Es ist kein Kraut gewachsen

Ein Mann, den ich im brandenburger Hinterland treffe, schwingt diesen einen Satz über den Tisch.

„Wir wollen hier keine mit Kippa oder Kopftuch.“

Nachdem ich aufgehört habe, mich darüber zu wundern, dass er Kopftuchträgerinnen und Kippaträger im gleichen Satz für unerwünscht erklärt, frage ich nach.

„Es soll hier nicht aussehen wie in Neukölln.“  Das ist Ansichtssache. Neukölln ist bunt und vielfältig – und problematisch. Vom Bunten und Vielfältigen könnte Brandenburg profitieren, ein bissel Neukölln in Brandenburg täte dem Land gut. Das Problematische ist schon da und bewohnt das Land. Es trägt weder Kopftuch noch Kippa.

 

Vollgemüllt

Brandenburg ist auch nicht überall schön… verlassene Landschaft


Vor 75 Jahren verübte die SS das Massaker in Oradour-sur-Glane

Erinnerung ist wichtig.

Am 10. Juni umstellten kurz nach 14 Uhr rund 150 Soldaten der 3. Kompanie des zur 2. Panzer – Division „Das Reich“ gehörenden SS Panzergrenadier-Regiments 4 „Der Führer“ das 22 Kilometer nordwestlich von Limoges gelegene Dorf Oradour-sur-Glane. Die Dorfbewohner wurden zunächst auf dem Marktplatz zusammengetrieben und dann, nach über einer Stunde, von der SS in Männer sowie Frauen und Kinder aufgeteilt. Der Chef der 3. Kompanie, Otto Kahn, sagte nach dem Krieg in einem Dortmunder Gerichtsverfahren aus: „Diekmann eröffnete mir, dass als Befehl die Niederbrennung und Vernichtung des Dorfes Oradour eingegangen sei, was ich auszuführen hätte.“

Die über 400 Frauen und Kinder wurden in der kleinen Kirche eingepfercht. Nach etwa eineinhalb Stunden zündeten SS-Leute eine in einer Kiste vor dem Altar befindliche Rauchbombe mit Stickgasen, was beißenden Qualm und Panik erzeugte.

Als die Fenster der Kirche barsten wurden die Eingeschlossenen beschossen und mit Handgranaten beworfen. Auch Fluchtversuche wurden durch heftigen Beschuss verhindert. Schließlich wurde Feuer in der Kirche gelegt, der hölzerne Dachstuhl des Kirchturms ging in Flammen auf und schlug schließlich durch das Dach des Kirchenschiffs auf die eingeschlossene Menge.

Allein der 47-jährigen Bäuerin Marguerite Rouffanche gelang durch ein Fenster die Flucht in ein nahegelegenes Erbsenbeet, in dem sie, durch fünf Schüsse einer Maschinengewehrsalve schwer verletzt, bis zum nächsten Tag ausharrte und so überlebte. Ihr Augenzeugenbericht ist der einzige der Tat aus Opferperspektive; er wurde bei der Verhandlung vor dem Militärgericht in Bordeaux 1953 von mehreren SS-Angehörigen bestätigt. Nachdem die verletzte Rouffanche zunächst im Krankenhaus von Pierre Povetin, einem Mitglied der Résistance-Vereinigung MUR, befragt worden war, nahm am 13. Juni der Präfekt von Limoges eine Zeugenaussage auf, deren Zusammenfassung er an die Deutsche Waffenstillstandskommission in Wiesbaden schickte, eine reichsdeutsche Behörde für strittige Angelegenheiten zwischen Vichy-Frankreich und Deutschland, die mit dem deutsch-französischen Waffenstillstand von 1940 gegründet worden war.

Währenddessen waren die verbliebenen über 200 Männer und älteren Jungen in Garagen und Scheunen festgesetzt worden. Auf einen Signalschuss hin eröffneten die Soldaten gleichzeitig das Feuer auf sie zu ihrer Liquidation. Anschließend wurden die Leichenberge ohne Rücksicht auf verletzte Überlebende mit Hilfe von Stroh angezündet. Nur fünf Männern gelang rechtzeitig die Flucht, auch sie wurden teilweise schwer verletzt.

