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Päckchen und Pakete und die kleinen Freunden des Alltags

Ich habe eine Post-Phobie. Sie stammt aus anderen Zeiten, hat sich aber – rudimentär – erhalten. Damals, in den anderen Zeiten, verklebte ich in einem Brief ein vielfach bereits ebenfalls zusammengeklebtes Papier mit dem Umschlag und hoffte, der Brief käme irgendwann an. Kam er nicht. Mein damaliger Anfangsverdacht und die Interpretation des Briefverlustes waren richtig. Die wirklich lange und spannende Geschichte, was so alles mit meiner Post geschah – der versendeten und derjenigen, die mich erreichen sollte – erspare ich mir und Euch zum jetzigen Zeitpunkt, aber: Seither meide ich Briefkästen, Paketstationen und ganz, ganz besonders Postfilialen.

Da ich sehr häufig zu Hause bin, erreichen mich Pakete problemlos. Jedenfalls die, die an meine Nachbarn übergeben werden sollen. Die verschiedenen Paketlieferanten haben unsere Klingelschilder mit Zeichen versehen, bei mir steht da – so übersetze ich frei: „Macht auf, nimmt auch Pakete für Nachbarn.“

So kommt es, dass mein Korridor manchmal einer Postfilialle gleicht.

Leider funktioniert die Übersendung von Paketen und Päckchen an mich nicht gleichermaßen problemlos. Sie landen in weit entfernten Filialen (sehr häufig), bei Nachbarn, die es nicht gibt (häufig) – oder reisen durch die halbe Bundesrepublik, bis sie bei mir landen (kommt regelmäßig vor). Gut, dass ich keine Fische geschickt bekomme.

Meine Vermutung dazu: Es handelt sich um ein Konfrontationsprogramm,  mit dem mir meine Postphobie abtrainiert werden soll.

Es ist fast geschafft.

Ich bekomme so viel Freude geschickt, dass selbst die schlimmen Tage zu bewältigen sind. Danke.

Echsen übernehmen die Welt!

 

 

 


Ahnungslosigkeit

Das größte Problem zwischenmenschlicher Auseinandersetzung ist das Beharren einer Seite auf der eingeübten Ahnungslosigkeit.


Vorübergehend

Vorübergehend,

geht es nicht vorüber.

Damit leben müssen,

ist allerdings besser,

als daran zu sterben.

Vorübergehend,

geht es nicht vorüber.

Bleib, wo Du bist und rühr Dich nicht,

ist die Devise der Tage.

Später werden wir uns

hoffentlich erinnern,

an die Vorteile des Abstands

und neue Nähe.


Wir Schmuddelkinder

Wir Schmuddelkinder gehen nicht in die Oberstadt. Wir singen ihre Lieder nicht. Die Verachtung der Oberstadtgang trifft uns mit voller Wucht, aber sie erreicht uns trotzdem nicht mehr. Wir haben uns schon entfernt und tragen einen Schutzpanzer. Wir knüpfen Freundschaftsbänder mit einer anderen Welt.


Aus sicherer Entfernung

Flucht als Rettung aus der Not,

gerade noch rechtzeitig,

bevor das bleiche Herz verbrennt.

Aus sicherer Entfernung zusehen

unbeteiligt, aber verantwortlich.

Deutschland ist kalt.

Verdrängen, belügen, aussortieren.

Trostlos.

Im Nachhinein wird die

neue Schuld festgestellt werden.

Alles wie immer.


Chicoreesalat

Chicoreesalat,

altes Codewort: Spazieren gehen mit der Zukunft im Gepäck.

Untergegangen wie das Land.

DDR = Diktatur des Volkes

immerhin eine Lehrmeinung.

Neue Hoffnung: Sputnik.


Fremde Liebe

Traurigkeit ist das Salz in der Suppe des Lebens.

Unzufrieden stelle ich fest: Der Koch ist verliebt.


Haben Sie jemand, der Ihnen helfen kann?

Diesmal weiß ich ich nicht, was den Frager zu seiner Fragestellung veranlasst hat, mein Alter oder mein Geschlecht.

In jedem Fall lag er falsch.

Es ging um das Drücken einer Tastenkombination auf einem technischen Gerät.

Meine Frage, warum ich dazu eine helfende Person brauchen würde, blieb unbeantwortet…


Nur ein Angebot, mehr nicht

…in die Tasten gehauen,

rausgelassen,

ein Angebot gemacht,

nicht mehr, mehr nicht.

Angebote dürfen abgelehnt werden.

Mehr nicht, nicht mehr!


Lass Dich nicht ziehen

Lass Dich nicht ziehen,

geh eigene Wege,

sagte sie

und gab mir:

Einen Bleistift, ein weißes Blatt Papier und eine Schere.

Einfachste Dreieinigkeit.