Archiv für die Kategorie ‘Stichpunkte’

Heute ohne Verabredung getroffen: Hornisse

Hornisse

Hornisse

 

Was einen, wenn man jung ist, als eine Mücke umschwirrte, das wird im Alter zu einer Hornisse. Das sagte Wilhelm Raabe.

Was einen sonst noch so im Alter umschwirrt, kann unangenehmer sein, als so ein hübsches Tierchen. Es ist übrigens eine Königin :-).


Denk Male

Geht euch das auch so – ihr geht an immer mehr bettelnden Menschen vorüber, einfach vorbei?

Ich habe das Gefühl, ich sehe sie alle. Als wollten sie bewusst meinen Weg kreuzen. Sie sind lebendige Denkmale. Sie sitzen, stehen überall, wohin ich auch gehe oder blicke, sehe ich Bettler, ich fühle mich hilflos und dann macht mich die eigene Hilflosigkeit wütend.

Hilflosigkeit ist die Mutter mancher Wut.

Wohin mit dieser Wut? Und weiter: Ohnmächtige Wut ist die Hebamme des Terrorismus.

Bin ich, sind wir wirklich hilflos? Ohne Helfer und ohne Idee zur Selbsthilfe?

Die Augen einfach zuzumachen, das wäre keine Lösung – es heißt ja nicht umsonst: „Augen auf im Straßenverkehr.“ Sehr bald gäbe es einen Zusammenstoß mit der Realität. Die Bettler – als ein Zeichen für präsente Not – sind in unserer Gesellschaft unübersehbar geworden, sie sind auch nicht mehr wegdenkbar.

Werde ich von Bettlern angesprochen, so sehe ich ihnen immer noch ins Gesicht und weiche ihren Blicken nicht aus. Aber es macht mir Schwierigkeiten, ihnen nichts zu geben. Allen etwas geben, das kann ich aber nicht. Eine Weile hatte ich im Kopf so eine Art Budget zum Verschenken – jede Woche 5 € – sorgsam aufgeteilt auf 5 bettelnde Menschen. Aber was macht man dann mit dem 6? Inzwischen gebe ich, bis ich gefühlsmäßig an meiner Grenze bin. Doch meine geringen Spenden, die helfen vermutlich mehr mir als den Empfängern. Das ändert die Welt nicht.

Auf die Idee, ich könnte irgendwann selbst betteln müssen, komme ich nicht. Niemals. Dabei ist genau diese Ausblendung absurd.

 

Deutschland


Minimalismus

P. packt alle drei Monate all seine Habe in Kartons. Einschließlich der Bücher. Was er nach 3 Wochen noch nicht wieder ausgepackt hat, stellt er in Kisten in den Hausflur: „Zu verschenken“.

Er sagt, er habe trotzdem von allem mehr als genug.


Frauentag

Erstaunlich wie viele Männer den Frauentag nicht vergessen.

Das lässt hoffen.  Hoffentlich erinnere ich mich demnächst noch an diese Hoffnung.


Die Geschichte vom Eichhörnchen

Heute – am Abend (!) – war ich (mal wieder) mit T. und Z. beim Zahnarzt. Weil T. lange auf dem Stuhl ausharren musste, habe ich angeboten, eine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte vom Eichhörnchen. Ich habe dann damit begonnen und bin dabei ziemlich gescheitert. Jedenfalls empfinde ich das so. Die Zahnärztin wollte zwar die Geschichte unbedingt zu Ende hören, aber im Grunde genommen, fand ich sie schon beim Erzählen ziemlich doof. Deshalb erzähle ich sie hier auch nicht. Aber ich habe etwas gelernt. Bevor ich das nächste Mal anbiete, eine Geschichte zu erzählen, schreibe ich sie auf.


Kaufhallen

Die Kaufhallen sind fast alle,

fast alle weg.

Ersatz:

Kaufland.

Ja,

alles da.

Meistens jedenfalls.

Butter und Schmalz.

Alles da.

Und darauf kommt es doch, kommt es doch,

kommt es doch an.

Doch, doch, doch!

 


Leiser Laut

Lautes Leben,

Lärm.

Leise Lilo, leise,

Lesebuch,

langher,

langsam lernen,

langer Laut.

Lichtgleiche

Lämmer laufen

lautlos,

lieben Löwenzahn.

Links lebenslustig leise lachen…

 


Das Paket ist da – aber kein HURRA…

Das Paket kam heute. Es sieht aus wie der schiefe Turm von Pisa. Es nadelte aus dem Paket schon im Flur, ich habe es trotzdem angenommen. Aber die Beschädigung auf dem Quittungszettel vermerkt.

Neuer Anruf bei Kaisertanne.de – diesmal hatte ich einen netten Mitarbeiter am Telefon. Nicht auspacken meinte er, und er wolle sich kümmern, sah Kaisertanne in der Pflicht.

Schauen wir mal…

Warum der Weihnachtsbaum so wichtig ist? Vier Kinder freuen sich sehr auf ihn!


Fiel leicht

Gefallenes Mädchen,

zu leicht,

nicht standfest genug

für’s richtige Leben,

fiel leicht,

ein Windstoß nur,

da ist es umgefallen.

In der Frau

lebt fortan das tote Kind.

 


Notiz: Sprachlos atme ich die Nachrichten ein

Sprachlos wach atme ich die Nachrichten ein,

dass die Stimme wiederkehrt, ist zu erwarten,

doch was habe ich schon zu sagen – so oder so,

bessere Nachrichten bleiben krude Utopie,

wer denn, wann endlich und mit wem?

Guck Dir an das bunt gemischte Gesocks.

Europa schläft traumlos in der Hängematte,

es weihnachtet und Stille scheint Pflicht,

störend die Schreie aus dem Mittelmeer,

wir sehen nicht die vielen Lager überall,

unsere hilflose, selbstverordnete Blindheit,

ist Verzweiflung, weder Ignoranz noch Gleichgültigkeit.

Du ersäufst nicht im Reichtum und ich auch nicht,

aber wir ertrinken nicht, auch nicht in Angst – oder nur selten.

Ratlosigkeit als Daseinsweise lehrt mich die Zeit,

einzige hilfreiche Methode der mächtige Zweifel,

schüchterner Lichtblick das gute Gespräch.

Einreisestop für Terroristen, alle ausweisen,

aber wie erkennt man die und wer will sie haben?

Der Mond grüßt mich lächelnd aus den Wolken:

Kommt Zeit, kommt Rat.

Wer’s glaubt…