Archiv für die Kategorie ‘Stichpunkte’

Leben im Schatten der Zukunft

Wir spüren die Brüderlichkeit der Nächte,

ehrgeizig leuchtet der Mond

und gewiss geht die Sonne auf.

Der Weltuntergang ist aufgeschoben,

weissagte auch P.W.,

gefährlich nah scheint mir das Ende

noch immer.

Aber der Morgen bricht durch

und unsere Kinder sind doch auch noch da!


Abschied

Mich erreicht

jetzt schon ein letzter leichter Sommergruß.

Noch sind die Blätter grün,

doch die ersten segeln schon im zarten Wind

unaufhaltsam ihrem Ende zu.

Mühsam bahnt sich ein Abendsonnenstrahl den Weg

und besucht mich.

Es wird schon so früh dunkel.

Gerade eben, denke ich, war doch noch Frühling.

Was bleibt vom Sommer?

Ein zartes Rotkehlchen auf dem Zaun –

zum Beispiel.

Doch ich weiß schon jetzt:

Es wird kälter in Deutschland,

schon am Sonntagabend.

Rotkehlchen

Rotkehlchen

 


Das Glück der Anderen

Heute habe ich ein sehr glückliches junges Mädchen fotografiert. Das Foto gibt es hier nicht, das ist privat. Aber die glücklichen, schönen Augen der jungen Frau sind so wunderbar, dass jeder, der in diese Augen blickt, ein wenig von ihrem Glück geschenkt bekommt. Das Glück der Anderen kann glücklich machen.


Du siehst nur die Probleme, die Du selber hast!

Heute habe ich versucht, einen Termin beim Kinderarzt zu bekommen. Es ist mir nicht gelungen. Ich hätte mir das, was ich dabei erlebt habe, nicht vorstellen können.

Keine der vielen Praxen, die ich kontaktiert habe, war bereit, mir einen Termin für die beiden Kinder zu geben.

WIR SIND VOLL UND NEHMEN KEINE NEUEN PATIENTEN AN.

NIE WIEDER?

DOCH, ALLE 4 WOCHEN 5 NEUGEBORENE.

UND WAS SOLL MIT KINDERN WERDEN, DIE SCHON 5 oder 7 JAHRE ALT SIND? ZURÜCK IN DEN BAUCH? EINSTAMPFEN?

Ich fand das wirklich zum Heulen. Inzwischen sind die Tränen getrocknet, und ich habe die nötige Kraft und Wut – ganz freundlich und sehr bestimmt werde ich weitersuchen – und einen Termin bekommen.

Dankbar bin ich, dass ich mal wieder gelernt habe, dass Probleme aus dem Gesichtskreis verschwinden könne, wenn man sie nicht selber hat oder sie in der „Umgebung“ auftauchen.


Sprachlosigkeit

Das wird immer klarer, bei den meisten Politikern ist auf das Volk losgelassene Sprache nur eine laute Form von Sprachlosigkeit.

Ich bin schon jetzt für die ersatzlose Streichung der kommenden Legislaturperiode zugunsten der Weltrevolution.

Eine dafür gegründete Bürgerinitiative wäre sicher nicht halb so erfolgreich wie die Pro- und Anti-Tegel Massenbewegungen.


Mistwetter

Bei solchem Wetter jagt man keinen Hund aus dem Haus. Dabei heißt so ein schlechtes Wetter doch HUNDEWETTER. Wieso eigentlich? Wäre ja mal eine Frage für Wissen vor Acht. Die haben mindestens schon die Frage beantwortet, warum Hunde stinken, wenn sie nass werden.

Mein Hund hat übrigens nicht gestunken, wenn er nass wurde. Was man liebt, das stinkt nicht. Aber ich gebe zu, auch F. hat wenig streng gerochen, wenn er nass wurde. Er wurde gern nass, er war ein großartiger Schwimmer.

Ich habe mich sicherheitshalber erst am frühen Abend aus dem Haus begeben und alle anderweitigen Pläne über Bord geworfen. Alle, bis auf einen, meine kleine Blaumeise habe ich fotografiert. Sie ist fast zahm und nimmt sogar Erdnüsse von der Hand. Aber dabei kann ich sie nicht fotografieren :-).

Blaumeise

Blaumeise


Der Heinz hat immer gesagt…

Es gibt Filme, die machen das Leben schöner, einfach, weil die Geschichte, die erzählt wird, wahr ist, obwohl sie jemand erfunden hat.

Anderst schön – KLICK


Mitternachtsgeräusch

Das Klingeln des Telefons

stört mich –

jetzt bitte nicht mehr, denke ich.

Aber die Infrastruktur meiner Gedankenwelt

bricht schon zusammen unter der Magie

des gesprochenen Wortes.

Multiple Gefühle,

flüsternde Zeit.

Manchmal so ähnlich, fast gleich:

Eine dunkle, fröhliche Mitternachtsstimme und helles, kupfernes Morgenlicht.


Vertrau der Magie des fotografierenden Blicks – tägliches Gebet

Mein tägliches Gebet:

Sieh doch mal,

sieh doch noch einmal genau hin,

ganz sicher hast du nicht ALLES gesehen!

Übersehen vielleicht das Wichtigste,

einen tonlosen Hilferuf,

eine verborgene Schönheit,

ein offensichtliches Geheimnis.

Der Verstand ernährt sich von Einflüssen.

Füttere ihn!

Bemühe dich um Übersicht.

Ordne die Bilder.

Es ist vernünftig, dem Sehen viel Zeit zu schenken.

Überraschende Entdeckung, dass Storchennester flach sind

und dass der Storch darin kniet.

Schau hinter die Kulissen.

Einblicke machen Einsichten möglich.

Und sieh nur,

die schmutzige Ente an der Türklinke bittet um Asyl.

Sie erinnert daran,

auch die zu sehen, die du nicht siehst.

Wechsle den Standpunkt,

ändere die Perspektive.

Der erste Blick darf nicht der letzte sein.

Storch im Nest - knieend

Storch im Nest – knieend

Ente an Türklinke

Ente an Türklinke


Glück

Sie: Glück ist mehr als die Abwesenheit von Unglück.

Er: Schatz, die Abwesenheit von Unglück wäre aber mindestens ein Schritt in die richtige Richtung.

Sie: Und mittendrin, was ist das dann?

Er. Ein Sommer wie dieser, ein überfluteter Keller und eine Versicherung, die zahlt…

Sie: Und, was denkst du, zahlt die Versicherung?

Er: Nein. Aber wir haben ja zum Glück uns.

Da lächelt sie.