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Woran und womit entfachen geistige Brandstifter eigentlich ihr Feuer, und wer soll es löschen und womit?

Darum, also um Aufklärung zu dieser Frage, geht es mir mit meiner Unterschrift unter die Antwort auf die „Erklärung“, die im übrigen erst mit dreijähriger Verspätung ein Feuer legt, das selbst Frau Merkel mit nachgeschobenen widersprüchlichen Erklärungen zu ihrer noch widersprüchlicheren Politik nicht allein gelegt hat. Kann sie garnicht, ohne sie jetzt zu sehr in Schutz nehmen zu wollen, dazu ist sie nicht alt genug. Es wäre unhistorisch und würde der Geschichte des kolonialen und postkolonialen Denkens nicht gerecht. Wenn ich jedoch mit der Aufklärung der Geschichte des Schuldenmachens in der BRD in einer Debatte bei freitag über die Antwort auf die „Erklärung 2018“ (V. Lengsfeld, Henryk Broder, Uwe Tellkamp u.a.) auf ein gleisnerisch vorgebrachtes ökonomisches Argument antworte, um dann von einem Leser gleich als dümmlich den spekulativ vorgeschobenen Profitinteressen eines Großspekulanten auf den Leim gegangener verträumter Sozialist verhöhnt zu werden, fühle ich mich geschmäht. Mit jemandem, der darauf nicht verzichten kann, ist kein Gespräch möglich.

Nach meinem Eindruck legen die geistigen Brandstifter der „Erklärung“ in höchst undifferenzierter, gleisnerischer Absicht an eine der wichtigsten Errungenschaften der Aufklärung, auf die von den UN 1948 in nochmals ausdifferenzierter Form jeder Staat verpflichtet worden ist, der seine Verfassung als a) republikanisch und b) demokratisch wahrgenommen sehen möchte. Ich wiederhole mich ungern, denn ich sagte es oben schon mal, aber ich spreche von den Menschen- und Bürgerrechten, wie sie zuerst 1791 von der Assemblée Nationale in der französischen Verfassung niedergeschrieben und beschlossen worden sind. Auf die beruft sich zurecht die „Antwort“, und deshalb steht meine Unterschrift dort und nicht unter der gleisnerischen „Erklärung“ von Leuten, die sich im Grunde um die Entstehung von Krieg in Afghanistan, im Irak und in Syrien, sowie um das Interesse der dort lebenden Menschen am Erhalt ihres Lebens und ihrer Kultur trotz und entgegen den politökonomischen Interessen von Groß- und Mittelmächten wie USA und Rußland einerseits und GB, Frankreich und Deutschland andererseits am Erhalt ihrer Einflußsphären keinen Deut geschert haben, obwohl auf dieser eigentlich sehr reichen Welt bereits damals alle 5 Sekunden ein Kind an Hunger und, ich weiß nicht in welchem statistischen Intervall, ein Mensch an durchaus heilbaren Krankheiten vorzeitig zu Tode kommt. So rechnet es Jean Ziegler vor, der lange der Welternährungskommission bei den UN vorgestanden hat, weil er sonst von Banken, die sich durch seinen Sachverstand beleidigt, womöglich gar bedroht fühlten, ökonomisch vernichtet worden wäre. Denn erst mit dem Erhalt des Lebens und der ökonomischen Lebensgrundlage kann die Wahrnehmung eines Menschen- und Bürgerrechts beginnen.

Aus der Debatte mit einem selbst ernannten Humanisten (gemeint ist ein anderer Leser bei freitag, der sich in derselben Debatte an meinem Versuch, zu argumentieren, an mir festgebissen hatte) verabschiede ich mich damit, weil alles, was ich bei ihm an gleisnerischen Argumenten lese und an Motiven für die Texte wahrnehme, die er zur Rechtfertigung oder meinetwegen Begründung seiner unverantwortlichen Haltung heranzieht und produziert, neben dem deutlichen Motiv der Selbstdarstellung, sowie des Rechtbehaltens, eben darauf hinausläuft, diesen unmenschlichen, atavistischen Spannungen nicht Entspannung, sondern weitere Spannungen (hier nationale) entgegenzusetzen, oder, wie oben gesagt, eben Feuer an ein Haus zu legen, dessen Erhalt mir, wie vielen anderen, äußerst wertvoll ist.

