Archiv für die Kategorie ‘Stichpunkte’

Weggehn

Später Dank ist besser als keiner: Danke Hanna, danke Ilse. Ich wünschte, ich glaubte an einen Gott; also an ein Wiedersehen.

Muss weggehn. Die Vögel des Glücks, sie fliegen und schreien, Trompetentöne. Fähig zum Duett.

Letzte Warnung, sagen die Stimmbänder, halt endlich den Mund. Schweig. Um deinetwillen.

Ich widerspreche. Schreie. Der späte Schnee tut der Seele gut, sagt Georg.

Kraniche

Unterwegs


Verlorene Hoffnungen

…die Wiese mit den bunten Blumen. Je älter ich werde, desto kürzer weilt das Gras. Der pausbäckige Apfel vom Baum der Erkenntnis fault jährlich prächtiger. Sprachlos sammle ich die letzten überlebenden Töne. Zwecklos, sagt Gott, aber an den glaub ich nicht. Ich muss auch mal Glück haben. Vielleicht.


Zusammenstehen

Zusammenstehen, das bedeutet im Moment: Abstand halten!


Immer anders

Draußen statt drin,

Geld statt Sinn,

allein statt zu zweit,

nah statt weit,

ruhig statt froh,

gekocht statt roh,

Fleisch statt Salat,

Gedicht statt Traktat,

müde statt wach,

bergig statt flach,

blau statt rot,

Bahn statt Boot.

Immer wieder alles anders als gedacht,

weil das Leben – ungefragt –

seine eignen Pläne macht!


Friedliche Koexistenz

Vor Weihnachten habe ich mich entschlossen, mit den bei mir lebenden Wollmäusen einen Vertrag abzuschließen: Ich lasse sie in Ruhe, wenn sie auf expotentielles Wachstum verzichten. Sie hatten schweigend akzepiert. Angst ist manchmal ein guter Ratgeber.

Wir haben heute die Laufzeit des Vertrages bis zum Frühjahr verlängert.


Blickdichte Zukunft

Überlebenskünstler schließen keine Versicherungen ab. Wozu auch, wenn doch vorhersehbar, es immer die falsche sein wird, die man abgeschlossen hat.

Frau kann auch reich werden, weil sie sich bestimmte Erfahrungen gespart hat.

Wer nie seine Suppe mit einem Sieb löffelte, weiß nicht, warum es lohnt, sich etwas einzubrocken.

Ein Regenfaß in der Wüste aufstellen und dann einfach warten?

Temporäre Sorge ums Morgen war gestern, heute ist die Zukunft blickdicht.


Vorzeitiges Fazit

Die angehaltene Welt bleibt,

schreiend ungerecht wie immer,

und sie bewegt sich doch,

haben wir festgestellt und schnell notiert,

das nistet sich ein im Gedächtnis,

die Möglichkeit des Innehaltens,

zwischen den Zeiten.

Entfernte Nähe

wird anders gelebt.

Und dann, vielleicht im Sommer,

oder im nächsten –

müssen wir uns erinnern,

was uns gefehlt hat.

Damit wir einander auf Händen tragen.


Überraschend

Die Erwartung, „Hitlers Ziege“ könne tröstlich sein,

ist mindestens überraschend.

Ich gehe neben der Zeit, lasse die Zügel locker.

Im Spiel zeigt sich die Wende anders.

Auf Los steht: Zurück zum Anfang.

Nun ja, das kenne ich schon.


Bauvorhaben

Sich nicht geirrt zu haben, ist meist schlimmer,

als recht zu haben.

Mehrheiten sind nicht zeitlos,

Verfallsdaten kalkulierbar.

Sorgenvoll scheint der Mond in Fenster

und schreibt Lichtfetzen aufs Parkett.

Demokratie.

Es wird zeitgemäß dunkel.

Die Sonne ist längst ausgewandert.

Anpassung ist keine Alternative.


Die hellen Tage

Ich wünsch mir die hellen Tage zurück,

die himmelblauen,

reißfesten,

die schwalbengleich segelnden,

die sonnigen Tage, die hielten,

was der Kalender versprach.

Abendfreuden,

die Abwesenheit von täglicher Trauer.

Daran, dass das Sterben zum Leben gehört,

will ich mich nicht gewöhnen.

Ich wünsch mir die hellen Tage zurück.