das sei mit den sozialen Medien. Ich wisse ja nicht, was sie schon alles erlebt habe. Und außerdem gäbe es ja nur ihr Gesicht, was da denn dran wäre. Alles bis auf das Gesicht ist tatsächlich verhüllt und das bei dieser Hitze. Das Gesicht, sei doch oft das interessanteste Motiv für Fotos, sage ich und erkläre ihr, dass ich sonst immer eine „richtige“ Kamera dabei habe. Und dass man natürlich auch auf der Straße fotografieren darf. Ja, aber mich nicht, sagt sie. Ich wiederhole, dass ich sie nicht fotografiert habe.

Ich weiß nicht, was sie erlebt hat. Aber ich fühle mich trotzdem sehr unwohl bei dem Gedanken, dass ich zukünftig aufpassen muss, dass nicht zufällig eine Frau mit einem Kopftuch in meine Nähe kommt, wenn ich fotografiere.

Ich werde jede Frau verteidigen, die wegen ihres Kopftuches beleidigt oder angegriffen wird, jeden Menschen, der wegen seines Aussehens, seiner Religion oder seiner Kleidung diskriminiert wird.

Aber: Ich gebe es zu, ich bin inzwischen genervt von mittelalterlichen Ansichten.

Ich erlebe die Veränderung von Frauen, wenn sie ihr Kopftuch anlegen. Sie verändern ihr Wesen – sie verhüllen sich, sie schirmen sich ab. Sie sollen ihre Blicke senken. Die Männer sollen ebenfalls ihre Blicke senken. Nur keinen Kontakt zum anderen Geschlecht. Das ist unanständig. Man lächelt fremde Menschen auch nicht an. Bereits Kinder werden von Eltern und Geschwistern gelobt, wenn sie im Ramadan fasten und dabei auch auf das Trinken verzichten. Dass sie damit ihre Gesundheit gefährden, das scheint keine Rolle zu spielen, es wird geleugnet. In vielen Schulen wird „Rücksicht“ genommen, Klassenfahrten werden verlegt,  sogar Prüfungen. Kinder, die sehr müde sind, schlafen während der Schulstunden ein – kein Wunder, wenn sie erst am Abend um halb Zehn essen und trinken dürfen und dann nachts um halb Zwei zum Frühstück geweckt werden. Junge Mädchen dürfen nicht ins Schwimmbad gehen – oder lehnen das schon von selbst ab – bekommen schon Bauchschmerzen bei dem Gedanken, so viele Halbnackte sehen zu müssen.

Rücksicht, das darf nicht der Blick nach hinten sein. Sonst werden wir uns irgendwann umgucken.


#fürdiefreiheitderkunst – Brüsseler Erklärung – bitte unterzeichnen!

„Ich möchte euch auf die »Brüsseler Erklärung – für die Freiheit der Kunst« aufmerksam machen. Sie steht gegen den Rechtsruck in Deutschland und Europa und versammelt alle, die für die Freiheit der Kunst einstehen möchten“, schrieb D.v.K.

Ich bitte um Ihre/ eure Unterschrift.

Menschlichkeit und Kunst haben eine Zukunft.

Noch glaube ich daran.

Die Erklärung ist ab jetzt öffentlich zur Unterzeichnung frei auf bit.ly/brüsseler-erklärung.

Für Twitter etc. lautet der Hashtag #fürdiefreiheitderkunst.


In Syrien fallen Bomben!

Hier sollte eigentlich ein Text über den großartigen Umzug der Reinhold-Burger-Oberschule bei Rakatak in der Schönholzer Heide stehen.

Aber Z. rief an und erzählte, dass es schlechte Nachrichten gibt. Von den Großeltern in Syrien. Dar’â. Dort fallen Bomben…

Und Europa diskutiert über Grenzschutz und Lager.

(Der Text über Rakatak wird nachgeholt)