Archiv für die Kategorie ‘Politik’

Ab in den Knast: Strafanzeige gegen Sarrazin

“Berlin. Mehrere Linkspartei-Politiker haben Strafanzeige gegen Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin gestellt. Die Staatsanwaltschaft müsse prüfen, ob bei Sarrazins Äußerungen über Muslime und Juden der Straftatbestand der Volksverhetzung und der Störung des öffentlichen Friedens erfüllt sei, sagte das Mitglied im Bundesvorstand, Ali Al Dailami, am Dienstag in Berlin. (ddp/jW)”

Volksverhetzung – was sonst soll sein, was Sarrazin mündlcih und schriftlich (schon wieder und damit einmal mehr!) von sich gibt. Wer die mit Zitaten geschmückten Kommentrare von Beifallklatschern liest, weiß schnell, dass die Beweisführung leicht erbracht ist.

Schlimm genug, dass in diesem Land wieder ein Klima herrscht, in dem solche Saat gut aufgeht.

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! Und Verbrechen sind strafbar!

Spieglein, Spieglein an der Wand – wer ist der Dümmste im ganzen Land?

Spieglein, Spieglein an der Wand – wer ist der Dümmste im ganzen Land?

Journalisten, die blauäugig Politikerquatsch hochjubeln?

Leser, die hinnehmen was sie so lesen müssen, es selbst aber besser wissen?

Oder wir alle, weil wir uns offenbar beinahe alles gefallen lassen, ohne sofort die Signale zu hören und endlich auf die Barrikaden zu steigen?

Es herrscht – leider – vorwiegend Ruhe im Land.

Geknüppelt wird von der Journaille eben gerade nicht auf die Bundesregierung und ihre Verbündeten (Ausbeuter jeder Couleur), die Millionen Kinder (und deren Eltern) in einem reichen Land Armut leben lassen.

Geknüppelt wird zum Beispiel auf  Linken-Chef Ernst wegen seines Lebensstils. Die (mit Freunden gepachtete) Almhütte und ein zehn Jahre alter Porsche sind Anlass für großes Geschrei über einen Lebensstil, der eines Linken nicht würdig sei. Ob Welt-Online oder SPIEGEL-ONLINE – sie holen sich linken Beistand von einem (natürlich namentlich nicht genannten) Abgeordneten der Linkspartei oder einem (ebenfalls nicht namentlich genannten) prominenten Mitglied der Partei.

“Das ist ein wahres Dilettantenstadl”, sagt ein führender Linken-Bundestagsabgeordneter. Die Bundespartei hätte die Auseinandersetzungen im Süden der Republik nicht so weit kommen lassen dürfen, er spricht gegenüber SPIEGEL ONLINE von “schlechtem Management und Unprofessionalität”.  SPIEGEL-ONLINE

“”Ernst ist ein Parteichef auf Abruf”, sagte ein prominentes Mitglied der Partei der WELT. “Nur haben wir nichts davon, wenn er jetzt gehen muss oder selbst geht.”  WELT-ONLINE

Geht es nicht um den Lebensstil von Klaus Ernst sondern um den von armen Kindern, dann sind die genannten Blätter weit weniger kritisch, dann zitieren sie auch keine Linken.

So bejubelt Yasim El-Sharif heute für SPIEGEL-ONLINE heute die in Stuttgart bereits eingeführte “Familiencard” unter der Headline: “Familiencard  ist Stuttgarts Liebling”.

Ganze 60 € im Jahr stehen damit Kindern zusätzlich zur Verfügung, die “beliebig” ausgegeben werden können – ich zitiere:  “für Bildungsangebote, Musikkurse, Sportvereine oder auch als Zuschuss für eine Klassenfahrt.”

Der kleine Adrian, von dem El-Sharif erzählt, geht für 18 € mit seiner Mutter in den Zoo. Viel bleibt da für Sportverein, Musikkurse usw. nicht mehr übrig.  60 € sind besser als nichts. Stimmt, aber wenn man oder Frau so tut, als würden diese 60 € das Problem der in Deutschland extremen Benachteiligung armer Kinder lösen oder wenigstens merklich verbessern, dann lügt man – oder kann man so dumm sein?

