Archiv für die Kategorie ‘NOTIZEN AUS DEM OFF’

Machtbesessen

In einem Telefonat ging es heute unter anderem um Macht und Machtstrukturen innerhalb von Gruppen.

Auch um „unsichtbare“ und informelle Macht.

Das gesprochene und das geschriebene Wort sind mächtig.

Und insofern, aber nur insofern, bin ich machthungrig und machtbesessen.


Spam-E-Mail

Lyrik als Spam

…habe mich bezüglich des Vorschlags zurückgemeldet
in Bezug auf Ihre wahrgenommenen entfernten Verwandten
ruhender Zustand in meiner Einrichtung…

 


Gegen das Verblassen

Farbwuchtige Fotos,

Sonnenuntergang, Wellenmeer, Möwe im Flug –

wiegen mich in Sicherheit.

Das Meer wartet, bis ich Zeit habe.

Sehnsucht schmerzt am Abend,

wenn die Flut der E-Mails nachlässt.

Ich träume mir das Meer in die Küche,

in das Rauschen des Geschirrspülers,

gegen das Verblassen der Erinnerung.


Unterwegs

Blick zurück,

doch ohne Zorn.

Jene seltsame Zeit,

deren Narben schmerzen,

nistet tief im Herzen.

Das Ende ist weit,

auf nach vorn:

ins Glück.


Ein schwarzer Vogel hat gesungen

Blackbird - women in brown - Amsel

Blackbird – women in brown

 

 


Unser Friede

Es ist Frieden,

sagen wir,

Gott sei Dank,

der erfundene Allmächtige fällt uns eher ein

als die Rote Armee.

Frieden,

wenigstens hier.

Aber das ist nicht genug.

Geteilter Friede,

ist gar kein Friede.

Wir verteidigen unseren teilweisen Frieden

allenthalben kräftig

an immer mehr Orten dieser Welt,

stolz füttern wir Kriege mit unseren Waffen.

Deutsche Gewehre sprechen eine deutliche Sprache.

Wiedererkennbar.

Die Toten aus dem Mittelmeer

sind uns nicht Drohung genug,

den zeitweilig Geretteten bieten wir

vorläufigen Schutz.

Der Kapitalismus ist niemals friedlich.

Unser Friede eine fromme Lüge.

 


Es ist vorbei – Traktor Kienitz ist tot

Es ist vorbei. Nur die Feuerwehr hat noch junge Leute. Zu wenige, aber einige immerhin.

Es gibt keine Fußballmannschaft mehr.

Ein Großvater trainiert mit seinem Enkel. Es steht 400 zu Null, sagt der Enkel.

Früher spielte ich bei den alten Herren, sagt der Großvater.

Sie haben die Anlage für sich.

Noch wird der Rasen auf dem Platz gemäht, noch gibt es Hoffnung auf eine andere Zukunft.

In Golzow spielen polnische Jungs für das deutsche Dorf. Alle kommen aus Polen. Deutsche Jungs sind keine mehr da.

Die Straßen heißen noch wie früher, nach Ernst Thälmann und anderen Helden unserer Kindheit.

Die Gärten sind aufgeräumt, die meisten Häuser zerfallen nicht.

Der Mohn blüht, aber die blühenden Landschaften sind anderswo.

im Dorf, erzählt einer, haben sie die ehemalige Schule zum Gemeindezentrum ausgebaut. „Da gibt es jetzt einen Seniorenraum. Die Alten sollen für die Benutzung zum Kaffetrinken 20 € bezahlen. Meine Mutter sagt, sie hat früher die Steine für die Schule vom Dreck abgeklopft zum Wiederaufbau der Schule. Erst hatten sie Schule, und dann haben sie Steine geklopft. Dass sie jetzt dafür bezahlen soll, das sieht sie nicht ein.

Über Politik wird nicht geredet beim Kegeln. Auch später beim Essen nicht.


Überlebensstrategie

Frau K. füttert eine Katze. Frau K. ist sehr alt, die Katze ist nicht ganz so alt, wenngleich auch nicht mehr jung und irgendwie halten die beiden einander am Leben. Vielleicht könnte die Katze – die möglicherweise ein Kater ist – ohne die tägliche Futtergabe sich irgendwie durchschlagen, aber es wäre schwierig.

In Pankow fressen die Füchse und die Waschbären und die Raben den Katzen alles weg.

Aber die Katze in der Maximilianstraße hat ja Frau K., die dafür sorgt, dass der Napf gefüllt wird. Frau K. wird bald ihren 100. Geburtstag feiern, doch es vergeht kein Tag, an dem sie nicht mindestens einmal den Weg von der Schönholzer Str. bis zur zu fütternden Katze zurücklegt.  Heute sitzt sie zum Ausruhen einen Moment auf dem Mäuerchen, das unseren Vorgarten vom Bürgersteig abgrenzt. Wir reden über Katzen und Ratten und über die jungen Meisen auf meinem Balkon.  Plötzlich springt die kleine, alte und zarte Frau auf, als sei sie von mindestens einer Tarantel gestochen worden und ruft empört: Lassen Sie das! Außer Atem sinkt sie ebenso schnell zurück. Ihre Aufregung bleibt ungehört, sie gilt einer jungen Frau, die einen Kinderwagen vor sich herschiebend telefoniert und ihre Umwelt kaum wahrnimmt.

Haben Sie das gesehen, fragt Frau K. mich aufgeregt, die Mutter hat dem Kind auf die Hände geschlagen. Ich habe es nicht gesehen. Aber ich glaube es ihr unbesehen.

Wissen Sie, sagt sie, ich habe mich immer eingemischt. Das ist gesund. Wer sich nicht einmischt, der wird davon krank. Man muss auch mit dem leben können, was man unwidersprochen geschehen lässt.


Im Falle eines Falles…

Im Falle eines Falles,

kann man immer noch,

in die Falle fallen.

Vorrausgesetzt,

es lauern keine

keine Fallstricke,

sondern eine Hängematte.


Warten auf Witze – Elke Erb zum Geburtstag

Neulich versprach mir Elke, mir Witze zu schicken, die sie so über die Jahre gesammelt und zusammengestellt hat –  seither warte ich voller Spannung.

Jetzt habe ich mir überlegt, dass ich ihr hier mal eben schnell zum Geburtstag gratuliere, voller Eigennutz!

Liebe Elke – alles Gute zum 81. Geburtstag und behalte die klare Sicht und den Wortwitz und schick mal was.

Bis gleich, nachher oder etwas später.

Elke Erb in Wuischke

Elke Erb in Wuischke

Und für euch Leser hier ein Zitat. „Wegen der Vielfalt der Beziehungen hat das Schreiben einen unbewußten Gang.“ (Elke Erb – Kastanienallee)