Archiv für die Kategorie ‘NOTIZEN AUS DEM OFF’

Notizen in mehreren Akten – Nichts ist sicher

Prolog

Nichts ist sicher – mit einer Ausnahme: Der Tod ist uns sicher.  Dass wir irgendwann sterben, gilt als vorläufig erwiesen.  Aber genauso gilt, was der Esel der Bremer Stadtmusikanten dem mit dem sicheren Tod bedrohten Hahn einst sagte: Etwas Besseres als den Tod, findest Du überall.

 1. Akt – Datensicherheit

Vorgestern schrieb mir C. eine Nachricht auf Telegram, die Nachricht zusammengefasst  lautete:  Telegram ist sicherer als WhatsApp.

Für diejenigen Leser, die kein Smartphone besitzen: Beide Programme sind Chat-Nachrichten-Programme, mit denen man sich Nachrichten, Bilder und Dateien von Mobiltelefon zu Mobiltelefon schicken kann.

Zu WhatsApp (Markführer), das inzwischen Facebook gehört, gibt es Alternativen – Telegram ist die eine, Threema eine andere, wahrscheinlich sogar die “bessere“  Alternative, wenn es um die Sicherheit geht. Mit Sicherheit ist dabei die Sicherheit der übermittelten Daten genannt – einfach: Wer liest und guckt da mit?

Geheimdienste, Polizei, Datensammlerkraken und sonstige bösen Mächte könnten vielleicht Daten lesen, die nicht für sie bestimmt sind.

Und nein, es gibt nicht nur die 3 erwähnten Messenger, auch Skype, der Facebook Messenger, Signal und einige weitere spielen noch mit. Alle diese Dienste ermöglichen Kommunikation – auch über große Entfernungen hinweg. Besonders wichtig sind sie also für diejenigen, die weit von ihrer Heimat Kontakt nach Hause haben wollen.

Signal ist übrigens die App, mit der Edward Snowden seine Nachrichten schreibt, mir hat er allerdings noch keine geschrieben. Hi Edward – meld dich mal, ich hab auch Signal :-).

Auf meinem Smartphone finden sich also allerlei Messenger, schließlich möchte ich in Verbindung bleiben – auch mit denen, die Telegram oder Skype benutzen. Persönlich ist mir aber bei Nachrichtendiensten die Sicherheit völlig gleichgültig.

 M. schickte mir gerade ein Bild von den Zutaten für eine Kürbissuppe, die wir demnächst essen wollen, und ich schickte ihr ein Bild von einem kleinen Hasen Konstantin, der gewaschen in einer Schüssel sitzt. Falls sich irgendein Geheimdienst dafür interessiert – bitte, soll er sich an den Bildern freuen. Mitessen darf er nicht und Konstantin bleibt bei mir.

Konstantin

Konstantin

Irgendwann habe ich für mich entschieden, dass mir ein wenig Bequemlichkeit wichtig ist. Deshalb speichere ich Daten und Termine beim Datenkraken Google, und ich führe kein Adressbuch mehr. Brauche ich ein neues Mobiltelefon, werden meine Daten automatisch übertragen, und ich muss mich um nichts kümmern.  Überall auf der Welt kann ich auf meine Daten zugreifen – und wer mein Passwort kennt, der kann das auch.

Äh… Apropos Passwort. Ich habe gefühlte 150 Passwörter. Eines komplizierter als das andere. Ständig muss ich neue Passwörter kreieren und auswendig lernen. „Bitte wählen Sie ein Passwort aus mindestens 8 Zeichen. Das Passwort muss mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten. Umlaute sind nicht gestattet.“  

Das nervt.  Aber angesichts einer Liste der 10 häufigsten Passwörter der Deutschen, die nicht nur viel über die Bequemlichkeit ihrer Benutzer aussagten, sondern auch über uns deutsche Internetnutzer  überhaupt, ist es kein Wunder, dass uns die Anbieter zu mehr Achtsamkeit zwingen wollen.

Die zehn häufigsten deutschen Passwörter:

hallo
passwort
hallo123
schalke04
passwort1
qwertz
arschloch
schatz
hallo1
ficken

Im Folgenden sind die  meistgenutzten Passwörter in Deutschland (inklusive Zahlenkombinationen) basierend auf 30 Millionen Nutzerkonten, die als .de-Domain registriert sind, aufgelistet. Gefettet sind die deutschsprachigen Einträge.

