Eigentlich ist alles wie früher

Eigentlich ist alles wie früher.

In der Küche steht ein Tisch.

Wir trinken Tee.

Und natürlich reden wir über Gott und die Welt.

Pfarrer und Atheistin.

Freundschaft kann man nicht kaufen.

„Ihr seid so ungeheuer wichtig für mich gewesen!“

Wann war das 1986 oder 1987?

A. ist tot. Sein fotografisches Gedächtnis fehlt uns.

Wir sind älter geworden.

Ich bin jetzt Fünf, sagt C. und damals war ich Drei.

An Liebe soll man glauben. Man muss.

Und an die Menschen. Die kleinen und die großen.

Dem anderen in die Augen sehen und mit seinen Augen sehen.

Offen sein. Auch für die mit der anderen Meinung.

Widerspruch aushalten und wieder sprechen und widersprechen.

Muslime, Juden, Palästinenser, Christen und der böse Nachbar auch.

Es lebe die Evolution.

Du wirst schon sehen!

Wir werden das irgendwann schaffen.

Rauchschwaden ziehen durch die Küche.

Geld ist wichtig, aber nicht wichtig.

Technik bleibt spannend.

Wenn das Licht aus dem Fenster flieht – wo zieht es dann hin?

Nie war die Menschheit so nah daran, sich selbst zu vernichten.

Der seidene Faden, unsere Erde lebt ohne Netz.

Aber täglich füttern wir das Prinzip Hoffnung.

Eigentlich ist alles wie früher.

 

 


OMAS GEGEN RECHTS sind dabei: #UNTEILBAR – 13. Oktober Berlin

#unteilbar

#unteilbar

OMAS GEGEN RECHTS

OMAS GEGEN RECHTS


Tag der Republik und eine AG für antifaschistische Literatur

Unterwegs treffe ich H. – ich gratuliere. Er sagt: Es gibt nichts, wozu Du gratulieren könntest. 

Später treffe ich ihn noch einmal. Er entschuldigt sich: Ich dachte, Du gratulierst zum 3. Oktober, aber heute ist ja der 7. Oktober.

Später erzählt mir B., dass eine Arbeitsgemeinschaft für antifaschistische Literatur an seiner Schule (Gymnasium) „eingestellt“ wurde, weil sie gegen das Neutralitätsgebot verstoße.


Gedächtnislücken-Notiz

Mein Gedächtnis ist löchrig wie ein Sieb. Manche Löcher lassen sich schließen. Einige mit Hilfe von Notizen, alten Kalendern oder Akten, die Mehrzahl aber mit der Hilfe der Erinnerung anderer Menschen.

Jeder merkt sich beinahe (nur), was für ihn selbst wichtig ist, alles andere wird irgendwann vergessen. Durchaus erlebe ich aber, dass Vergangenes erst spät wichtig wird. Auf der Suche nach der Erinnerung an eines dieser Löcher im Sieb findet sich manche Erinnerung bei alten und neuen Freunden. Aber auch bei alten und neuen Nichtfreunden. Das ist überraschender. Und außerdem: Ja, auch die Feinde gibt es noch. Menschenfeinde. An die muss man sich erinnern, aber sie wecken auch manche Erinnerung.


Das Ende des Sommers am Meer

Das Ende des Sommers am Meer

Das Ende des Sommers am Meer


Aufgeflogen

Ich hab euch sogar mein Kind geschenkt und ihr meckert nur an mir rum. Undank ist der Welten Lohn, sagte der Kuckuck und flog davon.


„Hupen gegen die AFD“ und „Gegen faschistische Tendenzen“

Das Hupen höre ich bis an meinen Schreibtisch – ist das schön! Schön laut.

Hupen gegen die AFD

Hupen gegen die AFD

Demnächst jährt sich die sogenannte Ossietzky-Affäre, die sich ähnlich wie im Wikipedia-Artikel beschrieben zugetragen hat.  Bei blogsgesang.de gibt es einen Artikel, der vor 10 Jahren zum 20. Jahrestag erschien.

