Archiv für die Kategorie ‘Stichpunkte’

Ab in den Knast: Strafanzeige gegen Sarrazin

“Berlin. Mehrere Linkspartei-Politiker haben Strafanzeige gegen Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin gestellt. Die Staatsanwaltschaft müsse prüfen, ob bei Sarrazins Äußerungen über Muslime und Juden der Straftatbestand der Volksverhetzung und der Störung des öffentlichen Friedens erfüllt sei, sagte das Mitglied im Bundesvorstand, Ali Al Dailami, am Dienstag in Berlin. (ddp/jW)”

Volksverhetzung – was sonst soll sein, was Sarrazin mündlcih und schriftlich (schon wieder und damit einmal mehr!) von sich gibt. Wer die mit Zitaten geschmückten Kommentrare von Beifallklatschern liest, weiß schnell, dass die Beweisführung leicht erbracht ist.

Schlimm genug, dass in diesem Land wieder ein Klima herrscht, in dem solche Saat gut aufgeht.

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen! Und Verbrechen sind strafbar!

Hungrig nach Bildung?

WELT ONLINE:

Das „Bildungspaket“, das künftig über die Karte abgerufen werden kann, soll nach von der Leyens Plänen von Essenszuschüssen über Sportangebote bis hin zu Schulmaterial und Nachhilfe reichen. (Quelle)

Essenszuschüsse?

Da muss man natürlich fragen, ob dann mit der Bildungskarte tatsächlich eine bessere Teilhabe von Kindern, die von den sogenannten Hartz 4-Sätzen leben müssen, an den Bildungsangeboten realisiert werden kann, wie sie das Bundesverfassungsgericht gefordert hat:

Ein voller Bauch studiert nicht gern!

Waldemar Bankhofer wusste das schon im Jahre 2004.

Ein voller Bauch studiert nicht gern

Bankhofer für alle: Ein voller Bauch studiert nicht gern

Vermutlich war die Einführung von Leistungen nach dem SGB 2 für Kinder (volkstümlich auch Hartz 4 genannt) überhaupt eine Maßnahme zur Erhöhung der Bildungschancen von Kindern aus Familien mit wenig Geld.

Frau von der Leyen meint, dass ohne eine Bildungskarte, mit der unter anderem Essenszuschüsse verteilt werden, solche Zuschüsse bei den Kindern nicht ankämen: In Berlin hat offenbar jedes dritte Kind Rabeneltern!


Raps

RAPS: Er ist nicht nur GELB, er riecht nach Honig und Sonne…

Raps

Raps


Vorsicht vor kleinen Hunden und großen Männern!

Mir war ja de Bundesbankpräsident Axel Weber beinahe sympathisch geworden. Sympathisch, weil er Thilo Sarrazin nach dessen neuerlichen Hetzreden, wenigstens zum Rücktritt aufgefordert hatte. Beinahe, weil ein Bundesbankpräsident in diesem Lande per se andere Interesen vertritt als die Mehrheit seiner Bürger.
Kurz vor dem Schlafengehen, und zugegeben reichlich müde, las ich gestern ein ellenlanges Interview mit Axel Weber im Handelsblatt. “Bundesbankpräsident warnt vor Steuersenkungen” titelete die Zeitung, und ich wollte wissen, warum der Sarrazin-Kritiker vor Steuersenkungen warne – wo doch all die Freunde der Marktwirtschaft davon träumen. Bei solchen Steuersenkungen geht es niemals um die Bedürftigen, sondern immer um die Spitzensteuersatzzahler, die glauben, der Staat mache sie arm und unter den Tisch kehren, dass es die Armen sind, die sie reich machen.
Nachdem ich gestern das Interview gelesen hatte, nahm ich mir vor, gleich heute am Morgen darüber zu schreiben, so wütend hatte es mich gemacht. Aber heute Morgen hatte ich schon vergessen, was ich gelesen hatte. Es kamen einfach keine Menschen darin vor, das war als Essenz geblieben.
So musste ich heute noch einmal lesen. Menschen kommen wirklich nicht vor.

