Archiv für die Kategorie ‘Stichpunkte’

Eigentlich ist alles wie früher

Eigentlich ist alles wie früher.

In der Küche steht ein Tisch.

Wir trinken Tee.

Und natürlich reden wir über Gott und die Welt.

Pfarrer und Atheistin.

Freundschaft kann man nicht kaufen.

„Ihr seid so ungeheuer wichtig für mich gewesen!“

Wann war das 1986 oder 1987?

A. ist tot. Sein fotografisches Gedächtnis fehlt uns.

Wir sind älter geworden.

Ich bin jetzt Fünf, sagt C. und damals war ich Drei.

An Liebe soll man glauben. Man muss.

Und an die Menschen. Die kleinen und die großen.

Dem anderen in die Augen sehen und mit seinen Augen sehen.

Offen sein. Auch für die mit der anderen Meinung.

Widerspruch aushalten und wieder sprechen und widersprechen.

Muslime, Juden, Palästinenser, Christen und der böse Nachbar auch.

Es lebe die Evolution.

Du wirst schon sehen!

Wir werden das irgendwann schaffen.

Rauchschwaden ziehen durch die Küche.

Geld ist wichtig, aber nicht wichtig.

Technik bleibt spannend.

Wenn das Licht aus dem Fenster flieht – wo zieht es dann hin?

Nie war die Menschheit so nah daran, sich selbst zu vernichten.

Der seidene Faden, unsere Erde lebt ohne Netz.

Aber täglich füttern wir das Prinzip Hoffnung.

Eigentlich ist alles wie früher.

 

 


Schnitzeljagd

In der gespaltenen Gesellschaft

suche ich

mein zerrissenes Ich,

will nicht Allerweltsfreund sein

und träume grenzenlos weiter,

falle wieder aus dem Rahmen,

stürze schlaflos in die Zukunft,

in Armut steckt ja Mut,

alles wird gut.


629 Menschen auf einem Schiff – Zitat aus einem Forum – WICHTIG!

„Die Verachtung, mit der Sie über diese armen, verzweifelten Menschen reden, sagt nichts über die Flüchtlinge aus. Aber sehr viel über Sie.“

Es geht um 629 Menschen auf einem Schiff.


Aufsehen

Aufsehen, Hinsehen, Wegsehen.

Wiedersehen.

Absehen.

Nachsehen.

Versehen?

Spieltheorie für Anfänger.

Voreilige Schlüsse verhindern

die Wiederbewaffnung mit Worten.

Das Wörterbuch der Deutschen Gegenwartssprache

fällt  – so scheint es – wütend aus dem Regal.

Nun mach mal einen Punkt.

Und kein Aufsehen…

 


Es hat mir die Stimme verschlagen…

Ja, ich weiß, eigentlich verschlägt es einem die Sprache – aber bei mir ist es die Stimme. Ich weiß ja, was ich sagen wollen würde, zum Beispiel: Danke für die Zeit, die ich mit euch hatte.

Seit Ende November bin ich heiser. Mal mehr, mal weniger. Gerade wieder sehr. Gestern Diagnose HNO: Stimmbänder – es hat mir die Sprache verschlagen.  Der Tod von Freunden hat sich auf der Stimme niedergeschlagen.

Also hier meine egoistische Bitte: Passt auf euch auf!


Heute ohne Verabredung getroffen: Hornisse

Hornisse

Hornisse

 

Was einen, wenn man jung ist, als eine Mücke umschwirrte, das wird im Alter zu einer Hornisse. Das sagte Wilhelm Raabe.

Was einen sonst noch so im Alter umschwirrt, kann unangenehmer sein, als so ein hübsches Tierchen. Es ist übrigens eine Königin :-).


Denk Male

Geht euch das auch so – ihr geht an immer mehr bettelnden Menschen vorüber, einfach vorbei?

Ich habe das Gefühl, ich sehe sie alle. Als wollten sie bewusst meinen Weg kreuzen. Sie sind lebendige Denkmale. Sie sitzen, stehen überall, wohin ich auch gehe oder blicke, sehe ich Bettler, ich fühle mich hilflos und dann macht mich die eigene Hilflosigkeit wütend.

Hilflosigkeit ist die Mutter mancher Wut.

Wohin mit dieser Wut? Und weiter: Ohnmächtige Wut ist die Hebamme des Terrorismus.

Bin ich, sind wir wirklich hilflos? Ohne Helfer und ohne Idee zur Selbsthilfe?

Die Augen einfach zuzumachen, das wäre keine Lösung – es heißt ja nicht umsonst: „Augen auf im Straßenverkehr.“ Sehr bald gäbe es einen Zusammenstoß mit der Realität. Die Bettler – als ein Zeichen für präsente Not – sind in unserer Gesellschaft unübersehbar geworden, sie sind auch nicht mehr wegdenkbar.

Werde ich von Bettlern angesprochen, so sehe ich ihnen immer noch ins Gesicht und weiche ihren Blicken nicht aus. Aber es macht mir Schwierigkeiten, ihnen nichts zu geben. Allen etwas geben, das kann ich aber nicht. Eine Weile hatte ich im Kopf so eine Art Budget zum Verschenken – jede Woche 5 € – sorgsam aufgeteilt auf 5 bettelnde Menschen. Aber was macht man dann mit dem 6? Inzwischen gebe ich, bis ich gefühlsmäßig an meiner Grenze bin. Doch meine geringen Spenden, die helfen vermutlich mehr mir als den Empfängern. Das ändert die Welt nicht.

Auf die Idee, ich könnte irgendwann selbst betteln müssen, komme ich nicht. Niemals. Dabei ist genau diese Ausblendung absurd.

 

Deutschland


Minimalismus

P. packt alle drei Monate all seine Habe in Kartons. Einschließlich der Bücher. Was er nach 3 Wochen noch nicht wieder ausgepackt hat, stellt er in Kisten in den Hausflur: „Zu verschenken“.

Er sagt, er habe trotzdem von allem mehr als genug.


Frauentag

Erstaunlich wie viele Männer den Frauentag nicht vergessen.

Das lässt hoffen.  Hoffentlich erinnere ich mich demnächst noch an diese Hoffnung.


Die Geschichte vom Eichhörnchen

Heute – am Abend (!) – war ich (mal wieder) mit T. und Z. beim Zahnarzt. Weil T. lange auf dem Stuhl ausharren musste, habe ich angeboten, eine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte vom Eichhörnchen. Ich habe dann damit begonnen und bin dabei ziemlich gescheitert. Jedenfalls empfinde ich das so. Die Zahnärztin wollte zwar die Geschichte unbedingt zu Ende hören, aber im Grunde genommen, fand ich sie schon beim Erzählen ziemlich doof. Deshalb erzähle ich sie hier auch nicht. Aber ich habe etwas gelernt. Bevor ich das nächste Mal anbiete, eine Geschichte zu erzählen, schreibe ich sie auf.