Archiv für die Kategorie ‘NOTIZEN AUS DEM OFF’

Guten-Morgen-Gruppe

Lieber Manfred,

ich weiß ja nicht, ob Du dort, wo Du jetzt bist, im Internet lesen kannst. Aber falls es funktioniert: Deine Guten-Morgen-Gruppe gibt es noch.

Und das ist auch gut so!

Grüße aus Pankow

Maja


Vergeblich geguckt!

Frau kann den Überblick nicht behalten, wenn sie ganz unten steht…


Frieden

Jede will Frieden. Aber jede will ihn anders.


Abgeschrieben

Doppeldeutig grinst mir ABGESCHRIEBEN entgegen.

Gestern im Restaurant des Hotels ADLON/ Kempinski brachte die rührige Serviererin den Zettel für die Kontaktdaten. Kugelschreiber beiligend.

Um den QR-Code für die App musste ich bitten.


Wir haben versagt

Wir haben es gewusst. Oder hätten es wissen können. Womit wollen wir uns herausreden?

Es war eindeutig. Wir wurden gewarnt. Die Zündschnur brannte schon.

Verantwortung kann man nicht delegieren, auch wenn das immer behauptet wird.

Jetzt ist es bereits 5 nach 12.

Was werden wir den Nachkommen der Toten sagen?

Dass wir keine Zeit hatten? Dass die Politik Fehler gemacht hat? Dass wir nichts tun konnten, alles getan haben?

Wir werden – ich ahne es – einmal mehr schweigen.

 


Späte Einsicht

Alter Traum, neu geträumt:

Wieder fremdbestimmt durch den Wald gejagt,

höre die Hunde bellen,

warte auf den Schuß und bin prall entschlossen,

lecke die frischen Wunden nicht,

wer braucht schon eine Zukunft voller Narben.

Die dürftige Theorie,

die Demokratie sei irgendein Ausweg,

rettet keinesfalls irgendwas,

nicht einmal die blasse Hoffnung.

Lachsalven erschüttern die kranke Welt.

Faschisten marschieren wieder überall,

unmaskiert.

Widerstand ist nötigste Alltagspflicht,

aber deutlich spüre ich,

die letzte Kraft schwinden.

Der letzte Tee war zu bitter.

Vertrauen war wieder ein Fehler.


Am Fenster hängt noch der Dezember

Am Fenster hängt noch der Dezember,

am Fenster hängt noch der Dezember,

am Fenster hängt noch der Dezember,

weil keine Zeit bleibt, um ihn abzuhängen.

Auf der Suche nach der Uhr, die rückwärts läuft,

dröhnen nur Zeitzeichen,

der Tag ist gepflastert mit Anfragen,

aber die Antworten bleiben im Karton.

Am Fenster hängt noch der Dezember.

 


Blickdichte Zukunft

Überlebenskünstler schließen keine Versicherungen ab. Wozu auch, wenn doch vorhersehbar, es immer die falsche sein wird, die man abgeschlossen hat.

Frau kann auch reich werden, weil sie sich bestimmte Erfahrungen gespart hat.

Wer nie seine Suppe mit einem Sieb löffelte, weiß nicht, warum es lohnt, sich etwas einzubrocken.

Ein Regenfaß in der Wüste aufstellen und dann einfach warten?

Temporäre Sorge ums Morgen war gestern, heute ist die Zukunft blickdicht.


Vorzeitiges Fazit

Die angehaltene Welt bleibt,

schreiend ungerecht wie immer,

und sie bewegt sich doch,

haben wir festgestellt und schnell notiert,

das nistet sich ein im Gedächtnis,

die Möglichkeit des Innehaltens,

zwischen den Zeiten.

Entfernte Nähe

wird anders gelebt.

Und dann, vielleicht im Sommer,

oder im nächsten –

müssen wir uns erinnern,

was uns gefehlt hat.

Damit wir einander auf Händen tragen.


Corona-Diktatur

Corona diktiert unser Leben.

Die einfachste aller Möglichkeiten, undenkbar?

Ich höre die Stimmen.

„Draußen mit Abstand und Maske ist es doch sicher.“

„Das ist nicht verboten.“

Was nicht verboten ist, kann trotzdem dumm sein.

Binse aus dem Fenster geworfen, fällt weich.

Ich fühle mit Kassandra. Mir träumt die düstere Zukunft.

Machtlos zusehend, warte ich ab.

Mein Auto ist bedeckt mit den welken, gekrümmten Blättern.

Sie breiten sich aus und decken zu.

Ich übe mich in Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Der Schwelbrand des Sommers blieb unbeachtet. Weltenrückt beteten wir die Sonne an.

Zu spät, zu spät, es ist längst zu spät.

Nerze werden massenhaft erstickt mit Kohlenmonoxid.

Unsretwegen.

Das Virus kennt den Weg. Er führt von Mensch zu Mensch.

Der gerissene Tod bittet nicht um Erlaubnis.