Wenn Weber auf die Frage antwortet, ob wir jetzt weniger Kündigungsschutz brauchen, liest sich das so:

“Der Kündigungsschutz ist ein Teil der Maßnahmen, die diskutiert werden müssen. Dank der vergangenen Reformen unterscheiden die Unternehmen heute noch stärker als früher zwischen stark geschützten Kernbelegschaften, die sie auch in wirtschaftlich schlechten Phasen halten, und Randbelegschafen zur Abfederung eines vorübergehenden Mehrbedarfs. Dazu zählt auch die Leiharbeit, deren merkliche Flexibilisierung insofern den Kündigungsschutz für die Kernbelegschaft noch wirksamer macht. Das ist eine Flexibilität, die wir früher nicht hatten und die jetzt dazu beigetragen hat, dass die Rezession keine so starken Effekte hat. (Quelle: Handelsblatt vom 4.10.2009 – LINK)

Der Bundesbankpräsident Weber kennt natürlich Robert nicht. Aber ich kenne Robert. Robert hat beinahe alles richtig gemacht. Nur nett hätte er nicht sein sollen. Robert mag eigentlich keine Hunde. Katzen auch nicht, aber das spielt hier keine Rolle.

Robert hat eine ordentliche Schulausbildung, das Abitur legte er auf einem katholischen Gymnasium ab, und weil er nicht studieren wollte, um seine alleinstehende Mutter möglichst bald unterstützen zu können, sah er sich nach einer Ausbildung um.

In knappen drei Jahren wurde aus dem Abiturienten ein Groß- und Außenhandelskaufmann mit einem guten Zeugnis. Im Ausbildungsbetrieb konnte Robert leider nicht übernommen werden, musste man doch gerade sparen und legte Betriebsteile zusammen und verkleinerte die Belegschaft. Da war kein Platz für Robert.

Doch er fand eine Anstellung in einer kleinen Firma, gleich um die Ecke, die stellte ihn zur Probe an und hätte ihn bestimmt auch behalten, wäre sie nicht Opfer der Finanzkrise geworden, denn ihr Hauptkunde hatte sich an der Börse verspekuliert, er zahlte die Rechnungen nicht mehr und zog so Roberts Firma mit. Frisch auf der Straße – nicht liegend, sondern stehend – machte sich Robert sofort auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber und belegte drei Abendkurse an der Volkshochschule. Hatte er doch gelernt, dass man sich stets weiterbilden muss, um auf dem Arbeitsmarkt mit Alleinstellungsmerkmalen aufwarten zu können. Groß- und Außenhandelskaufleute gibt es es schließlich viele, aber wahrscheinlich beherrscht keiner von denen die Programmiersprache Pascal und kann außerdem jederzeit eine Feng Shui-Beratung durchführen. Seit Robert auch noch erfolgreich eine von der Arbeitsagentur vermittelte Zusatzausbildung als Bauzeichner mit CAD abgeschlossen hatte, schien ihm sicher, dass es nur noch  Tage oder allerhöchstens Wochen dauern könnte, bis er die richtige Stelle fände.

Er schrieb täglich viele Bewerbungen, recherchierte ausgiebig im Internet und kaufte alle regionalen und überregionalen Zeitungen.

Und siehe da, wenige Wochen später bekam Robert einen Brief von dem Personalleiter eines Familienbetriebes, der in den letzten Jahren nicht wenige Innovationspreise gewonnen hatte und großes Ansehen genoss. In dem Brief stand, dass sich um die vakante Stelle sehr viele geeignete Bewerber beworben hätten und deshalb ein Auswahlverfahren nötig sei. So wurde Robert innerhalb weniger Tag ganz ohne Arzt auf  Herz und Nieren geprüft.

Tatächlich: Robert gewann das große Los, bekam die Stelle und wähnte sich auf der Seite der Gewinner.  Zwar erhielt er, wie heutzutage üblich nur einen befristeten Vertrag, aber er war sich seiner sicher und das konnte er ja auch, schließlich war er jung, gut ausgebildet und fleißig. Da machte es auch nichts, dass sein Gehalt vorerst kaum zum Leben reichte, schließlich bot ihm die Firma viele Aufstiegsmöglichkeiten und beinahe jeder (ja, er glaubt auch das!) hat mal klein angefangen. In den ersten 14 Tagen ging Robert mit einem fröhlichen Gesicht zur Arbeit.