Was ich außerdem abstoßend finde, ist der Ausweich auf Angriffe und Schmähungen ad personam, wie oben in den Texten dieses antiaufklärerischen „Humanisten“ nachzulesen. Ich hoffe, die Wahl eines Oxymoron macht begreiflich, was ich davon halte.

Daß ich mir mit der Wahl meines Forumsnamens „montaigne“ dabei vielleicht auch selbst etwas zu große Schuhe anziehe, ahnte ich bereits, als ich mich dafür entschied, aber es dient der Ehrung eines Philosophen, den ich verehre, und der, fürchte ich, gerade wegen seiner unübertroffen rücksichtslos (sogar sich selbst gegenüber) dem Humanismus verpflichteten Aufrichtigkeit in seinen Essais, hierzulande viel zu wenig gelesen, gewürdigt und nachgeahmt wird. Erst 1999 wurde sein Hauptwerk von Hans Stilett in ein Deutsch übertragen, das m.M.n. seinem bescheidenen Wesen und seiner unbedingten Aufrichtigkeit Ausdruck gibt. Um auszudrücken, daß ich das weiß, schreibe immerhin ich für meinen Gebrauch seines Namens denselben klein, in der Hoffnung, daß das mitgelesen und von denjenigen, die es mir gern vorhalten, als Ausdruck meines bescheidenen Versuchs, aufrichtig zu bleiben, gelesen wird. Auf den meinerseitigen Gebrauch von ähnlichen Schmähungen ad personam eines Gesprächspartners in Erwiderung seiner Schmähungen möchte ich weiterhin verzichten. Mir geht es hier, wenn ich das Wort ergreife, um ein Gespräch, das zur Wahrheit (ver)führt. Falls es jemandem beliebt, das als rosarot, political correct, verträumt, dümmlich, nicht ganz von dieser Welt o.a.m zu verdächtigen, zu verhöhnen oder zu schmähen, mag er das tun; ich kann ohnehin niemanden an seiner Wahrnehmung der Dinge hindern. Es geht mir jedenfalls nicht um einen weiteren Guß Öl ins Feuer einer Sache, die, also eines Rechts, an das von Groß- und Mittelmächten Feuer gelegt und wofür bedenkenlos Menschenleben gefordert wird, weil sie nunmal deren Lebensgrundlage rücksichtslos ihren politökomischen Interessen unterzuordnen und zu opfern sich angewöhnt haben. Darin kann ich keine dem Gemeinwohl verpflichtete, verantwortliche Politik erkennen, dazu hat niemand das Recht oder gar ein politisch vertretbares Mandat. Wie das Phänomen Hitler zu erklären sei, möchte ich in dem Zusammenhang auch mit niemandem erörtern, dem es nicht um die Wahrheit zu tun ist, bloß weil er deklamiert, er sei bereits in deren Besitz.

 


…alte Zeiten

…ein guter – alter Freund – erinnerte mich heute an alte Zeiten.


SAG NEIN


Offener Brief am Tag der Türkischen Presse an Erdogan und Yildirim – PEN-Zentrum

ZUR KENNTNIS

Pressemitteilung, Darmstadt, 24. Juli 2017

Messieurs les Présidents,

Bay Erdogan

Bay Yildirim

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht die Zeit haben werden.

Oder sind Sie gerade nicht damit befasst, neue Deals und Taten zu planen, die das Tageslicht und eine kritische Berichterstattung durch eine freie Presse scheuen?

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht den Mut haben werden.

