Archiv für die Kategorie ‘NOTIZEN AUS DEM OFF’

Späte Einsicht

Alter Traum, neu geträumt:

Wieder fremdbestimmt durch den Wald gejagt,

höre die Hunde bellen,

warte auf den Schuß und bin prall entschlossen,

lecke die frischen Wunden nicht,

wer braucht schon eine Zukunft voller Narben.

Die dürftige Theorie,

die Demokratie sei irgendein Ausweg,

rettet keinesfalls irgendwas,

nicht einmal die blasse Hoffnung.

Lachsalven erschüttern die kranke Welt.

Faschisten marschieren wieder überall,

unmaskiert.

Widerstand ist nötigste Alltagspflicht,

aber deutlich spüre ich,

die letzte Kraft schwinden.

Der letzte Tee war zu bitter.

Vertrauen war wieder ein Fehler.


Am Fenster hängt noch der Dezember

Am Fenster hängt noch der Dezember,

am Fenster hängt noch der Dezember,

am Fenster hängt noch der Dezember,

weil keine Zeit bleibt, um ihn abzuhängen.

Auf der Suche nach der Uhr, die rückwärts läuft,

dröhnen nur Zeitzeichen,

der Tag ist gepflastert mit Anfragen,

aber die Antworten bleiben im Karton.

Am Fenster hängt noch der Dezember.

 


Blickdichte Zukunft

Überlebenskünstler schließen keine Versicherungen ab. Wozu auch, wenn doch vorhersehbar, es immer die falsche sein wird, die man abgeschlossen hat.

Frau kann auch reich werden, weil sie sich bestimmte Erfahrungen gespart hat.

Wer nie seine Suppe mit einem Sieb löffelte, weiß nicht, warum es lohnt, sich etwas einzubrocken.

Ein Regenfaß in der Wüste aufstellen und dann einfach warten?

Temporäre Sorge ums Morgen war gestern, heute ist die Zukunft blickdicht.


Vorzeitiges Fazit

Die angehaltene Welt bleibt,

schreiend ungerecht wie immer,

und sie bewegt sich doch,

haben wir festgestellt und schnell notiert,

das nistet sich ein im Gedächtnis,

die Möglichkeit des Innehaltens,

zwischen den Zeiten.

Entfernte Nähe

wird anders gelebt.

Und dann, vielleicht im Sommer,

oder im nächsten –

müssen wir uns erinnern,

was uns gefehlt hat.

Damit wir einander auf Händen tragen.


Corona-Diktatur

Corona diktiert unser Leben.

Die einfachste aller Möglichkeiten, undenkbar?

Ich höre die Stimmen.

„Draußen mit Abstand und Maske ist es doch sicher.“

„Das ist nicht verboten.“

Was nicht verboten ist, kann trotzdem dumm sein.

Binse aus dem Fenster geworfen, fällt weich.

Ich fühle mit Kassandra. Mir träumt die düstere Zukunft.

Machtlos zusehend, warte ich ab.

Mein Auto ist bedeckt mit den welken, gekrümmten Blättern.

Sie breiten sich aus und decken zu.

Ich übe mich in Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Der Schwelbrand des Sommers blieb unbeachtet. Weltenrückt beteten wir die Sonne an.

Zu spät, zu spät, es ist längst zu spät.

Nerze werden massenhaft erstickt mit Kohlenmonoxid.

Unsretwegen.

Das Virus kennt den Weg. Er führt von Mensch zu Mensch.

Der gerissene Tod bittet nicht um Erlaubnis.

 


Bestseller in Planung

Es ist unerhört schwierig, gehört zu werden.

Bücher sind kein Lebensmittel mehr.

Inzwischen weiß ich aber, wie ich einen zukünftigen Bestseller nennen müsste: „Ich wünsche mir meine DDR zurück“.

Im Klappentext wird die Stasi mindestens dreimal erwähnt.

Wenn jetzt statt guter Ratschläge noch Zeit und Geld kommen, schreibe ich mich einer goldenen Zukunft entgegen.


Die LINKE

Eine linke Partei gegen Rechtsextreme, die mal wirklich gebraucht wird

und

die ist dann im Urlaub

oder hat keine Zeit

oder braucht 3 Wochen Vorlauf

oder macht schon so viel

oder kann nichts machen

oder weiß nicht, was sie machen soll

oder hat schon so viel gemacht

oder beschränkt sich auf das DAUMENDRÜCKEN…

 

Die LINKE hat mich heute zum Heulen gebracht.

Wie sagt man immer: Danke für nichts!


Altersstarrsinn

Alt sein, ist sinnvoll.

Starrsinn notwendig.

Ungeschminkt eine ehrliche Haut sein,

die Knospen in Watte packen,

gegen die Rechtsdenker,

jene Missmutigen,

die auf Allen und Allem herumtrampeln.

Wir müssen hexengleich zaubern,

schnell, aber achtsam,

unseren Humor in die Waagschale werfen.

Das müssen wir jetzt und sofort erledigen.

Es reicht ein bescheidenes Rückgrat.


Berlin

Berlin ist die Stadt, in der sich Fuchs und Mensch „Gute Nacht“ sagen.


Stille

Stille wünsche ich mir,

aber nur ganz leise,

damit ich nicht störe.