Und dann kam der Hund. Ein ganz, ganz kleiner Hund. Robert konnte kleine Hunde ebensowenig leiden wie große Hunde. Solche Hunde wie den, solche sehr kleinen, nannte er gewöhnlich Kampfratte. Der Hund kam nicht langsam, er rannte an Robert vorbei, seine Besitzerin, eine Frau im Rollstuhl, rief ihn verzweifelt und angstvoll und Robert hechtete dem Hund hinterher. Dabei geriet er mit dem rechten Bein in eine Straßenbahnschiene.

Als Robert wieder erwachte, lag er in einem Krankenzimmer. Komplizierter Bruch, hieß es und man habe ihm acht Schrauben einsetzen müssen, aber in wenigen Tagen müsse er trotzdem noch einmal operiert werden. Robert stöhnte: Gerade jetzt. Drei Tage später brachte ihm seine Mutter einen Brief mit ins Krankenhaus, von der Firma. Er war ja noch in der Probezeit. Man wünsche ihm alles Gute für den weiteren Lebensweg, stand unter der Kündigung.

Scheiß Kampfratte, dachte Robert.

Übrigens: Inzwischen arbeitet Robert in einer Leiharbeitsfirma und hilft bei Inventuren. Er will jetzt doch studieren. Hunde kann er immer noch nicht leiden. Große Männer – Bundesbankpräsidenten und so – interessieren ihn nicht.







Kalenderspruch von C.

“Was du sofort nennst, nennen andere Leute übermorgen”


Papier ist geduldig

Papier ist geduldig. Das liegt da weiß und unschuldig und wartet. Papier ist geduldig. Man kann es stapeln. Papier ist geduldig. Egal womit man es beschmiert, es wehrt sich nicht. Papier ist niemals glücklich, aber immer geduldig.


Was mir gerade so durch den Kopf geht…

Was mir gerade so durch den Kopf geht – die Auswahl ist zufällig und nicht repräsentativ:

Gut, dass Werner jetzt Inge hat! Inge ist die kleine Cousine von Werner. Werner war ganz traurig allein. Er hat sich auf den Filter gelegt und wollte nicht mehr schwimmen. Inge ist auch ein goldiges Fischlein… Sabrina hat ihnen ein Haus gekauft.  Man braucht ein Zuhause. Egal ob klein oder groß.

Hart gekochte Eier halten lange. Man darf sie bei Zimmertemperatur ruhig 5-6 Wochen aufbewahren. Wenn man sie zu Ostern gefärbt und nicht abgeschreckt hat. Die Farbe verschließt die Poren. Und ich finde die gefärbten Eier einfach schön. Man muss sie ja nicht mehr essen. Die Chinesen vergraben Eier und holen sie nach sieben Jahren wieder aus der Erde. Sie sollen dann schmecken wie saure Gurken. Ob das stimmt? Muss ich mal Google fragen.Tee-Eier (die zum Essen!) habe ich früher gern gemacht. Die Tee-Eier lernte ich kennen im Salon in der Volksbühne. Da spielten die Diderot. Und ich staunte über manch Paradoxon. Tee-Eier im Theater während eines Stücks essen, das war zu DDR-Zeiten schon fast eine Revolution. DDR-Zeiten – ein zeitloser Begriff…

Ich weiß jetzt, warum Kinder verstummen. Wenn man keine Worte hat, ist es besser zu schweigen. Die fehlenden Worte durch falsche zu ersetzen, ist keine Alternative. Schweigen ist eine.

Die fehlenden Texte umlagern meinen Schreibtisch:

Anna las, aber war blass. Ananas das wars!

Einem Dichter, der ansprechende Gedichte schrieb, versprach ich Ansprache, blieb schreiblos schweigend bis jetzt. Liegt neben dem Tisch, wo die Ratten sich ausbreiten. Ich warte – auf Worte…

Immerhin bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass ich kein Einfamilienhaus mehr bewohnen will. Das wäre nämlich gefährlich. Es gibt keine solchen Häuser mit Fernheizung. Und Gerichte fällen ja manchmal merkwürdige Urteile. Man weiß in diesem Lande auch nicht, ob man nicht doch gezwungen wird, einen NPD-Schornsteinfegermeister, der NPD-Abgeordneter ist, in die Wohnung zu lassen. Sicherer ist es also, eine Wohnung mit Fernheizung zu bewohnen. Aber man kann ja nicht die Fenster schließen, den Rechner ausschalten, das Telefon abstellen… Der Schoß aus dem das kroch, ist fruchtbar noch, fällt mir ein… (http://www.mz-web.de/artikel?id=1208169441070)

Eine schweigende Minderheit ist auch nicht besser, als eine schweigende Mehrheit.