123456 
123456789 
12345
hallo
1234
passwort
12345678
hallo123
schalke04
1234567
(Veröffentlicht vom Hasso-Plattner-Institut – KLICK)

Das Volk der Dichter und Denker ist bei Passwörtern offenbar eher denkfaul. Vor allem verwundert das angesichts der Aussagen, dass den Deutschen ihre Sicherheit so wichtig ist.

Es ist aber wirklich  zu unsicher, überall das gleiche Passwort zu verwenden. Wird das Portal gehackt,  wie es auch so großen Anbietern wie Yahoo passiert, dann fallen den Hackern die Passwörter in die Hände und sie können die entsprechenden gleich mal bei Amazon und PayPal ausprobieren. Das kann teuer werden.

Also: Bei Passwörtern geht Sicherheit vor Bequemlichkeit.

Wer einen Laptop mit einer eingebauten Kamera benutzt und ganz sicher sein will, dass er nicht gefilmt wird, wenn er es nicht will, sollte die Kamera zeitweise abdecken oder zukleben, sicher ist sicher. Könnte ja interessant sein, was bei Lieschen Müller zu Hause so los ist.

Dennoch, in den meisten Fällen sind Ziel von Hackerangriffen eher Systeme von Firmen oder Staaten. Krankenhäuser, Flughäfen und Atomkraftwerke werden zum Beispiel mit sogenannter Ransomsoftware angegriffen.

Dabei werden Dateien auf Computersystemen von einer Schadsoftware verschlüsselt und nur nach Zahlung eines Lösegelds (englisch: Ransom) wieder freigegeben. (Klick für Beispiel)

Was mit Hackerangriffen alles möglich ist, ist kaum vorstellbar, beinahe alle unsere Systeme werden von Computern gesteuert und ohne die und Strom sind wir inzwischen ziemlich hilflos.

Auch für „unsereins“ ist Datensicherheit im Internet ziemlich anstrengend, wenn man sie will und selbst dann ist sie relativ.

Bei den Genossen, mit denen ich die Weltrevolution machen will, gehe ich persönlich vorbei und hole sie ab. Das geheime Klingelzeichen geht so x-x-xxx-x-xxxx. Also, wenn es so klingelt, bitte öffnen.

Merke: Datensicherheit ist etwas für Profis und Freaks. Alle anderen müssen abwägen, wieviel Zeit und Kraft sie investieren wollen und können. Und: Nichts ist sicher…


Vom Glück, die Natur schön finden zu können

Heute habe ich ein Buch geschenkt bekommen, es heißt: „Vom Glück, mit der Natur zu leben“. Das wunderbare Buch ist ein Tagebuch, und es ist in Olton entstanden, einem Ort in Warwickshire, wo die Familie der Autorin wohnte. Edith Holden hat den Jahreslauf gezeichnet, gemalt und aufgeschrieben, was ihr in der Natur begegnete. Der stürmische Wind und die abgeflogenen Mauersegler, der Fliegenpilz, der Specht und meine Freundin, die Libelle, finden im Tagebuch Platz neben Gedichten, so schön ausgesucht, dass ich  kaum aufhören kann, darin zu lesen.

Nun brennt der Wald in feuerfarbner Pracht,

Und Tag für Tag verfällt, verweht das Laub.

Im Türspalt klagt der Herbstwind jede Nacht

Von seiner Fahrt durch öder Felder Staub,

Von seinem Ritt durch Hochlandeinsamkeit

Bis hin zum Meer, dem er sein Brausen lieh –

Und zärtlicher als Sommers Lust und Freud

Greift leis‘ nach dir Melancholie.

William Allingham

Sonnenschein und ein blauer Himmel – wir hatten Glück. Was für ein schöner Spaziergang durch den Park! Libellen umschwärmten uns und auch die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge schienen die Oktobersonne zu genießen. Der große Mammutbaum und die Ginkgobäume, die im Wind tanzenden Gräser und das Klopfen des Spechts – in der Ferne irgendwo rufende Kraniche – das ist Balsam und Labsal für die Seele. Der Wald, der mich einst adoptierte, hat mich gelehrt, dass die Natur eine ehrliche Haut ist – verlässlich, freundlich und gefährlich. Auch heute zeugten die gefallenen Bäume von der Gewalt des großen Sturms in der letzten Woche. Merke: Rohe Gewalt bringt auch Gesunde um. Auch kräftige Bäume, umringt von ihren Genossen, sind nicht unsterblich und halten nicht jedem Sturm stand. Ich fotografiere, was ich sehe – Vorsorge für den farbkargen Winter und die eigene permanente Vergesslichkeit. Die Schönheit des heutigen weißen Schmetterlings ist gewaltig – selbst ein Kohlweißling sieht heute ganz anders aus als gewohnt und wird nicht sofort erkannt. Seltsame Früchte, zarte Ballons, abgeworfen von einem unbekannten Strauch, machen neugierig. Was ist das?