Jeder, der weiß, was Nachhilfe kostet (45 Minuten – 11 Euro), wie teuer fünf Tage Fußballcamp sind (99.- € beim Fünftligisten BFC Dynamo) oder was man für den Unterricht in einer Musikschule hinblättern muss (Musikschule Spandau wöchentliche Unterrichtszeit 60 Minuten – Jahresentgelt (€) 979,20 – monatliche Rate (€) 81,60) kann über jährliche 60 € nur lachen.

Wer in Deutschland “arm” geboren wird, hat viel geringere Bildungschancen, als die Kinder besser gestellten Eltern. Jeder zweite  Hauptschüler ist arm, aber nur jeder elfte Gymnasiast.

Studien beweisen außerdem, dass die Armut der Familie auch die Bewertung der schulischen Leistungen durch die Lehrer beeinflusst.

“Kevin ist kein Name, sondern eine Diuagnose”

“Sophie und Alexander haben Glück: Ihre Lehrer halten sie für leistungsstärker als Kinder, die Chantal oder Justin heißen. Eine Studie zeigt, dass Grundschulpädagogen Vorurteile gegen bestimmte Vornamen hegen – und manche Kinder deswegen sogar als besonders verhaltensauffällig einstufen.”

“Als eher freundlich und leistungsstark gelten den Grundschullehrern Jungen mit den Namen Alexander, Maximilian, Simon, Lukas und Jakob. Positiv bewertete Mädchennamen sind Charlotte, Nele, Marie, Emma und Katharina.

Auffällig schlecht bewerten die Lehrer die Namen Chantal, Justin, Dennis, Marvin und Jaquelin. Doch die Höchststrafe für Kinder lautet nach Ansicht der Grundschulpädagogen Kevin. Er führt die Rangliste der unbeliebten Namen an, gilt als verhaltensauffällig und leistungsschwach. Eine befragte Lehrerin kommentierte: “Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose.”  (SPIEGEL – KLICK zum ganzen Artikel)

Angesichts solcher Untersuchungen kann man sich vorstellen, wie günstig sich von der Leyens Ideen auf die Lebenspraxis der KInder und Eltern auswirken wird. Der Tagespiegel beschreibt die Pläne der Ministerin:

“Das Konzept der Arbeitsministerin sieht vor, dass vom nächsten Jahr an Nachhilfe oder die Mitgliedschaft in einem Verein von den Jobcentern bezahlt werden. Dort soll es künftig einen „Familienlotsen“ geben. Er soll kinderspezifische Bildungsangebote in seiner Region kennen, die Mitarbeiter der Behörde in Kinderbelangen beraten. Vorgesehen ist auch, dass es anders als bisher zu direkten Kontakten zwischen Schule und Jobcenter kommt, um den Bedarf von Hilfeleistungen zu ermitteln.” (Tagesspiegel)

Das führt zu einer weiteren Stigmatisierung der betroffenen Kinder und zur weiteren Entrechtung  ihrer Eltern. Ob ein Jugendlicher einer betroffenen Familie Nachhilfe bekommt, soll zukünfig das Jobcenter entscheiden. Nein, ich habe mir das nicht ausgedacht. Man kann es in sehr vielen Zeitungen lesen und ein Aufschrei der darüber schreibenden Journalisten bleibt aus.

Sie schreiben: “Hartz-Familien”, “Hartz-Kinder”, “Kinder aus schwierigen Verhältnissen”, “Kinder aus sozial-schwachen Familien” und meinen damit diejenigen Kinder, die in und von dieser Gesellschaft benachteiligt werden. Das sind keine Kinder von Frau oder Herrn Hartz, ihre Familien können durchaus über eine große soziale Kompetenz verfügen und sozial stark sein, nicht einmal aus “schwierigen” Verhältnissen müssen die Kinder kommen – bei vielen lieben sich die Eltern. Es geht um Armut. Die Eltern armer Kinder sind auch arm. Und wenn man die Bildungschancen ihrer Kinder wirklich verbessern will, dann muss man Eltern und Kindern aus der Armut helfen. Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen beispielsweise – von dem ein Leben in Würde möglich ist. Die Schulmittelfreiheit muss wieder gewährleistet werden und jedes Kind in der Schule oder im Kindergarten muss ein kostenfreies warmes Mittagessen bekommen. Die Mitgliedschaft in Sportvereinen darf das einzelne Kind nichts kosten, der Verein muss die Gebühren vom Land oder Bund bekommen. Wenn ein Kind Nachhilfe braucht, dann muss es die bekommen und bezahlt werden muss sie von der Kommune. Bücher muss man in Bibliotheken kostenlos ausleihen können und jedes Kind sollte mehrmals jährlich mit der Schule ins Theater oder Konzert gehen. Das ist alles nicht finanzierbar? Oh doch!