Wenn ich eine Heuschrecke wäre, würde ich auf meiner Heizung wohnen wollen. Natürlich in einem gut ausgestattetem Terrarium.

Der Neue heißt Knocke. Er ist froh, nicht noch wochenlang in einem Karton leben zu müssen. Und er ist Vegetarier. Im Gegensatz zu seinen Artgenossen Flocke und Knut. Knocke verdankt sein neues Leben Miri. Danke Miri! Knocke ist überzeugt: Wer Pinguine frisst, weiß nicht, wie gut Möhren schmecken!

Mir hat die Polizeidirektion Rostock geschrieben: Ich soll zahlen. 10 € für eine kleine Sünde. Wenn ich damit einverstanden bin, soll ich gleich zahlen. Wenn nicht, darf ich noch etwas dazu sagen… Ich kenne das: Dann zahle ich später doppelt. Die hören ja nicht wirklich auf das, was ich sage. Die haben ja Beweise, schreiben sie. Ein Foto und einen Lichtmessgerätbediener. Dabei beweist beides nichts. Die Geräte sind nie in Ordnung und auf dem Foto sieht man nicht, wie schnell ich fahre! Ich habe trotzdem keine Wahl. Ich zögere die Überweisung heraus, um die wenigstens zu ärgern. Was für eine blöde Ausrede, für ganz normale Schlampigkeit! Ich überweise das. Morgen…

Spargel wird auch nicht besser wenn man ihn tagelang im Gemüsefach aufbewahrt. Der ist schon grün. Von Natur aus, wie der Berliner sagt. Es wär vernünftig gewesen, ihn zu essen. Übrigens: Wer hat den Käse erfunden?  Das war bestimmt auch einer, der zu lange gewartet hat…

Jemand hat vor dem Woolworth im Wedding einen kleinen Kasten an einem Baum angebracht. Die Spatzen futterten da während des strömenden Regens heute fröhlich zwitschernd Krümel – trocken unterm schützenden Dach. Ich holte die Kamera nicht aus dem Rucksack. Manches Bild kann man nicht abbilden. Vielleicht nur ich nicht. Oder noch nicht. Jedenfalls haben die Spatzen ein Dach über dem Kopf, vor dem Woolworth im Wedding und das ist ja etwas worauf es auch ankommt. Wozu braucht das Spatzenglück, das ich doch im Kopf hab, ein Foto?

Es ist mir doch eingefallen: Zur Erinnerung…

Zur Erinnerung an… Ohne das Poesiealbum hätte man die Freundinnen von damals schon längst vergessen. Margit Heckteuer? Sie hatte eine Brille und wusste was Masturbation ist. Zur Erinnerung an…

Verpflichtungserklärungen erklären gar nichts. Ob man sie unterschrieben hat – oder auch nicht. Sie verpflichten nicht und erklären nicht. Erklärungen sind ohnehin immer unerwünscht - weil unbequem.

Und wer schreibt, der bleibt.

In diesem Sinne: Gute Nacht!

PS.: Natürlich kaufe ich nicht bei Woolworth, ich nicht. Ich war da nur, weil in der gleichen Straße mein Goldschmied seinen Laden hat.

 

 

 

 


Frechheit siegt!

Frechheit siegt, das ist nicht nur ein sogenanntes Schlagwort, es stimmt.

Wer sich vordrängelt, bekommt einen Sitzplatz. Wer schneller zugreift, ergattert das größte Stück Kuchen. Wer andere runtermacht, schwimmt oben. Wer besonders dreist lügt, dem wird geglaubt.

Aber Frechheit ist eben auch: Das Infragestellen der Norm. Die Fragen fragen, die sich keiner zu fragen traut.

Und wer die Wahrheit sagt: “Aber der Kaiser hat ja gar nichts an”, der ist besonders frech.

Und Frechheit siegt.   Und das ist kein Märchen, das ist die Wahrheit.

Zum Märchen – KLICK


Fragend oder nachdenklich?

 

[mygal=junge]

 


Die Ketwurst ist kein Hot-Dog!

