Archiv für die Kategorie ‘NOTIZEN AUS DEM OFF’

Sonnenuntergang ohne Sonnenuntergang

Eines Tages im Spätherbst…

Der kleine Prinz hat mich gelehrt, dass Sonnenuntergänge die beste Medizin gegen Traurigkeit sind. Was aber, wenn es gar keinen Sonnenuntergang gibt, seit vielen Tagen nur das große Grau sichtbar ist, das vor allem gräulich ist? Ratlos starrte ich aus dem Fenster ins dunkelgraue Nichts. Plötzlich hörte ich eine Stimme, es war die des kleinen Prinzen: Oh je, Du bist aber vergesslich.

Das ist das Alter, antwortete ich. Und fragte dann gleich: Was habe ich denn vergessen?

Du hast die Sonnenuntergänge vergessen, die, die Du so schön fandest, dass Du vor Freude geweint hast.

Nein, ich habe sie nicht vergessen. Aber jetzt ist es doch nur grau überall.

Alles, woran Du Dich erinnerst, hast Du immer bei Dir, sagte der kleine Prinz.


Notizen in mehreren Akten – Nichts ist sicher – 3. Akt

Die Tatsache, dass nichts sicher ist, bestimmt das Bewusstsein vieler Menschen. Unsicherheit und Angst sind oft das Ergebnis.

Und die Unsicherheit und Angst sind so dominierend im Leben großer Teile der Bevölkerung, dass sie viele Entscheidungen vor allem unter dem Einfluss dieser Gefühle treffen.

In diesem Deutschland, in dem die Tatsache, dass es sich um eine Klassengesellschaft handelt, gern unter den Teppich gekehrt wird, als seien die Klassen verschwunden, ist die Angst „abzurutschen“ in Armut – in „prekäre Verhältnisse“ – groß. Das Reproduzieren dieser Ängste gehört zum System.

Diedier Eribon beschreibt sehr treffend: Das, was immer gern als Prekariat bezeichnet wird, ist nichts anderes als die Arbeiterklasse.

Der Lesende

Der Lesende

Die Angst vor totaler Armut und totalem Verlust der Kontrolle über das eigene Leben, die ist oft so groß, dass sie die Menschen beinahe vollständig lähmt, sie zu willfährigen, aber auch verzweifelt wütenden Untertanen des Systems macht – dem sie sich dann allerhöchstens am Stammtisch, mit gebrülltem Hass oder durch eine Wahlentscheidung entgegenstellen.

Nichts ist sicher: Nicht der Arbeitsplatz, nicht das Einkommen, nicht die Wohnung. Nicht die Beziehung, nicht einmal auf das Wetter ist wirklich Verlass. Jahrhundert-Sturm, Jahrhundert-Dürre, Jahrhundert-Überschwemmung.

Die meisten Menschen wünschen sich aber Geborgenheit und Sicherheit, selbst diejenigen die abenteuerlustig und verwegen durch die Welt ziehen. Aber Sicherheit gibt es nicht. Wir leben tatsächlich in unsicheren Zeiten.
Risiken werden von vielen vermieden, wenn sie vermeidbar sind oder vermeidbar scheinen. Versicherungen profitieren vom Sicherheitsbedürfnis und von Menschen, die das Kleingedruckte nicht lesen. Nichts ist sicher und gegen die meisten Risiken kann man sich nicht vesichern. (Heute gehört: Berufsunfähigkeitsversicherungen lehnen die Leistung in 60% der Fälle ab und nur 5 % der Betroffenene klagen!)

Kinder sind ein Armutsrisiko, aber auch die nicht planbaren Lebensereignisse: das Krankwerden, die Behinderung oder der Zerfall der Familie, Stürme des Lebens ebenso wie die der Natur.

Ein weiteres großes Armutsrisiko ist mangelnde Bildung, aber Bildung ist teuer. Wer heutzutage in eine Prekariatsfamilie hineingeboren wird, hat beinahe keine Chance auf irgendeinen Aufstieg. Wenn schon im Kindergarten die Kurse Geld kosten und die Eltern andere Prioritäten setzen (oder setzen müssen) ist der Weg zum „Klassenerhalt“ vorgezeichnet.