Aber so lange wir die herrschenden Verhältnisse zulassen, sind wir die Dummen.


Aufstocker sind keine Fälscher

Häufig verstehen Politiker nichts von den Dingen über die sie reden. Gerade ist mir wieder ein Beispiel in den Mailbriefkasten geflattert.

Unter dem Titel “SPD wirft Regierung Konzeptlosigkeit vor”  findet der Leser bei Reuters Deutschland folgende Passage:

KRAMME: AUFSTOCKER VERFÄLSCHEN ERGEBNIS

Dem Urteil zufolge muss die Regierung auch die Zahlungen für Erwachsene neu berechnen. “Ursula von der Leyen hat offensichtlich bisher kein Gesamtkonzept für die Regelsätze”, sagte Kramme. In der Haushalts-Stichprobe, die zur Berechnung des Verbrauchs von Hartz-IV-Familien herangezogen wird, seien nach Angaben der Regierung auch Hartz-IV-Bezieher enthalten, die ihr Arbeitslosengeld II durch einen Hinzuverdienst aufstockten. “Damit werden die Regelsätze verfälscht und unnötig niedrig gerechnet”, kritisierte Kramme.

Nun gehört Frau Kramme zu den Befürworterinnen eines existenzdeckenden gesetzlichen Mindeslohnes und steht für mich damit auf der Seite der GUTEN.

Aber was sie über Aufstocker sagt, ist trotzdem falsch. Aufstocker sind nicht Menschen, die etwas zu Hartz 4 dazuverdienen, nein, Aufstocker sind all jene, deren (HUNGER-)Lohn nicht zum Leben reicht und bei denen dieser dann durch Arbeitslosengeld 2-Leistungen aufgestockt wird.

Es stimmt natürlich auch nicht, dass die Aufstocker irgendein Ergebnis verfälschen – die Fälscher sind Politiker – oder deren Handlanger.



Hungrig nach Bildung?

WELT ONLINE:

Das „Bildungspaket“, das künftig über die Karte abgerufen werden kann, soll nach von der Leyens Plänen von Essenszuschüssen über Sportangebote bis hin zu Schulmaterial und Nachhilfe reichen. (Quelle)

Essenszuschüsse?

Da muss man natürlich fragen, ob dann mit der Bildungskarte tatsächlich eine bessere Teilhabe von Kindern, die von den sogenannten Hartz 4-Sätzen leben müssen, an den Bildungsangeboten realisiert werden kann, wie sie das Bundesverfassungsgericht gefordert hat:

Ein voller Bauch studiert nicht gern!

Waldemar Bankhofer wusste das schon im Jahre 2004.

Ein voller Bauch studiert nicht gern

Bankhofer für alle: Ein voller Bauch studiert nicht gern

Vermutlich war die Einführung von Leistungen nach dem SGB 2 für Kinder (volkstümlich auch Hartz 4 genannt) überhaupt eine Maßnahme zur Erhöhung der Bildungschancen von Kindern aus Familien mit wenig Geld.

Frau von der Leyen meint, dass ohne eine Bildungskarte, mit der unter anderem Essenszuschüsse verteilt werden, solche Zuschüsse bei den Kindern nicht ankämen: In Berlin hat offenbar jedes dritte Kind Rabeneltern!