Es gibt sie schon lange hier und da wieder: die Ketwurst. Nur Menschen aus dem ehemaligen nichtsozialistischen Ausland können behaupten, dass die Ketwurst nichts anderes sei als ein heißer Hund. Mein Lieblingswessi denkt das auch. Es ist falsch. Auch wenn Wikipedia inzwischen ebenfalls schreibt, die Ketwurst sei eine Abwandlung des Hot Dog. Vor einiger Zeit hat Wikipedia noch gemeint, die Würste hießen Kettwurst und zwar deshalb, weil sie in Ketten an die Imbissbuden geliefert würden. Inzwischen ist Wiki in dem Punkt korrigiert. Vom Ketchup kommt das KET und vom Würstchen die WURST: KET-WURST.

Aber in anderen Punkten ist Wiki eben nicht korrigiert. Die Ketwurst ist keine Abwandlung des Hot Dog. Sie ist im Gegensatz zu diesen weder nach den Hunden der Fleischer benannt (die Erfinder des Hot Dog sollen wurstförmige Hunde – nämlich Dackel - gehalten haben) – noch gehört zu einer Ketwurst irgendwelcher Kram wie Gurken oder Zwiebeln. Nein, ich habe nichts gegen Hot Dogs, überhaupt nichts. Ich esse sie sogar, einmal im Jahr ungefähr – bei Ikea, weil das zum Ikeabesuch gehört wie Kötbular. Aber eine Ketwurst bleibt was sie ist: Ein Stück von einer verlorenen Hoffnung.

Geschmeckt hat sie mir nie. Der Ketchup, der nach einem besonderen Rezept gemacht wurde, erinnerte im Geruch an den Fruchtketchup aus Werder, schmeckte aber gar nicht. Und die Wurst, eine Mischung zwischen Bockwurst und Wiener, war auch nicht wirklich ein Knüller. Trotzdem fand die Ketwurst damals reißenden Absatz und an der Ketwurstbude am Alex standen immer Leute an. Ich gehörte zu denen aber sehr, sehr selten…

Aber eine Ketwurst ist trotzdem nicht einfach ein Hot-Dog – auch wenn das für Westsozialisierte schwer zu begreifen ist: Sie ist der Versuch eines kleinen Landes, etwas anders und besser machen zu wollen. Der Versuch ist gründlich misslungen.

Seit vielen Monaten gehe ich beinahe täglich an einem kleinen Laden vorbei. Ich könnte hineingehen und mir eine Ketwurst kaufen. Aber das habe ich noch nie getan, ich mag Ketwurst ja gar nicht. Doch dass ich noch nie jemanden mit einer Ketwurst aus dem Laden kommen sah, das finde ich wirklich traurig.

Wenigstens kann ich aber meinem Lieblingswessi erklären, dass die Ketwurst dazu gedacht war, die Versorgung im Berliner Zentrum zu verbessern – die Gaststätten dort waren meist überfüllt. Die Erfinder der Ketchupwurstinschrippe, Mitarbeiter des HO-Gaststättenbetrieb Fernsehturm, wurden hoch geehrt. Aber das habe ich auch erst bei Wiki gelesen:

Auf der 3. Bereichsmesse der Meister von morgen erhielten ihre Erfinder eine „Anerkennung für ausgezeichnete Leistungen […] für das Exponat Versorgungslösung Ket-Wurst“. (Quelle WIKI)

Versorgungslösung ist ein Wort, dass nach dem ganzen Mief der DDR riecht. “Exponat Versorgungslösung Ket-Wurst” dagegen klingt, als sei noch etwas zu retten.

Und wie das so ist: Da habe ich zwar ein Foto gemacht vom Ketwurst-Imbiss in Pankow, aber es ist verschwunden. Ich werde also ein neues Bild machen und dann hier einstellen. Die DDR ist auch verschwunden – und trotzdem, ich lasse mir nicht sagen, wie ich etwas erlebt haben soll. Meine Hoffnung bleibt eine Gesellschaft, in der die freie Entfaltung des Individums die Bedingung für die freie Entfaltung aller ist. Und das habe ich jetzt ganz frei aus dem Gedachtnis getippt und nun schlage ich im Original nach.

Kommunistisches Manifest: “An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die freie Entwicklung aller ist.”

 


 
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