Mit sinkendem Einkommen, schwindet aber auch die Sicherheit, wächst die Unzufriedenheit – vor allem in Ländern, in denen „Geld die Welt regiert“.

Eine EU, deren neoliberales Konzept die Nationalstaaten zwingt, „Arbeitsmarktreformen“ durchzuführen, die die Unsicherheit und Angst verstärken, so eine EU muss den ohnehin Gebeutelten als Feind erscheinen.

Auch insofern war der BREXIT ebenso vorhersehbar wie das Erstarken solcher Parteien wie der AFD.

Weder Pulse of Europe noch DiEM25 sind für die Masse der unterdrückten und prekarisierten Menschen ein Halt, eine Alternative.

Zusätzliche Komponente bei den Ostdeutschen – das traumatische Erlebnis, dass selbst sicher Geglaubtes quasi von heute auf morgen verschwunden sein kann. Die Erzählungen über Bombenalarm und Krieg, die Erlebnisse im Faschismus wurden von der ersten Nachkriegsgeneration als persönliche Mahnmale wie Muttermilch eingesogen und blieben auf Dauer verinnerlicht.

Ebenso hat die Generation der ersten Nachwendekinder der Ostler die DDR – deren Angebote an soziale Sicherheit – und den Zusammenbruch des Staates im Kopf sowie die versuchte völlige Auslöschung einer positiven Erinnerung an die DDR durch das heutige System. Jene mehr, die „zu Hause“ geblieben sind, als diejenigen, die sich auf in den Westen – für ein besseres Leben – machten.

Die Gesellschaft als Ganzes in den Blick nehmen, wie es der Soziologe Didier Eribon für die Linken in Frankreich fordert, ist auch in Deutschland notwendig.

Die Partei die LINKE hat vergessen, sich rechtzeitig ehrlich zu machen – das ist im Westen nicht so problematisch, im Osten unverzeihlich.

Fortsetzung folgt.


Tränen – und: Was nichts kostet, ist auch nichts wert? Danke an Wilhelm Jansen in Geilenkirchen

Ich habe geweint. Wegen einer Webseite, die es nun nicht mehr gibt. Das hört sich kurios an, besonders, wenn ich auch mitteilen muss, dass ich den Ersteller der verschwundenen Webseite überhaupt nicht kenne. Immerhin habe ich aber einen Service, den er angeboten hat, mehrere Jahre genutzt und konnte damit anderen Menschen eine Freude machen.

Dafür möchte ich mich hier bedanken.

Ich möchte euch bitten zu lesen, mit welchen Worten sich jemand vom Verschenken von kostenlosen Informationen und Wissen verabschiedet (bitte auch nach unten scrollen dort) – KLICK

Genutzt habe ich den Service der Webseite für einen Weihnachtskalender, dessen Türchen man selbst befüllen kann und den ich im vergangenen Jahr mit Gedichten gefüllt habe. Im Jahr davor gab es allerlei Backrezepte, ebenfalls ein paar Gedichte und manche Weihnachtsbastelei. Das Eingangsbild hatte ich leicht angepasst, aber im Wesentlichen die Arbeit genutzt, die ein anderer in Programmierung und Layout hineingesteckt hat: Wilhelm Jansen. Danke!

In diesem Jahr wollte ich dem Kalender ein anderes Outfit geben – eines, was auf der Homepage von Wilhelm Jansen ebenfalls angeboten wurde. Eines, dass die Unterschiede zeigt – zwischen Armen und Reichen in einer Stadt.  Kein Weihnachtsbild wie die anderen. Obwohl es viele Monate her ist, dass ich es gesehen habe, erinnere ich mich daran.

