Archiv für die Kategorie ‘Ratten und sonstige Tiere’

Manchmal brauche ich…

Manchmal brauche ich die anderen Freundinnen ganz besonders. Die mit den langen Schwänzen. Die zuverlässigen, schweigsamen.

Sie beißen nicht. Sie erwarten beinahe nichts – nur Fürsorge.

Es sind vernunftbegabte Tiere und in ihrer Nähe zu leben, das hilft gegen Stoffwechselstörungen, innerliche und äußerliche.


Katze und Igel

Eines Tages begegnen sich eine Katze und ein Igel.

Ich beneide Dich sehr, sagt die Katze. Ich wäre gern auch so wehrhaft.

Ach, antwortete der Igel, es ist nicht besonders schön, jeder, der sich für mich interessiert, holt sich eine blutige Nase. Besonders Hunde.

Das ist doch super, besonders, was Hunde betrifft! Bei aller Liebe, aber manchem Köter kann eine blutige Nase nicht schaden, meint die Katze und hebt galant die Pfote zur Bekräftigung. Und sagt dann: Man kann sich auch für Dich interessieren, ohne sich zu gefährden.

Ja, antwortet der Igel und seufzt, aber sicherheitshalber werde ich nicht gestreichelt.

 


Wir Faltenhunde

Heute begegnete mir der Faltenhund. Er sprang aus einem Chat, umarmte mich und sofort waren wir eins. Wir Faltenhunde sind anders: Schwarz, dick, linksextrem und jüdisch, aber nicht weiblich – wir haben kein Geschlecht. Und manchmal waren wir früher mal weiblich und bei der Stasi, aber niemals beim Verfassungsschutz. Unsere Hütten sind groß oder klein, wir haben nie so viel Geld, wie wir gern verschenken würden. Meist sind wir arm dran und selbst schuld, weil wir Systemverweigerer sind, in jedem System. Wir wollen miteinander die Welt verändern und sammeln Gedanken. Wir sind ANTIFA, MIGRANTIFA oder Agamen, aber immer Faltenhunde.


Friedliche Koexistenz

Vor Weihnachten habe ich mich entschlossen, mit den bei mir lebenden Wollmäusen einen Vertrag abzuschließen: Ich lasse sie in Ruhe, wenn sie auf expotentielles Wachstum verzichten. Sie hatten schweigend akzepiert. Angst ist manchmal ein guter Ratgeber.

Wir haben heute die Laufzeit des Vertrages bis zum Frühjahr verlängert.


Die gebrechliche Katze

Die gebrechliche Katze,

schleicht

– jenseits jeglicher Vernunft –

sich fort aus der Wärme des Hauses,

frierend.

Zusammengerollt im Schnee

träumt sie von anderen Zeiten.

Man findet etwas Besseres als den Tod eben nicht überall.


Die Trauer ist der Bruder der Freude

…das neue Jahr beginnt mit Tränen. Flocke ist krank, sehr krank. Bobo Viel ist krank. Ich habe Angst, beide zu verlieren.

Am Ende wird alles gut, wenn es noch nicht gut ist, ist es nicht das Ende. (Oscar Wilde)

Stimmt vielleicht, aber muss der Anfang denn so sein?


Hereingeschneit…

Beim Abendspaziergang trottete ich so vor mich hin und nichts zu suchen… Nur Erdnüsse… Für den Eichelhäher vom Balkon, der noch keine Federn auf dem Kopf hat. Ich traf C., und wir sprachen über die Mister B. (welcher ein Hund ist) und über Autos, die man braucht oder nicht braucht und über dies und das. Dies war Bildung und das war die Misere, dass manche Menschen glauben, man könne ihnen die Bildung nach Hause tragen, per Lieferservice.

Gerade als ich über die Straße wollte, stürzte ein Mädchen auf mich zu. Sie streckte mir ihre Hand entgegen: Ich bin Jenny und wer bist du? Hast Du Geld, wir brauchen Futter für unsere Ratte.

Ich bin Maja, antwortete ich brav. Ratte, wo ist die Ratte?

