Archiv für die Kategorie ‘Stichpunkte’

Zeitspenden und der Turm der blauen Pferde

Der Gegenwert meiner gespendeten Zeit türmt sich auf dem Küchentisch, lächelt mir blühend entgegen, füllt den Kühlschrank und springt ins Auge.

Der Turm der blauen Pferde (Franz Marc), lerne ich, ist seit 1945 verschollen. Der letzte Besitzer sei Hermann Göring gewesen, der das Gemälde nach seiner Entfernung aus der Ausstellung „Entartete Kunst“ im Jahr 1937 in München für seine Kunstsammlung vereinnahmt hatte. E. schenkte mir eine kleine Reproduktion in blauem Rahmen. Jedes Mal, wenn ich die schönen blauen Pferde ansehe, werde ich auch daran denken, dass der Faschismus Kunst gestohlen und Bücher verbrannt hat.

Der Turm der blauen Pferde

Der Turm der blauen Pferde


Der Kapitalismus ist ein Verbrechen

Heute im Gespräch mit B. erinnerte ich mich an die Worte von E. neulich: Der Kapitalismus ist ein Verbrechen, noch schlimmer als Bürokratie.

Bürokratie ist etwas, was E. zutiefst verabscheut, weil sie ihr kostbare Lebenszeit stiehlt.


Wertschätzung

Wertschätzung und Geringschätzung sind leider Geschwister.


Keine Zettelwirtschaft mehr!

Alles wurde anders.

Mit der Zettelwirtschaft ist es vorbei.

Es lebe die Stapelwirtschaft.


Häufig ignorierte Binsenweisheit

Verständnis setzt Verstehen voraus.


Lob der Stille

Sei gelobt Stille,

Du Weggefährtin,

achtsame Freundin.

Du bist der Anfang von allem Tun.


Zukunftsangst

Gestern in kleiner Runde. Eine 91-jährige Antifaschistin sagt, dass sie wegen zunehmender Gebrechen nicht 100 Jahre alt werden möchte.

Der junge Mann neben mir flüstert mir zu: Man möchte ihr wünschen, dass sie nicht 100 wird und den Faschismus ein zweites Mal erleben muss.


Schamlos

Erst hin,

dann weg,

hin und weg,

erst gesehen,

dann darauf gesehen,

darüber hinweggesehen,

versehentlich

nicht hingesehen.

Und dann auch noch absichtlich

weggesehen.


Planung

Der Herbstwind trägt unsre alte Trauer,

über den verlorenen Sommer bis ans Meer.

Wir packen noch die letzten Träume ein …

und dann, dann fahr’n wir fröhlich hinterher.


Mutmacher

Grau

Grau

Grau, der Himmel ist so grau.

Sagt er: Ich soll nicht so kleinlich denken, das Grau ist nur das zeitweise andere Blau.