Die Krise heißt Kapitalismus

Die Krise heißt Kapitalismus

Die Krise heißt Kapitalismus


Liebe Griechen…

Liebe Griechen,

der stern-Autor Walter Wüllenweber hat euch zwei Briefe geschrieben – und er hat dabei so getan, als dürfte er sich für alle Deutschen äußern. Er hat “wir” und “ihr” geschrieben, als gäbe es sein “ihr” und “wir”.  Ich schäme mich für diese Briefe und ich hoffe, dass ihr nicht denkt, wir wären mit mit diesem Walter Wüllenberger einer Meinung. Wir, das sind die meisten deutschen Linken, meine Freunde und viele andere kluge Menschen.

Wir wissen, dass wir nicht eure “Geldtante” sind, die euch angeblich jedem 9000 € geschenkt hat.

Wir wissen, dass ihr NEIN sagen könnt. So, wie ihr Nein gesagt habt, zur Kapitulation vor den Nationalsozialisten. Sie haben euch überfallen und euer Land besetzt. Zuerst die italienischen Faschisten, die habt ihr noch zurück schlagen können. Aber dann kamen 1941 die deutschen und bulgarischen Faschisten und euer Widerstand wurde gebrochen.

Jeder kann in Wikipedia nachlesen:

Italien, Deutschland und Bulgarien errichteten ein hartes Besatzungsregime. So wurde durch die erzwungene Ausfuhr der fast gesamten griechischen Produktion noch eine positive Handelsbilanz zum Deutschen Reich in Höhe von 71 Mio. Reichsmark festgestellt, die dann mit extremen Besatzungskosten (auf Wunsch von Hitler in „Aufbaukosten“ umbenannt) verrechnet wurden. Griechenland hatte von allen besetzten Ländern pro Kopf die höchsten Besatzungskosten zu zahlen. Um von der Bevölkerung mehr Sachwerte abzuziehen, wurde der Banknotenumlauf gesteigert. Der wirtschaftliche Zusammenbruch war abzusehen und wurde in Kauf genommen. Besonders die fehlenden Lebensmittel führten zu einer Hungerkatastrophe und einer Säuglingssterblichkeit von 80%. Von 300 im Oktober 1944 in Athen untersuchten Kindern waren 290 an Tuberkulose erkrankt. Nach „Erbeutung“ nahezu sämtlicher Produktionsmittel wie Maschinen, Fahrzeuge etc. wurden mehrheitlich Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse nach Deutschland gebracht. Das Deutsche Reich hatte sich vertraglich die wirtschaftliche Ausbeutung aller Besatzungszonen gesichert.

Obwohl die meisten von uns diese Zeit nicht selbst erlebt haben, wissen wir, dass während der Besatzung durch die Nazis Deutsche viele Kunstschätze aus eurem Land geraubt haben.

Wir wissen, dass die deutschen Besatzer zahlreiche Kriegsverbrechen in eurem Land verübten. Kalavrita und Distomo, sind nicht vergessen!

Liebe Griechen,

wir haben uns sehr gefreut, dass ihr jetzt nicht einfach alles nur hinnehmt. Wir haben uns gefreut, dass ihr auf die Straße geht und demonstriert. Lasst euch eure Errungenschaften nicht wegnehmen! Wehrt euch!

Kürzungen der Sozialleistungen haben bei uns viele Menschen in Armut gestürzt, die Regierenden haben durch sogenannte Reformen dafür gesorgt, dass zukünftige Rentner weniger Rente bekommen und alle länger arbeiten müssen, bis sie Rente beantragen können. Dabei ist für viele gar keine Arbeit da – wenn jemand nicht mehr ganz jung ist, findet er oft nie wieder Arbeit. Leider waren wir immer wieder zu wenige, die sich wehrten und demonstrierten. Und leider begreifen viele Menschen nicht, wo die Ursachen für die sogenannte Geldnot liegen und dass es die Produktionsverhältnisse sind, die geändert werden müssen – aushilfsweise könnte man vorerst auch den reichen Konzernen die Gewinne kürzen. Dafür müssten wir sorgen – aber wir sind noch zu wenige.

Liebe Griechen,

der Briefschreiber Wüllenberger hat in seinem zweiten Brief an euch zugegeben, dass er manche Dinge nicht gewusst hat. Dass er es zuggeben hat, ist gut – dass er sich nicht vor dem Briefeschreiben informiert hat, ist ein Skandal.