Ich hatte mich dazu entschlossen, dieses Bild und den dazugehörigen Weihnachtskalender in diesem Jahr zu verwenden, obwohl es sich bei der Hompepage, für die ich das mache, um eine kleine Firmenhomepage handelt – bei der ich nicht das letzte Wort habe, aber ich denke, auch der Eigentümer wäre einverstanden gewesen.

Nun kann ich dieses Kalender-Outfit nicht mehr herunterladen, das ist traurig, aber kein Grund für Tränen.

Geweint habe ich, weil sich jemand von so vielen Projekten verabschiedet, in die er unendlich viele Stunden gesteckt hat – und ich ahne nur, wieviel Lebenszeit in diesen Webseiten steckte. Die waren einfach so da, und wir konnten sie nutzen und für nichts musste man bezahlen.

Wer mal schauen will, was Wilhelm Jansen (auch ein Nagetierfreund offenbar) zu den Rennmäusen zusammengetragen hat – der guckt mal hier: Rennmäuse

Der große Irrtum, etwas, für das man nichts bezahlen muss, sei auch nichts wert – hält sich verbreitet und verursacht bei mir Magenschmerzen. Die Träumer, Macher, Idealisten, die Geber und Verschenker, das sind die, deren Arbeit immer das Doppelte wert ist.

Vielen Dank – Wilhelm Jansen!


Der Traum vom Fliegen

Air Berlin - Abflug

Air Berlin – Abflug

Ausgeträumt…

Die Träume der Großen bezahlen die Kleinen mit schlaflosen Nächten.


Notizen in mehreren Akten – Nichts ist sicher – 2. Akt

(Wer den 1. Akt nicht gelesen hat, kann das nachholen – hier: KLICK)

2. Akt – Sicherheit der Wohnung

Wir schließen die Tür ab, wenn wir die Wohnung verlassen. Warum eigentlich?

Meine Großtante schloss niemals das Haus ab, wenn sie zum Dorfkonsum ging, im Gegenteil, die Haustür stand im Sommer weiterhin einladend offen. Die Gefahr, dass sich Diebe, Einbrecher in das weitabgelegene Dorf verirrten – ein wirkliches Ziel konnte es kaum sein – tangierte gen Null.

Niemand lässt in Berlin heutzutage seine Wohnungstür offenstehen, wenn er das Haus verlässt, es sei denn aus Versehen. Ich kenne jemanden, der kehrt sicherheitshalber immer (!) noch einmal zurück und rüttelt an der verschlossenen Tür: Sicher ist sicher.

Was könnte passieren, wenn wir die Tür nicht mehr abschließen würden? Die Chance, dass wir Opfer eines Einbruchs würden, ist nicht wesentlich größer als mit abgeschlossener Tür. Trotzdem fühlen wir uns sicherer, wenn wir abschließen.

Wer verteilt schon Ersatzschlüssel bei allen Nachbarn? Obwohl kaum zu erwarten ist, dass die Nachbarn sich unseres Eigentums bemächtigen könnten oder herumschnüffeln.
Wir möchten sicher sein, dass niemand sich in unsere Höhle einschleicht, etwas wegnimmt, oder auch einfach nur in unseren Dingen herumwühlt.

Davor haben wir Angst. Die Gefahr. dass das wirklich passiert, ist jedoch relativ gering, aber weil die eventuellen Folgen für uns vor allem psychisch so drastisch wären, haben wir Angst davor.

Die meisten von uns sorgen vor mit einer Hausratsversicherung, die uns für allerlei Fälle versichert: Gegen Wasser- und Feuerschäden und weitere unvorhersehbare Eventualitäten.

Angst lässt uns handeln: Kontrollieren, besorgt sein und für (vermeintliche) Sicherheit sorgen.

Ein teureres Schloss, eine bessere Verankerung der Tür, eine Versicherung gegen Einbruchsdiebstahl und so weiter und so fort. Und vergrößert das die Sicherheit? Meines Erachtens passt hier der Ausdruck: Nicht wirklich.