Denn Politiker, die Verantwortung dafür tragen, dass in ihrem Land binnen eines Jahres

  • mindestens 145.000 Beamte entlassen werden
  • mehr als 47.000 Menschen unter überwiegend absurden Anklagen, die einer rechtsstaatlichen Beweisführung nicht standhalten, inhaftiert werden und 100.000 Fälle vor dem Verfassungsgericht anhängig sind
  • mindestens 165 Journalisten verhaftet werden, was Ihr Land zum weltweit größten Gefängnis für Journalisten macht
  • dass mindestens 160 Verlags- und Medienhäuser geschlossen werden
  • und mindestens 1300 Verbände und Organisationen verboten werden –

solche Politiker werden von Angst beherrscht und regieren selbst mit Angst und Willkür.

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht den Anstand haben werden.

            Denn anständige türkische Politiker würden am 24. Juli den Tag der Türkischen Presse feiern und daran erinnern, dass am 24. Juli 1908 die Zensur in der Türkei abgeschafft wurde. Sie würden die besten Journalisten ihres Landes einladen und mit Preisen für mutige Berichterstattung auszeichnen, anstatt sie an den Pranger zu stellen und ins Gefängnis zu werfen.

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht genug Liebe zu Ihrem Land haben werden.

Denn sonst wären Sie stolz auf die bald hundertjährige Geschichte der Zeitung, die sich den Namen „Republik“ gab und die die älteste Zeitung in der modernen Türkei ist, Cumhuriyet. Seit 1924 hat die Zeitung fünf Militärcoups überlebt. Viele ihrer Journalisten wurden inhaftiert, gefoltert oder fielen sogar politischen Attentaten zum Opfer. Noch nie aber gab es eine solche konzertierte Anstrengung, die Zeitung gänzlich zu eliminieren. Dieser Angriff auf die Cumhuriyet ist ganz offensichtlich ein politischer Angriff und zielt direkt auf die Pressefreiheit und die säkulare Republik.

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, den zu lesen Sie wohl nicht die Größe haben werden.

            Denn sonst würden Sie für eine unabhängige Justiz sorgen, anstatt martialische Reden zu schwingen, in denen Sie Ihren angeblichen Feinden barbarische Aktionen androhen. Sie würden Ihren Kritikern mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen.

Messieurs les Présidents, Bay Erdogan, Bay Yildirim,

Ich schreibe Ihnen diesen Brief, um Sie aufzufordern: Zeigen Sie Mut, Anstand und Größe. Beweisen Sie die Liebe zu Ihrem Land, indem Sie den Ausnahmezustand beenden. Und beenden Sie die Politik der Spaltungen – zwischen Türken und Kurden in Ihrem Land, zwischen türkischen oder türkisch-stämmigen und deutschen Bürgern in Deutschland. Mit Ihrer Politik und Ihrem Gebaren leisten Sie den Türken in Deutschland keine guten Dienste, im Gegenteil: Sie beschwören Konflikte herbei, die die deutsch-türkischen Beziehungen um Jahrzehnte zurückwerfen können.

Messieurs les Présidents, Bay Erdogan, Bay Yildirim,

Setzen Sie heute, am Tag der Türkischen Presse, ein Zeichen. Setzen Sie sich für die Freilassung der zu Unrecht inhaftierten politischen Gefangenen ein und für die Einstellung des Prozesses gegen die Mitarbeiter der Cumhuriyet, der heute, am 24. Juli, beginnt. Von den 17 Mitarbeitern – die Namen rufe ich Ihnen nachfolgend in Erinnerung – sitzen acht Journalisten und drei Rechtsanwälte seit nun mehr über neun Monaten lediglich für ihre kritische Berichterstattung in Haft. Diese tapferen Männer und Frauen – und ihre Familien, die zum Teil auf barbarische wie hilflose Weise unter das Verdikt der Sippenhaft gestellt sind – sie verkörpern für mich das Beste und Schönste im Menschen, das Politikern wie Ihnen fehlt. Wahre menschliche Größe. Anstand, Aufrichtigkeit, Mut. Wahrheitsliebe und Freiheitsliebe und Liebe zu ihrem Land wie zu einer in Frieden lebenden Menschheit.