Seltsamer-Ballonstrauch

Seltsamer-Ballonstrauch

Ballonfrüchte

Ballonfrüchte

Das Damwild, das hier sonst steht, ist wohl in den Urlaub gefahren, das Futter, das ich für die Hirsche und Damen gekauft habe, nehme ich mit nach Hause. Außerdem nehmen wir Kartoffeln mit, verkauft von klugen jungen Leuten, die sich auskennen. Mehlig kochende, vorwiegend fest kochende, der persönliche Geschmack entscheidet, Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel.

Herbst

Als ich nach Hause komme, regnet es schon wieder. Aber ich habe ja die Bilder – auf der Speicherkarte und im Kopf – und die Erinnerung an das gute Gespräch, an das ich immer denken werde, wenn ich die Bilder des Ausflugs sehe. Das ist auch ein Stück vom Glück.

Herbst

Herbst

Wir sprachen auch über Ginkgo – und ob ein Extrakt der Pflanze vielleicht gegen Vergesslichkeit – Demenz – hilft, ich habe das also heute am Abend noch einmal recherchiert, es kommt ganz darauf an, es gibt rezeptpflichtige Präparate, die gegenüber einem Scheinmedikament Vorteile aufweisen, aber diese sind „moderat“. Ich persönlich empfehle die „Einnahme“ von etwas Goethe, der hat auch gewiss keine unangenehmen Nebenwirkungen.

Goethe_Ginkgo_Biloba

Goethe_Ginkgo_Biloba


Die Ruhe nach dem Sturm

Nach dem Sturm haben wir einfach zusammen gesessen, gegessen und uns das Fußballspiel angesehen.

Der Himmel klarte auf und hinter dem Haus grüßte der Vollmond. Die Ruhe nach dem Sturm: ein schöner Abend.

Vollmond

Vollmond


Lob des Aufhebens

Es ist sehr viel einfacher, seine Wohnumgebung ordentlich und sauber zu halten, wenn man die Dinge um sich herum reduziert. S. hat sich deshalb sogar von seiner geliebten Shakespeare-Ausgabe getrennt – und von vielen anderen Büchern ebenfalls. L., sagte mir heute, sie wolle lieber keinen zusätzlichen Bildschirm für ihr Notebook, sie möchte so wenige technische Geräte wie möglich um sich herum haben. Bei H. gibt es nur ein riesiges Bett, eine Lampe, einen Schreibtisch und ein Sofa mit einem Tisch. Und ein kleines Regal mit etwa 15 Büchern. Sie stehen in einer Reihe. Immer wenn er ein neues kauft, wird es als letztes in die Reihe gestellt, und er verschenkt das erste. Der Trend geht eindeutig zum Minimalistischen.

Ich gehöre eher zu den Jägern und Sammlern. Das bedauere ich manchmal. Es fällt mir nicht schwer, mich von Dingen zu trennen, aber ich möchte sie gern weitergeben. Wegwerfen, das ist für mich schwierig, wenn ich glaube, jemand anderes könne mit dem Gegenstand, der Jacke, dem technischen Gerät noch etwas anfangen. Da wir aber in einer Neukaufgesellschaft leben, bleibe ich auf vielen Dingen sitzen. Ich frage herum, aber keiner will sie.

Heute begegnete mir beim Aufräumen ein Handy – DUAL-SIM – das könnte ich weitergeben, es ist kein Smartphone, und ich brauche es gewiss nicht mehr, aber wer will so ein altes Telefon schon?  Man kann damit zwar telefonieren und sogar fotografieren, aber trotzdem ist es unmodern. Was nun? Wegwerfen? Das kann ich nicht. Es ist voll funktionsfähig und Menschen haben daran gearbeitet. Es ist ein Wert, ein Wertgegenstand.  Irgendwann finde ich jemand, der es gebrauchen kann – vielleicht. Und noch habe ich Platz dafür. Frisst ja kein Brot, wie man so treffend sagt.