Angst ist das Gegenteil von Sicherheit. Angst spüren wir um vieles deutlicher – immer dann, wenn wir ein Stück Sicherheit verloren haben oder auch nur einfach den Verlust fürchten.

Unser Nest ist uns besonders wichtig.
Mir fallen die Störche in R. ein, die ihr Nest auf einem Schornstein bauten, der Wärme wegen nahmen sie wohl auch den Rauch in Kauf. Das schwere Nest geriet aber eines Tages in Brand, die Vögel verloren ihr Zuhause. Das Angebot auf einem anderen Schornstein zu nisten, nahmen sie nicht an. Es half auch nicht, als man das schwere Nest vom Schonstein mit einem Kran zu einer anderen Stelle bewegte. Die Tiere beharrten auf ihrem gewohnten Platz und bauten wieder auf dem gefährlichen Schornstein. Es lässt sich darüber streiten, ob das eher klug oder dumm ist.

Leben im Rauch - Störche in Rybokarty

Leben im Rauch – Störche in Rybokarty

Die steigenden Mieten und soziale Unsicherheit, lässt immer mehr Menschen, den Verlust ihrer Wohnung fürchten. Diese Angst ist in den Städten naturgemäß ausgeprägter, weil hier weitgehend Mieter leben. Auf dem Land sind Häuser in persönlichem Eigentum häufiger. Insgesamt ist in Deutschland der Anteil derjenigen, die in einer Eigentumswohnung leben geringer, als in unseren Nachbarländern und überhaupt in Europa.

Aber auch die Eigentümer einer Wohnung sind keineswegs sicher, dass diese auch in ihren Händen bleibt. Plötzlich in eine unerwartete Lage geworfen, kann der Traum vom Eigentum schnell ausgeträumt sein. Ich kenne jemand, der erbte eine Eigentumswohnung und war sehr glücklich – bis die Eigentümerversammlung allerlei Renovierungen beschloss, die ihn in Schulden stürzte.
Krankheit, Alter oder beides zusammen, ein Unfall, eine Scheidung, die Unwägbarkeiten des Lebens – ebenso wie die unausweichlichen Übel bedrohen uns beim Erhalt unserer Wohnung, des Hauses, des Nestes. Die schönste Wohnung nützt nichts, wenn man nicht mehr in ihr leben kann, weil äußere Umstände zum Umzug oder Auszug zwingen. Nichts ist sicher.

Jemand aus meinem Umfeld behauptet immer wieder, es sähe bei ihm aus, wie bei „Schöner wohnen“. Mal ganz abgesehen davon, dass das nicht stimmt, weil bei „Schöner wohnen“ keine Schutzdecken auf den Sitzmöbeln liegen, macht zur Wohnung die Wohnung ja eigentlich erst das persönliche Bedürfnis, das sich niederschlägt in den gemieteten oder eigenen „vier“ Wänden.

Das Unverwechselbare, mit dem wir unsere Wohnung prägen, ihr einen Stempel aufdrücken – oder gerade das vermeiden – wie bei den Hochglanzfotos in „Schöner wohnen“, macht die Wohnung zu unserer Wohnung.

Damit unser Heim uns auch Heimat ist, bedarf es aber noch mehr: der Umgebung. Und damit ist mehr gemeint, als der Kastanienbaum auf dem Nachbarhof – wobei auch der. Es sind eben auch die Menschen um uns herum, sogar diejenigen, die wir nicht mögen, die uns „zu Hause“ sein lassen. Der Nachbar , der immer das gleiche Hitparadenlied laufen lässt, ebenso wie das Ehepaar von oben, das immer eingehakt die Treppe hochläuft, das Schreikind von unten und der undefinierbare Lärm aus dem Café nebenan.

Wir drehen den Schlüssel im Schloss um, wenn wir die Wohnung verlassen, weil wir uns den Raum bewahren wollen, der ein wichtiger Teil unseres Lebensgefühls ist. Die Wohnung ist ein wesentlicher Teil unserer sozialen Verwurzelung und fast allen Menschen ist das bewusst.