Insgesamt starben 642 Menschen in Oradour, von denen später lediglich 52 identifiziert werden konnten. Unter den Toten befanden sich 207 Kinder und 254 Frauen.

(Quelle – Wikipedia – KLICK)

Wir müssen wachsam bleiben!

 


Handwerkszeug

Handwerkszeug

Handwerkszeug


Nachrichten aus dem Niemandsland

Unser Dorf soll schöner werden

Unser Dorf soll schöner werden


Drei Chinesen ohne Kontrabass

…standen mit Koffern auf der Straße und fragten mich was…

Sie fragten, wo Herr XYZ wohne, der hatte ihnen nämlich etwas vermietet. Leider war der gute Mann nicht zu finden und ans Telefon ging er auch nicht.

Es war viel zu heiß für solchen Stress.

Also lud ich sie erst einmal zu einem Tee ein. (Eine Flasche S. Pellegrino hatte ich auch noch.)

Morgen wollen sie weiter nach Hamburg – aber wo heute nächtigen?

Ich habe drei Dinge gelernt:

1.  Ich brauche eine weitere Schlafgelegenheit für Gäste

2. Berlin ist voller Touristen – selbst alle Hostels sind ausgebucht

3. Meine Englischkenntnisse sind ungenügend, aber ausreichend, um Chinesen zum Tee einzuladen.

Es fand sich dann doch ein Hostel mit 3 Betten in einem Schlafsaal.

Gute Nacht Amy, Andy und Tom!

(Die Auffassung, das Lied, auf das ich anspiele, sei rassistisch, teile ich nicht.)

Tom ist General Manager. So steht es auf seiner Visitenkarte.

www.huacomm.net

„Um die Gewohnheit und das Konzept des Lebens der Menschen zu ändern, befördern Sie die Entwicklung und den Fortschritt der Gesellschaft mit fortschrittlichen Technologien.“

 


Jürgen Kasek: Ich klage an.

Jürgen Kasek

Ich klage an.

Dieser Text ist nicht versöhnlich. Dieser Text ist nicht differenziert. Dieser Text ist eine Anklage.
Es ist ein Versuch zu verstehen.

Ich bin in Sachsen geboren. In dem Bundesland, das seit Jahren bundesweit für Kopfschütteln sorgt.

Als ich 18 wurde schenkte mir meine Freundin ein faustgroßes durchgestrichenes Hakenkreuz. Seitdem ich es trug, gelte ich als links. Ich gelte als links für ein Symbol, dass die Geschichte des Grundgesetzes widerspiegelt. Und immer wenn ich Ärger mit Nazis hatte, musste ich mich dafür rechtfertigen, schließlich hätte ich doch provoziert.

1998 fand in Wurzen eine „linke“ Demonstration gegen Rassismus statt. Sie wurde angegriffen. Das hätte der Punkt sein können, offen darüber zu sprechen, dass wir in Sachsen ein Problem mit Rassismus haben. Es war eine „linke“ Demo. Kein Grund sich damit auseinanderzusetzen.

Als zur Jahrtausendwende die „Skinheads Sächsische Schweiz“ eine ganze Region terrorisierten und bei deren Verbot Polizeibeamte aus anderen Bundesländern eingesetzt wurden, weil es Kontakte heimischer Behörden in die Szene gab, hätte das ein Punkt sein müssen offen darüber zu reden. Aber die Gruppe galt als aufgelöst. Kein Grund mehr für eine Aufarbeitung.
2004 fand eine linke Demo in Pirna statt. Sie lief nur wenige Meter. In der Stadt standen Hooligans von „White Wendy“, der Nachfolgeorganisation. Nichts hatte sich geändert.

Wenn irgendwo in Sachsen ein nichtrechter Jugendlicher Opfer rechter Gewalt wurde, hieß es nur allzuoft es sei eine Auseinandersetzung unter Jugendlichen gewesen. Oft genug wurde ein politischer Hintergrund ignoriert, selbst wenn die Täter bekannte Neonazis waren. Jede einzelne Tat, jeder einzelne Tote in Sachsen aufgrund rechter Gewalt hätte ein Punkt sein müssen, offen über Rassismus zu reden. Die Täter wurden verurteilt, manchmal. Das Kapitel geschlossen.

