Archiv für die Kategorie ‘NOTIZEN AUS DEM OFF’

Berlin

Berlin ist die Stadt, in der sich Fuchs und Mensch „Gute Nacht“ sagen.


Stille

Stille wünsche ich mir,

aber nur ganz leise,

damit ich nicht störe.


Rücksichtslos

Es ist rücksichtslos den Lesern gegenüber, wenn ein Text nicht so gut wird, wie er sein könnte. Einzig akzeptable Entschuldigung für erahnte und gewisse Unzulänglichkeit ist die notwendige Frühgeburt des Textes.


Nächstenliebe

Auf dem Alex. Alle sind irgendwie in Eile. Nur die Obdachlosen nicht. Einer füttert die Möwen, die kreischend um Brotfetzen balgen. Das Fahrrad des Obdachlosen ist behängt mit vollen Taschen. Habseligkeiten. Seit 8 Jahren auf der Straße. Sammelt die Essenreste aus den reich gefüllten Müllbehältern.

Die Äpfel sind für die Wildschweine am Wannsee. Die kommen in der Nacht und haben Hunger. Niemand sollte hungern, sagt der Obdachlose. Nächstenliebe auch für arme Schweine…

Für die Schweine am Wannsee


Machtbesessen

In einem Telefonat ging es heute unter anderem um Macht und Machtstrukturen innerhalb von Gruppen.

Auch um „unsichtbare“ und informelle Macht.

Das gesprochene und das geschriebene Wort sind mächtig.

Und insofern, aber nur insofern, bin ich machthungrig und machtbesessen.


Spam-E-Mail

Lyrik als Spam

…habe mich bezüglich des Vorschlags zurückgemeldet
in Bezug auf Ihre wahrgenommenen entfernten Verwandten
ruhender Zustand in meiner Einrichtung…

 


Gegen das Verblassen

Farbwuchtige Fotos,

Sonnenuntergang, Wellenmeer, Möwe im Flug –

wiegen mich in Sicherheit.

Das Meer wartet, bis ich Zeit habe.

Sehnsucht schmerzt am Abend,

wenn die Flut der E-Mails nachlässt.

Ich träume mir das Meer in die Küche,

in das Rauschen des Geschirrspülers,

gegen das Verblassen der Erinnerung.


Unterwegs

Blick zurück,

doch ohne Zorn.

Jene seltsame Zeit,

deren Narben schmerzen,

nistet tief im Herzen.

Das Ende ist weit,

auf nach vorn:

ins Glück.


Ein schwarzer Vogel hat gesungen

Blackbird - women in brown - Amsel

Blackbird – women in brown

 

 


Unser Friede

Es ist Frieden,

sagen wir,

Gott sei Dank,

der erfundene Allmächtige fällt uns eher ein

als die Rote Armee.

Frieden,

wenigstens hier.

Aber das ist nicht genug.

Geteilter Friede,

ist gar kein Friede.

Wir verteidigen unseren teilweisen Frieden

allenthalben kräftig

an immer mehr Orten dieser Welt,

stolz füttern wir Kriege mit unseren Waffen.

Deutsche Gewehre sprechen eine deutliche Sprache.

Wiedererkennbar.

Die Toten aus dem Mittelmeer

sind uns nicht Drohung genug,

den zeitweilig Geretteten bieten wir

vorläufigen Schutz.

Der Kapitalismus ist niemals friedlich.

Unser Friede eine fromme Lüge.