Die zunehmend sichtbare Obdachlosigkeit in den Städten macht gerade deshalb auch denjenigen Menschen Angst, die momentan noch in einer Wohnung zu Hause sind.
Nichts ist sicher – auch die Wohnung nicht.
Wenn wir die Obdachlosen unter der Brücke schlafen sehen, jetzt auch in Pankow, wenn wir Nachrichten hören über Flucht und Vertreibung auf der Welt weitweg und näherrückend, dann ahnen wir, dass wir einfach Glück haben, jedenfalls mehr als andere Menschen fast überall.

Einfach mal googlen, wie es so neuforsch heißt: Taskforce, Tiergarten, Berlin.

Überschrift in der Berliner Morgenpost: Taskforce lässt Zelte der Obdachlosen im Tiergarten abbauen.

Die unhaltbaren Zustände führen zu unhaltbaren Zuständen.


Notizen in mehreren Akten – Nichts ist sicher

Prolog

Nichts ist sicher – mit einer Ausnahme: Der Tod ist uns sicher.  Dass wir irgendwann sterben, gilt als vorläufig erwiesen.  Aber genauso gilt, was der Esel der Bremer Stadtmusikanten dem mit dem sicheren Tod bedrohten Hahn einst sagte: Etwas Besseres als den Tod, findest Du überall.

 1. Akt – Datensicherheit

Vorgestern schrieb mir C. eine Nachricht auf Telegram, die Nachricht zusammengefasst  lautete:  Telegram ist sicherer als WhatsApp.

Für diejenigen Leser, die kein Smartphone besitzen: Beide Programme sind Chat-Nachrichten-Programme, mit denen man sich Nachrichten, Bilder und Dateien von Mobiltelefon zu Mobiltelefon schicken kann.

Zu WhatsApp (Markführer), das inzwischen Facebook gehört, gibt es Alternativen – Telegram ist die eine, Threema eine andere, wahrscheinlich sogar die “bessere“  Alternative, wenn es um die Sicherheit geht. Mit Sicherheit ist dabei die Sicherheit der übermittelten Daten genannt – einfach: Wer liest und guckt da mit?

Geheimdienste, Polizei, Datensammlerkraken und sonstige bösen Mächte könnten vielleicht Daten lesen, die nicht für sie bestimmt sind.

Und nein, es gibt nicht nur die 3 erwähnten Messenger, auch Skype, der Facebook Messenger, Signal und einige weitere spielen noch mit. Alle diese Dienste ermöglichen Kommunikation – auch über große Entfernungen hinweg. Besonders wichtig sind sie also für diejenigen, die weit von ihrer Heimat Kontakt nach Hause haben wollen.

Signal ist übrigens die App, mit der Edward Snowden seine Nachrichten schreibt, mir hat er allerdings noch keine geschrieben. Hi Edward – meld dich mal, ich hab auch Signal :-).

Auf meinem Smartphone finden sich also allerlei Messenger, schließlich möchte ich in Verbindung bleiben – auch mit denen, die Telegram oder Skype benutzen. Persönlich ist mir aber bei Nachrichtendiensten die Sicherheit völlig gleichgültig.

 M. schickte mir gerade ein Bild von den Zutaten für eine Kürbissuppe, die wir demnächst essen wollen, und ich schickte ihr ein Bild von einem kleinen Hasen Konstantin, der gewaschen in einer Schüssel sitzt. Falls sich irgendein Geheimdienst dafür interessiert – bitte, soll er sich an den Bildern freuen. Mitessen darf er nicht und Konstantin bleibt bei mir.

Konstantin

Konstantin

Irgendwann habe ich für mich entschieden, dass mir ein wenig Bequemlichkeit wichtig ist. Deshalb speichere ich Daten und Termine beim Datenkraken Google, und ich führe kein Adressbuch mehr. Brauche ich ein neues Mobiltelefon, werden meine Daten automatisch übertragen, und ich muss mich um nichts kümmern.  Überall auf der Welt kann ich auf meine Daten zugreifen – und wer mein Passwort kennt, der kann das auch.