1988 demonstrierten Schüler der EOS Carl-von-Ossietzky mit einem selbstgemalten Transparent: Gegen faschistische Tendenzen. Einer der Gründe für ihre spätere Bestrafung.

Die Schule macht zu den Ereignissen von 1988 Projekttage und hat ehemalige Schüler und auch mich dazu eingeladen. Welche Bedeutung hat das, was die Schüler damals machten im Heute? Hat es eine? Die Speakers Corner ist für die Schüler inzwischen wenig interessant, erfuhr ich aus sogenannten gut informierten Kreisen.

Fest an der Panke. Alles wie immer. Man trifft einfach alle – ob man will oder nicht. Die Parteien stehen an der gleichen Stelle wie im Vorjahr. Auch die AFD. Nach 2 Minuten Diskussion mit einem der dortigen Multiplikatoren wird mir schlecht, und ich wende mich unter lautem Protest ab. Hinter dem AFD -Stand hocken ein paar junge Leute, die ganz offensichtlich meine Abneigung teilen.

Wir kommen ins Gespräch und so erfahre ich von der für heute angemeldeten Demonstration.

Sehr coole Aktion – und es gab laute positive Resonanz von den Vorbeifahrenden und Vorbeigehenden. Und übrigens: Da waren auch Schüler des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums dabei.

Ich freue mich auf die Projekttage und viellicht auf eine Begegnung mit Schülern der Schülerzeitung „Moron“.

Vielfalt

Vielfalt

Schild gegen die AFD

Schild gegen die AFD

Demo

Demo


Zwischen den Stühlen

Die fremde Katze schläft ruhig und satt auf der Bank unterm Baum. Abschied vom Sommer? Nein, sagt P. – komm, wir halten ihn einfach fest. Wir richten unsere Kameras auf den Himmel – der scheint blau und wolkenlos. Überall zeigt sich dieser harte Sommer: der trockene Boden, das verdorrte Gras. Eine Wespe auf der faulen Stelle des Apfels lässt es sich gut gehen. Wespen sind wichtig, sage ich. P. verspricht mir ein Wespenhotel für den Balkon. Für ein Hotel ist kein Platz, wende ich ein, ich habe dort schon ein Wespenrestaurant. Immer sitze ich irgendwie zwischen den Stühlen, sagt P.

Zwischen den Stühlen sitzen, ist gar kein Problem – sagt ein Spatz – und fliegt einfach davon. Wir bleiben sitzen. Wir haben keine Flügel.


Ein Film ist in mein Herz gefallen… Gundermann

Es gibt sie noch, die guten, wahren Filme. Die Filme, die Gesichter zeigen und Menschen und Geschichten erzählen. Ohne Wenn und Aber: Angucken! Vorsicht, die Gundermann-Lieder machen süchtig.

Poetische Bilder, raue Texte und ein genauer Blick auf unsere Geschichte, Weiß- und Graubrot. Igel mit Milch füttern, das ist falsch und man kann sich nicht entschuldigen, das ist richtig.

Wir sahen den Film zu dritt, zwei Westler und ich – gemeinsam freuen wir uns jetzt auf die fetten Tage, hoffe ich.

Mal eine gut erzählte Stasi-Spitzel-Geschichte. Poet, Sänger, Liebender.

Das hat mir besonders gefallen: Ich habe aufs richtige Pferd gesetzt, aber es hat nicht gewonnen. 

 


Nachschlag… (zum Film „Familie Brasch“) – Thomas Brasch erhält den Bayerischen Filmpreis 1981

Eine kurze Sequenz aus der Preisverleihung gab es auch im Film „Familie Brasch“ zu sehen. Die generierte zwar Lacher – Brasch bedankte sich bei der Filmhochschule der DDR für seine Ausbildung – war  aber definitiv zu kurz, um Brasch zu verstehen. Auch die Zeitzeugenkommentare halfen da nicht weiter. Weiter helfen kann nur Thomas Brasch selbst.