2007 eskalierte das Stadtfest in Mügeln. Ein rechter Mob verfolgte Inder in eine Pizzeria und griff diese an. Es hätte ein Punkt sein können offen über Rassismus zu reden. Aber je länger diskutiert wurde, umso mehr verlagerte sich die Diskussion. Aus den Opfern wurden Täter. Die Inder sollen „deutsche Frauen“ belästigt haben. Der Angriff wurde so zur Notwehr umgedeutet. Und diejenigen, die auf den rassistischen Hintergrund hinwiesen als „Nestbeschmutzer“ gegeißelt.

2009 überfielen 50 Neonazis das Spiel des Roten Stern Leipzig in Brandis. Das Spiel wurde abgebrochen, mehrere Personen wurden verletzt, zwei von Ihnen schwer. Bundesweit war der Fall in den Schlagzeilen. Dieser Fall hätte ein Wendepunkt sein können. Stattdessen wird dem Stern, der dezidiert antirassistisch arbeitet, vorgeworfen den Fußball zu politisieren. Während in der Bundesliga jedes antirassistische Transparent gefeiert wird, muss der Stern sich rechtfertigen, wenn er auswärts ein Banner aufhängt mit „Nazis Raus“.

2011 enttarnte sich der NSU. Beate Zschäpe sprengte das Haus der Zelle in die Luft. Es hätte ein Wendepunkt sein müssen. Im sächsischen Landtag dankte ein Politiker dem Verfassungsschutz, dass dieser immer frühzeitig gewarnt hätte. Der Eindruck, dass der Staat wirklich versucht alle Hintergründe aufzuklären, um auch zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, stellte sich auch bei der Verurteilung nicht ein. Einer der Helfer des vermeintlichen Trios bekam 2 Jahre Haft. Nach dem Prozess ist er wieder frei und lebt in Zwickau, hegt Kontakt zur neonazistischen Kaderpartei der „3.Weg“. Nichts hat sich geändert.

Als Pegida 2014 auftauchte hätte das ein Punkt sein können offen über den Rassismus in der Mitte der Gesellschaft zu sprechen. Offensichtlich wurde, dass Vorurteile, bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein wuchern. Es wurde nicht über Rassismus gesprochen sondern darüber, dass man die „Sorgen und Nöte“ dieser Mensch ernst nehmen muss. Aus „Rassismus“ wurde damit die „berechtigte Angst vor Überfremdung“.

Als sich 2015 in Freital eine rechte Terrorzelle bildete, waren Anschläge auf „linke Poltiker*innen“, für einige „dumme jungen Streiche“ und für die lokalen Behörden kein Terror sondern einfache Straftaten.

Als 2016 junge Geflüchtete durch Bautzen gejagt wurden, wurde über deren Schuld gesprochen. Und diejenigen die darauf hinwiesen, dass wir ein Problem mit Rassismus haben und bis heute darauf hinweisen, gelten Teilen der Gesellschaft nach wie vor als „Nestbeschmutzer“, die das Image stören.

Wer offen darüber spricht, dass wir in Sachsen ein Problem mit Rassismus und anderen Form der Menschenfeindlichkeit haben, macht sich schnell des Sachsen- Bashing schuldig.

2018 eskalierte die Situation in Chemnitz. Menschen wurden durch die Stadt gejagt. 6000 Menschen demonstrierten gegen Ausländer. Darunter Neonazis, Hooligans, Reichsbürger, Identitäre. Es hätte der Punkt sein müssen offen darüber zu sprechen, dass es keine Trennlinie mehr zwischen gewaltbereiten Neonazis und Bürgern gibt. Es gab eine Debatte darüber ob die Bilder aus Chemnitz eine „Menschenjagd“ waren oder doch nur ein „Nacheileverfahren“. Und die Bilder eines dezidiert antifaschistischen Twitter Accounts wurden bezweifelt, weil er „antifaschistisch“ ist.
„Wir dürfen nicht alle über einen Kamm scheren.“

2019 erscheint der neue Verfassungsschutzbericht in Sachsen. PEGIDA und AfD sind nicht extrem. Aber „Antifaschismus“ gilt in Sachsen jetzt ganz offiziell als „linksextrem“.