Äh… Apropos Passwort. Ich habe gefühlte 150 Passwörter. Eines komplizierter als das andere. Ständig muss ich neue Passwörter kreieren und auswendig lernen. „Bitte wählen Sie ein Passwort aus mindestens 8 Zeichen. Das Passwort muss mindestens einen Großbuchstaben, einen Kleinbuchstaben, eine Zahl und ein Sonderzeichen enthalten. Umlaute sind nicht gestattet.“  

Das nervt.  Aber angesichts einer Liste der 10 häufigsten Passwörter der Deutschen, die nicht nur viel über die Bequemlichkeit ihrer Benutzer aussagten, sondern auch über uns deutsche Internetnutzer  überhaupt, ist es kein Wunder, dass uns die Anbieter zu mehr Achtsamkeit zwingen wollen.

Die zehn häufigsten deutschen Passwörter:

hallo
passwort
hallo123
schalke04
passwort1
qwertz
arschloch
schatz
hallo1
ficken

Im Folgenden sind die  meistgenutzten Passwörter in Deutschland (inklusive Zahlenkombinationen) basierend auf 30 Millionen Nutzerkonten, die als .de-Domain registriert sind, aufgelistet. Gefettet sind die deutschsprachigen Einträge.

123456 
123456789 
12345
hallo
1234
passwort
12345678
hallo123
schalke04
1234567
(Veröffentlicht vom Hasso-Plattner-Institut – KLICK)

Das Volk der Dichter und Denker ist bei Passwörtern offenbar eher denkfaul. Vor allem verwundert das angesichts der Aussagen, dass den Deutschen ihre Sicherheit so wichtig ist.

Es ist aber wirklich  zu unsicher, überall das gleiche Passwort zu verwenden. Wird das Portal gehackt,  wie es auch so großen Anbietern wie Yahoo passiert, dann fallen den Hackern die Passwörter in die Hände und sie können die entsprechenden gleich mal bei Amazon und PayPal ausprobieren. Das kann teuer werden.

Also: Bei Passwörtern geht Sicherheit vor Bequemlichkeit.

Wer einen Laptop mit einer eingebauten Kamera benutzt und ganz sicher sein will, dass er nicht gefilmt wird, wenn er es nicht will, sollte die Kamera zeitweise abdecken oder zukleben, sicher ist sicher. Könnte ja interessant sein, was bei Lieschen Müller zu Hause so los ist.

Dennoch, in den meisten Fällen sind Ziel von Hackerangriffen eher Systeme von Firmen oder Staaten. Krankenhäuser, Flughäfen und Atomkraftwerke werden zum Beispiel mit sogenannter Ransomsoftware angegriffen.

Dabei werden Dateien auf Computersystemen von einer Schadsoftware verschlüsselt und nur nach Zahlung eines Lösegelds (englisch: Ransom) wieder freigegeben. (Klick für Beispiel)

Was mit Hackerangriffen alles möglich ist, ist kaum vorstellbar, beinahe alle unsere Systeme werden von Computern gesteuert und ohne die und Strom sind wir inzwischen ziemlich hilflos.

Auch für „unsereins“ ist Datensicherheit im Internet ziemlich anstrengend, wenn man sie will und selbst dann ist sie relativ.

Bei den Genossen, mit denen ich die Weltrevolution machen will, gehe ich persönlich vorbei und hole sie ab. Das geheime Klingelzeichen geht so x-x-xxx-x-xxxx. Also, wenn es so klingelt, bitte öffnen.