Dann hätte er nämlich gewusst, dass deutsche Handelsketten wie Lidl oder Saturn Griechenland erobert haben und somit deutsche Unternehmen aktiv die von ihm kritisierte Wirtschaft mitzuverantworten haben. Er hat angeblich auch nicht gwusst, dass die deutsche Waffenindustrie gigantisch an euch verdient. 13 % der deutschen Waffenexporte gehen nach Griechenland.

Dass Griechenland auch in Deutschland viele Arbeitsplätze sichert, weil ihr viele unserer Waren und Maschinen kauft, hat der Briefeschreiber offensichtlich immer noch nicht gehört oder gelesen.

Der öffentliche Dienst wird bei uns immer weiter abgebaut. Immer mehr Aufgaben, die er eigentlich haben müsste, werden privatisiert. Das heißt auch, dass immer weniger Menschen sichere Arbeitsplätze haben. Es stimmt, dass wir löchrige Straßen haben, Schwimmbäder schließen, es ist auch richtig, dass manche Städte jede zweite Straßenlaterne nicht mehr anschalten, weil sie die Stromrechnung nicht mehr bezahlen können. Insoweit stimmt die Beschreibung von Wüllenberger. Aber, liebe Griechen, daran seid ihr gewiss nicht schuld!

Liebe Griechen,

wir haben uns sehr gefreut, als wir euer Transparent gelesen haben: “Völker Europas, steht auf!!” Der aufschreiber hat dazu schon geschrieben, was wir denken:

Vöker Europas, steht auf! Man könnte auch sagen: Proletarier aller Länder vereinigt euch!


Besserung in Sicht?

Ab Dienstag wird das Wetter wirklich  besser! Da kann mir keiner was anderes erzählen, ich würde es doch nicht glauben. Schließlich soll man ja nicht immer nur negativ denken. Und ich denke jetzt einfach mal positiv. Ich sage so lange besseres Wetter voraus, bis es stimmt.

Eben habe ich einen Blick in den Entwurf des Parteiprogramms DER LINKEN geworfen. So schlimm hatte ich ihn mir wirklich nicht vorgestellt. Da ist wohl keine Besserung in Sicht!

“Der Kampf für eine andere, bessere Welt, für den demokratischen
Sozialismus, beginnt mit der Veränderung der
Gesellschaft, in der wir leben. DIE LINKE setzt sich für die
Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit ein. Einkommen
und Vermögen werden durch Arbeit erzeugt und sollen
daher entsprechend dem Beitrag zum gesellschaftlichen
Arbeitsprozess sowie nach Bedürftigkeit verteilt werden.
Reichtum darf sich nicht länger bei den Kapital- und
Großgrundbesitzern konzentrieren. Erwerbsarbeit, Arbeit
in der Familie, die Sorge um Kinder, Partner und Freunde,
die Teilhabe am kulturellen und politischen Leben und
schließlich individuelle Weiterbildung und Muße sind
wesentliche Lebensbereiche. DIE LINKE will für alle
Menschen die Möglichkeit schaffen, diese Lebensbereiche
in selbstbestimmter Balance zu verbinden.”

Das vergleiche man mal mit:

“Mit einem Wort, die Kommunisten unterstützen überall jede revolutionäre Bewegung gegen die bestehenden gesellschaftlichen und politischen Zustände.

In allen diesen Bewegungen heben sie die Eigentumsfrage, welche mehr oder minder entwickelte Form sie auch angenommen haben möge, als die Grundfrage der Bewegung hervor. Die Kommunisten arbeiten endlich überall an der Verbindung und Verständigung der demokratischen Parteien aller Länder.

Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.

Proletarier aller Länder, vereinigt euch!”

Die alte Schrift ist mir um so vieles näher als das Programm von heute. Ich vermisse bei der LINKEN den Willen zur revolutionären Umgestaltung dieser Gesellschaft – die muss radikal sein, weil die Wurzeln dieser Gesellschaft unmenschlich sind. Der einzige Grund trotz allem DIE LINKE zu wählen, ist für mich die Alternativlosigkeit. Sie ist die einzige Partei, die NEIN sagt zum Krieg.


Das Mädchen mit den dünnen Zöpfen…

Eine Schule feiert. Es gibt sie seit 100 Jahren, das ist natürlich ein Grund. Schüler, Lehrer, Förderverein und Eltern haben sich viel Mühe gegeben.