Das alles sind keine Einzelfälle. Es sind Fallbeispiele und jeder meiner Freund*innen in Sachsen kann diese Liste mit eigenen Erfahrungen ergänzen.

Die AfD ist jetzt ganz offiziell in Sachsen stärkste Partei. Eine Partei, die offensiv mit Verfassungsfeinden zusammenarbeitet, Teile des Grundgesetzes abschaffen will und offen davon spricht „das System abzuwickeln“.

Das sie es in Leipzig nicht ist, hängt auch damit zusammen, dass es in Leipzig einen Konsens gibt von der Mitte der Gesellschaft aus, der deutlich eine Grenze zieht und Rassismus zurückweist.

Unsere Demokratie ist nicht grenzenlos. Sie hat einen Rahmen, der durch unsere Geschichte und die Grundrechte bestimmt wird. Es ist an uns, immer wieder daran zu erinnern und darauf hinzuweisen, dass es eben nicht alles was gesagt werden kann auch demokratisch ist.

1932 hat es auch in Sachsen angefangen. Ich will nicht, dass es wieder dazu kommt. Aber die Zeit wird langsam knapp. Irgendwann muss sich jeder Mensch entscheiden auf welcher Seite mensch steht.

Ich klage an.

(Mit freundlicher Genehmigung von Jürgen Kasek )


Die Birke

Die Birke ist die Kuh des Waldes.


Es ist vorbei – Traktor Kienitz ist tot

Es ist vorbei. Nur die Feuerwehr hat noch junge Leute. Zu wenige, aber einige immerhin.

Es gibt keine Fußballmannschaft mehr.

Ein Großvater trainiert mit seinem Enkel. Es steht 400 zu Null, sagt der Enkel.

Früher spielte ich bei den alten Herren, sagt der Großvater.

Sie haben die Anlage für sich.

Noch wird der Rasen auf dem Platz gemäht, noch gibt es Hoffnung auf eine andere Zukunft.

In Golzow spielen polnische Jungs für das deutsche Dorf. Alle kommen aus Polen. Deutsche Jungs sind keine mehr da.

Die Straßen heißen noch wie früher, nach Ernst Thälmann und anderen Helden unserer Kindheit.

Die Gärten sind aufgeräumt, die meisten Häuser zerfallen nicht.

Der Mohn blüht, aber die blühenden Landschaften sind anderswo.

im Dorf, erzählt einer, haben sie die ehemalige Schule zum Gemeindezentrum ausgebaut. „Da gibt es jetzt einen Seniorenraum. Die Alten sollen für die Benutzung zum Kaffetrinken 20 € bezahlen. Meine Mutter sagt, sie hat früher die Steine für die Schule vom Dreck abgeklopft zum Wiederaufbau der Schule. Erst hatten sie Schule, und dann haben sie Steine geklopft. Dass sie jetzt dafür bezahlen soll, das sieht sie nicht ein.

Über Politik wird nicht geredet beim Kegeln. Auch später beim Essen nicht.


Flache Hierarchie

Sie sagte: Flache Hierachie. Aber sie meinte: Meine Monarchie.  Setzte die Krone auf, warf sich einen Königsmantel über (weich gefüttert mit Hermelinen), nahm das Zepter in die Hand und schritt von dannen, um neue Königreiche zu gründen …


Sehfehler und Denkfehler

Wenn jemand Schmierfinken und/oder Schmutzfinken irgendwo verortet, dann unterliegt der Beobachter nicht nur einem Sehfehler, sondern gleichermaßen auch einem Denkfehler. Es sind nicht prachtvolle Finken, die hetzen und verunglimpfen. Seht genau hin: Es sind Menschen, die das tun. Denkt daran: Die muss man beim richtigen Namen nennen.

Finken sind wirklich wunderbare Vögel und haben die Verunglimpfung nicht verdient.

Schweine sind klug und sauber.

Ratten sind intelligent und sozial.

Elefanten sind feinfühlig…

…und so weiter und so fort.  WIR sind das Problem.

Stieglitz - einer von den Finken :-)

Stieglitz – einer von den Finken 🙂