Merke: Datensicherheit ist etwas für Profis und Freaks. Alle anderen müssen abwägen, wieviel Zeit und Kraft sie investieren wollen und können. Und: Nichts ist sicher…


Vom Glück, die Natur schön finden zu können

Heute habe ich ein Buch geschenkt bekommen, es heißt: „Vom Glück, mit der Natur zu leben“. Das wunderbare Buch ist ein Tagebuch, und es ist in Olton entstanden, einem Ort in Warwickshire, wo die Familie der Autorin wohnte. Edith Holden hat den Jahreslauf gezeichnet, gemalt und aufgeschrieben, was ihr in der Natur begegnete. Der stürmische Wind und die abgeflogenen Mauersegler, der Fliegenpilz, der Specht und meine Freundin, die Libelle, finden im Tagebuch Platz neben Gedichten, so schön ausgesucht, dass ich  kaum aufhören kann, darin zu lesen.

Nun brennt der Wald in feuerfarbner Pracht,

Und Tag für Tag verfällt, verweht das Laub.

Im Türspalt klagt der Herbstwind jede Nacht

Von seiner Fahrt durch öder Felder Staub,

Von seinem Ritt durch Hochlandeinsamkeit

Bis hin zum Meer, dem er sein Brausen lieh –

Und zärtlicher als Sommers Lust und Freud

Greift leis‘ nach dir Melancholie.

William Allingham

Sonnenschein und ein blauer Himmel – wir hatten Glück. Was für ein schöner Spaziergang durch den Park! Libellen umschwärmten uns und auch die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge schienen die Oktobersonne zu genießen. Der große Mammutbaum und die Ginkgobäume, die im Wind tanzenden Gräser und das Klopfen des Spechts – in der Ferne irgendwo rufende Kraniche – das ist Balsam und Labsal für die Seele. Der Wald, der mich einst adoptierte, hat mich gelehrt, dass die Natur eine ehrliche Haut ist – verlässlich, freundlich und gefährlich. Auch heute zeugten die gefallenen Bäume von der Gewalt des großen Sturms in der letzten Woche. Merke: Rohe Gewalt bringt auch Gesunde um. Auch kräftige Bäume, umringt von ihren Genossen, sind nicht unsterblich und halten nicht jedem Sturm stand. Ich fotografiere, was ich sehe – Vorsorge für den farbkargen Winter und die eigene permanente Vergesslichkeit. Die Schönheit des heutigen weißen Schmetterlings ist gewaltig – selbst ein Kohlweißling sieht heute ganz anders aus als gewohnt und wird nicht sofort erkannt. Seltsame Früchte, zarte Ballons, abgeworfen von einem unbekannten Strauch, machen neugierig. Was ist das?

Seltsamer-Ballonstrauch

Seltsamer-Ballonstrauch

Ballonfrüchte

Ballonfrüchte

Das Damwild, das hier sonst steht, ist wohl in den Urlaub gefahren, das Futter, das ich für die Hirsche und Damen gekauft habe, nehme ich mit nach Hause. Außerdem nehmen wir Kartoffeln mit, verkauft von klugen jungen Leuten, die sich auskennen. Mehlig kochende, vorwiegend fest kochende, der persönliche Geschmack entscheidet, Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel.

Herbst

Als ich nach Hause komme, regnet es schon wieder. Aber ich habe ja die Bilder – auf der Speicherkarte und im Kopf – und die Erinnerung an das gute Gespräch, an das ich immer denken werde, wenn ich die Bilder des Ausflugs sehe. Das ist auch ein Stück vom Glück.

Herbst

Herbst

Wir sprachen auch über Ginkgo – und ob ein Extrakt der Pflanze vielleicht gegen Vergesslichkeit – Demenz – hilft, ich habe das also heute am Abend noch einmal recherchiert, es kommt ganz darauf an, es gibt rezeptpflichtige Präparate, die gegenüber einem Scheinmedikament Vorteile aufweisen, aber diese sind „moderat“. Ich persönlich empfehle die „Einnahme“ von etwas Goethe, der hat auch gewiss keine unangenehmen Nebenwirkungen.

Goethe_Ginkgo_Biloba

Goethe_Ginkgo_Biloba


Die Ruhe nach dem Sturm

Nach dem Sturm haben wir einfach zusammen gesessen, gegessen und uns das Fußballspiel angesehen.