Es gab Vieles zu sehen, eine Modenschau, ein Theaterstück, Spiele wie vor hundert Jahren – die Klassenräume von damals, heute und morgen – wie die Kinder sie sich vorstellen. Die Eltern hatten jede Menge Kuchen gebacken, der Förderverein schenkte Erbsensuppe aus und eine Bratwurst kostete nur 50 Cent.

Die Schulräume waren geöffnet, die Klassenzimmer aufgeräumt und wir bewunderten Bastelarbeiten jeder Art. An den Wänden, in den Fluren gab es auch manche Information über das Schulleben damals. Einen Schulspeiseplan aus der Nachkriegszeit zum Beispiel. Zeugnisse und Bilder.

Vor allem aber tobten heute fröhliche Kinder durch das Haus und auf dem Hof.

Nur das Mädchen mit den dünnen Zöpfen fehlte. Die, die damals plötzlich nicht mehr zur Schule kam. 1934. Das kleine jüdische Mädchen mit den dünnen Zöpfen kam im Rückblick auf 100 Jahre Schulgeschichte nicht vor. Ich habe sie vermisst.


Und versuche gut zu sein…

Mein Freund Uwe Bunkenburg starb einige Jahre vor der sogenannten Wende an den Folgen eines Autounfalls. Er war erst Mitte 20 und Meisterschüler im Fachgebiet Gitarre an der Musikhochschule. Die näheren Umstände seines Todes werfen noch immer viele Fragen auf. Antworten habe ich auf diese Fragen nicht.

Als mein Sohn noch sehr klein war, war Uwe oft sein Babysitter.

Das Schlaflied, das ihm Uwe sang und auf dabei auf der Gitarre begleitete, war Wolfgang Borcherts: “Stell dich mitten in den Regen”. Wolfgang Borchert schrieb sein Gedicht 1940.

Als Uwe 1976 von Offizieren des Ministeriums für Staatssicherheit  angesprochen wurde und sie um seine Mitarbeit baten, kam er zu mir.

Ich riet ihm, es überall herumzuerzählen. Er befolgte meinen Rat. Die Leute von der Stasi besuchten ihn bald nicht mehr.  Aber sie besuchten nun mich auf Grund der Informationen, die sie von meinem Freund Uwe über mich erhalten hatten. Aber das ist eine andere Geschichte…

“Und versuche gut zu sein” – über diese Zeile haben wir oft gesprochen. Sogar gestritten. “Der Versuch reicht nicht”,  ich war zwar älter als Uwe, aber jung genug, um keinerlei Ausflüchte und Entschuldigungen gelten zu lassen. Alles musste ganz sein und vollkommen, wie in der Liebe.

Uwe liebte die Lieder von Hermann van Veen, beide mochten wir Biermann, Degenhardt und Süverkrüpp. Van Veen fand ich zu weich und nicht kämpferisch genug. Damals.

Damals rannten wir bei Regen barfuß durch die Florastraße.

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Signale

Heute feiern die Christen die Auferstehung Jesu.

Es waren Menschen, die zugesehen haben, wie er litt und starb.

Nur wenige Getreue standen ihm bei, als er noch lebte und sich für die Unterdrückten und Malträtierten einsetzte.

Und daran hat sich seither nichts geändert:  Die meisten Unterdrückten und Malträtierten stehen sich selbst nicht genügend bei.

Jesus hat einen 1 €-Job und bekommt Hartz 4.

Jesus hungert mit 524 Millionen Menschen in Asien,  206 Millionen in Afrika, 52 Millionen Menschen in Lateinamerika und Millionen anderen Menschen beinahe überall auf der Erde.

Jesus verhungert jedes Jahr – wie 8,8 Millionen andere Menschen.

Jesus wird  “aus Versehen”  in Afghanistan erschossen.

Jesus wird gedemütigt, gefoltert und ermordet.

Jesus stirbt  im Bombenhagel.

Jesus wird von Minen zerfetzt.

Jesus steht auf dem Dach eines Hochhauses…

Es wird Zeit, dass die Völker die Signale hören.

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