Und so sehr Politiker wie Sie auch geifern und all das zu unterdrücken versuchen: Wahrheit und Gerechtigkeit werden am Ende doch siegen.

Regula Venske

Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland


Der frühe Vogel fängt den Wurm – alles Ansichtssache

Der frühe Vogel fängt den Wurm, flötet die Amsel.  Och nö, sagt der Wurm und kriecht ins Erdbett.

Früher Vogel – Amsel

 


Zebrastreifen beachten! (Gastbeitrag von Manfred)

Zebrastreifen

Nichts Böses im Schilde führend, habe ich am Samstag im polnischen Kostrzyn so dir nichts mir nichts eine Straße überquert. Auf direktem, kürzesten Wege, ohne Umweg zum Zebrastreifen.
Da bin ich dann direkt einer hübschen, jungen Dame in die Arme gelaufen, die offensichtlich nicht nur auf mich gewartet hatte, sondern mich sogleich auch ansprach.

Oh….,die könnte mir gefährlich werden.

Wurde sie dann auch. Mit einem strengen Blick, einer Pistole im Halfter und in einer kleidsamen Policia – Uniform steckend. Trotz allem aber ein herzerfrischender Anblick.
Es folgte ein strenges Aufklärungsgespräch. Zu meiner Übeltat, den Fußgängerüberweg nicht benutzt zu haben.
Für das kleine Referat mochte sie dann 50 Zloty haben.

Fand ich zwar etwas teuer, aber gut, die müssen ja auch von was leben.


Endstation Gesundbrunnen – Gastbeitrag von Pecola

Endstation Gesundbrunnen

 

Vor mir wackelt

und schwingt

ein Hintern

die Treppe herauf

mit großen

roten Blumen

auf sieben-centimeter-Absätzen.

Ungelogen.

Für eine Minute

ruht der Bahnhof in sich selbst,

die Schienenstränge schweigen,

verstummte Menschen,

stille Statisten

in einem

surrealen Stück.

Magie

zwischen Zigarettenkippen.

Nur die Plakate

schweppen schrill

und

grammatikalisch dämlich

an der Wand entlang.

Beleidigend.

Am Ende des Tunnels

ist noch Licht,

in dem die Gräser

silbern schwanken.

Dröhnend,

unaufhaltsam

nähert sich ein Zug.

Er hält.

Endlich.


Verwunschene Stunde – Gastbeitrag von Pecola

Verwunschene Stunde

In meinen Kurven

ruhen Katzen.

Der Schlaf

flieht mich

seit Stunden schon

und schenkt mir

Wortsalat

entlang der

weichen Ränder

meiner Zeit.

Den Sätzen fehlt

die Lust zu bleiben,

vielleicht ist’s ihnen auch

zu kalt,

zu laut,

zu hell,

zu irgendwas.

Sie tanzen

Samba, Rumba, Fox

in buntem Stoff,

verdrehen Sinn und Kraft,

richten ein Blutbad

unter den verbleibenden Minuten,

übergeben mich

dann

leer und müd

dem gnadenlosen Ruf

des Weckers.

 


Gastbeitrag von Pecola: Frühlingsfreude um sieben am Morgen

Frühlingsfreude um sieben am Morgen

Der Frühling fängt die Beine ein

und spannt sie in ein Netz

zeigt Bögen, weich und rund,

an Anmut reich

Kehle, Knie und Fessel

in Schönheit zart,

hell wie die Blüte

der Kirsche

am Baum,

dort

im Hof und kurz.

Einen Moment später

schon

streift mein Blick

aufgerissenen Asphalt.