Der Himmel klarte auf und hinter dem Haus grüßte der Vollmond. Die Ruhe nach dem Sturm: ein schöner Abend.

Vollmond

Vollmond


Lob des Aufhebens

Es ist sehr viel einfacher, seine Wohnumgebung ordentlich und sauber zu halten, wenn man die Dinge um sich herum reduziert. S. hat sich deshalb sogar von seiner geliebten Shakespeare-Ausgabe getrennt – und von vielen anderen Büchern ebenfalls. L., sagte mir heute, sie wolle lieber keinen zusätzlichen Bildschirm für ihr Notebook, sie möchte so wenige technische Geräte wie möglich um sich herum haben. Bei H. gibt es nur ein riesiges Bett, eine Lampe, einen Schreibtisch und ein Sofa mit einem Tisch. Und ein kleines Regal mit etwa 15 Büchern. Sie stehen in einer Reihe. Immer wenn er ein neues kauft, wird es als letztes in die Reihe gestellt, und er verschenkt das erste. Der Trend geht eindeutig zum Minimalistischen.

Ich gehöre eher zu den Jägern und Sammlern. Das bedauere ich manchmal. Es fällt mir nicht schwer, mich von Dingen zu trennen, aber ich möchte sie gern weitergeben. Wegwerfen, das ist für mich schwierig, wenn ich glaube, jemand anderes könne mit dem Gegenstand, der Jacke, dem technischen Gerät noch etwas anfangen. Da wir aber in einer Neukaufgesellschaft leben, bleibe ich auf vielen Dingen sitzen. Ich frage herum, aber keiner will sie.

Heute begegnete mir beim Aufräumen ein Handy – DUAL-SIM – das könnte ich weitergeben, es ist kein Smartphone, und ich brauche es gewiss nicht mehr, aber wer will so ein altes Telefon schon?  Man kann damit zwar telefonieren und sogar fotografieren, aber trotzdem ist es unmodern. Was nun? Wegwerfen? Das kann ich nicht. Es ist voll funktionsfähig und Menschen haben daran gearbeitet. Es ist ein Wert, ein Wertgegenstand.  Irgendwann finde ich jemand, der es gebrauchen kann – vielleicht. Und noch habe ich Platz dafür. Frisst ja kein Brot, wie man so treffend sagt.

Aber noch etwas habe ich gefunden, tief hinten im Kleiderschrank, etwas, was die meisten ordnungsliebenden Menschen sicher längst „entsorgt“ hätten. Einen kleinen Zettel, der aus dem Jahr 1994 stammt, verborgen in einem Kästchen mit „Maja“-Seife. Maja-Seife bekomme ich immer wieder seit vielen, vielen Jahren geschenkt, und sie hält sich bei mir deshalb ziemlich lange. Manchmal offenbar sogar 23 Jahre.

Auf dem Zettel bedankt sich P. für meine Hilfe bei seiner Abiturprüfung. Der Zettel beginnt mit den Worten: Hey Maja! Ich rechne damit, dass Du diesen Zettel etwas später als gedacht liest…

Wie schön, dass ich das Kästchen mit der Seife aufgehoben habe. Maja -Seife bekomme ich übrigens immer noch geschenkt :-).

Zettel

Zettel

Maja Seife

Maja Seife


Abschied

Mich erreicht

jetzt schon ein letzter leichter Sommergruß.

Noch sind die Blätter grün,

doch die ersten segeln schon im zarten Wind

unaufhaltsam ihrem Ende zu.

Mühsam bahnt sich ein Abendsonnenstrahl den Weg

und besucht mich.

Es wird schon so früh dunkel.

Gerade eben, denke ich, war doch noch Frühling.

Was bleibt vom Sommer?

Ein zartes Rotkehlchen auf dem Zaun –

zum Beispiel.

Doch ich weiß schon jetzt:

Es wird kälter in Deutschland,

schon am Sonntagabend.

Rotkehlchen

Rotkehlchen