Aber noch etwas habe ich gefunden, tief hinten im Kleiderschrank, etwas, was die meisten ordnungsliebenden Menschen sicher längst „entsorgt“ hätten. Einen kleinen Zettel, der aus dem Jahr 1994 stammt, verborgen in einem Kästchen mit „Maja“-Seife. Maja-Seife bekomme ich immer wieder seit vielen, vielen Jahren geschenkt, und sie hält sich bei mir deshalb ziemlich lange. Manchmal offenbar sogar 23 Jahre.

Auf dem Zettel bedankt sich P. für meine Hilfe bei seiner Abiturprüfung. Der Zettel beginnt mit den Worten: Hey Maja! Ich rechne damit, dass Du diesen Zettel etwas später als gedacht liest…

Wie schön, dass ich das Kästchen mit der Seife aufgehoben habe. Maja -Seife bekomme ich übrigens immer noch geschenkt :-).

Zettel

Zettel

Maja Seife

Maja Seife


Abschied

Mich erreicht

jetzt schon ein letzter leichter Sommergruß.

Noch sind die Blätter grün,

doch die ersten segeln schon im zarten Wind

unaufhaltsam ihrem Ende zu.

Mühsam bahnt sich ein Abendsonnenstrahl den Weg

und besucht mich.

Es wird schon so früh dunkel.

Gerade eben, denke ich, war doch noch Frühling.

Was bleibt vom Sommer?

Ein zartes Rotkehlchen auf dem Zaun –

zum Beispiel.

Doch ich weiß schon jetzt:

Es wird kälter in Deutschland,

schon am Sonntagabend.

Rotkehlchen

Rotkehlchen

 


Der lange Abschied vom Sommer hat schon begonnen

Der Herbst mischt sich ein in Angelegenheiten, die ihn noch nichts angehen. Schon fotografiere ich Spinnen, die Herrscherinnen über den Altweibersommer. Aber es ist noch August und der Oktober weit. Und doch, der lange Abschied vom Sommer hat schon begonnen.

P. redet über alte Zeiten, so freundlich habe ich sie nicht in Erinnerung, aber zurückblickend erinnere auch ich mich gnädiger. Wir lachen wie damals, das ist schön. Ein Abendspaziergang wie Samt und Seide, denke ich.

Die müde Abendsonne streichelt das sanfte Gras und wohin wir irgendwann gehen, das steht noch nicht fest.

Gras in der Abendsonne

Gras in der Abendsonne


Was willst Du denn mal werden?

Was willst Du denn mal werden, wenn Du groß bist?

Marie, gerade 7 Jahre alt geworden, schweigt.

Na, irgendwas wird Dir schon noch einfallen.

Marie schüttelt den Kopf: Ich will nichts werden.

Wie, was?

Ich bin Marie, das reicht.


Berlin baut Brachen

So hatte ich das gestern nicht gemeint! Heute rückte ein Fällkommando an und der Baum auf der anderen Straßenseite wurde Stück für Stück ums Leben gebracht.

Musste das wirklich sein? Sämtliche Äste wurden sofort in einen Häcksler verbracht, kein Insekt hatte die Möglichkeit zu fliehen. Und wieder verschwindet ein Stückchen GRÜN…

Ich bin traurig.

Noch steht er und lebt!

Stück für Stück...

Stück für Stück…

Resterampe

Resterampe

Am Ende bleibt ein Baumstumpf

Am Ende bleibt ein Baumstumpf

 

Dabei ist es noch gar nicht so lange her – Klick. Und jetzt schon wieder:


Unser Sommersonnenfrühstück

Geknipst (!), um es mit in den Winter zunehmen. Eier gab es auch, die kamen später :-).

Sommersonnenfrühstück

Sommersonnenfrühstück

 


Am Tag der Störche

Am Tag der Störche,

– es sind mindestens viele –

versammeln sich die schönsten Stare

auf der hohe Birke im Dorf

und tanzen auf biegsamen Zweigen

singend im zarten Wind.

Eifrig schicken sie ihre Tondusche

 nach unten zu mir,

laut und stark und hell.

Viel später in Berlin

der Ruf der Mauersegler.

Ich atme auf,

sie sind noch da.

Wir sind zu Hause

und es ist Sommer.

Alles gut.

Stare auf der Birke