Ich durfte die Ratte besichtigen. Sie lag eingekuschelt bei ihrer Besitzerin in einem Schal. Ungefähr 7 Wochen alt, ein Husky-Mädchen. Klein und viel zu dünn eigentlich. Und hungrig. Drei Menschen, die Hilfe brauchen – das sah ich sofort – und eine kleine Ratte.  Sie heißt Flocke.

Wir unterhielten uns eine Weile, dann zog ich los, um Rattenfutter zu kaufen.

Ich habe ihnen das Rattenfutter gebracht, aber sie haben mir ihre Ratte überlassen. Damit sie es gut hat und nicht obdachlos ist. Liebe ist, wenn man will, dass der andere es gut hat.

Und jetzt wohnt Flocke bei mir.


Schade – zweimal

Schade – wie heißt das Substantiv dazu, fragt mich Z.

Ich antworte unüberlegt: Schaden. Korrigiere mich: Ganz so ist das nicht!

Als ich E. mitteile, dass ich zu müde bin und dringend ins Bett muss, sagt sie: Schade, dass Du keine Katze dabei hast, die schnurren so schön.

Miez

Miezekatze – schnurr


Zwischenruf: Von den Ratten lernen

Von den Ratten lernen, heißt Überleben lernen. Die Menschheit steht am Abgrund. Menschen bringen sich gegenseitig um, statt einander beim Überleben zu helfen.

Es kommt vor, dass Ratten sich mal streiten, aber in der Regel helfen sie einander, sie unterstützen sich gegenseitig – auch bei Krankheit und im Alter. Ich habe das oft beocbachten können. Sie sind lustig, zärtlich und klug (jedenfalls die meisten).

Meine jüngste Ratte hat gelernt, die Käfigtür zu öffnen. Als sie zum ersten Mal fehlte und die Käfigtür offen stand, dachte ich, ich hätte vergessen, die Tür zu schließen. Selbst schuld, dachte ich und machte mich auf die Suche… Stunden später fand ich sie: Sie stand aufrecht auf dem Bett und grinste mich an. Jedenfalls kam mir das so vor. Hocherfreut über meinen ihr angereichten Arm, kletterte sie sofort auf die Schulter.  Als wenig später die Käfigtür wieder offen stand, staunte ich. Inzwischen muss ich zusätzliche Schlösser an die Käfigtüren machen, sie hat das Käfigtüröffnen inzwischen perfektioniert – und noch schlimmer – die anderen Rudelmitglieder haben sich das offensichtlich „abgeguckt“ und ebenfalls begriffen, gelernt, wie es funktioniert. Ratten lernen voneinander. Das könnten wir von ihnen lernen.

Ratten sind so erfolgreich, weil hochentwickelte Intelligenz bei ihnen in Verbindung steht mit ausgerägten sozialen Verhalten, das sogar altruistisch sein kann.

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Gespräch mit einem schwarzen Vogel

Mitten in der Nacht klopft es ans Fenster.

Vor dem Fenster sitzt ein großer, schwarzer Vogel.

Ich öffne das Fenster und denke, dass er auffliegen wird, aber er bleibt sitzen.

Vorsichtig berühre ich das Tier – etwas besorgt, der Vogel könnte krank sein.

Lass das, Du störst, ich denke nach, sagt der Vogel.

Also zuerst einmal hast Du gestört, beschwere ich mich, ignorierend, dass Vögel normaler Weise nicht besonders gut sprechen. Okay, dies scheint ein Rabe zu sein, die verfügen über erstaunliche Fähigkeiten, aber dass sie nächtens an Fenster klopfen und dann behaupten, sie dächten nach, ist wohl die Ausnahme.

Eine Weile ist Ruhe. Ich stehe am offenen Fenster und gucke auf einen nachdenkenden Vogel. Mir ist kalt. Am liebsten würde ich den Raben (bestimmt ist es ein Rabe) hereinbitten und zum Tee einladen. Aber so verrückt bin ich nun doch nicht.

Du kannst mich gern hereinbitten, es ist kalt, aber Tee trinke ich nicht. Ich bevorzuge Wasser. Sagt der Vogel. Gedankenlesen kann er also auch noch.

Ich sage nichts, trete aber ein Stück vom Fenster weg und der Vogel flattert herein und lässt sich auf dem blauen Sofa nieder.

Ich serviere dem Raben ein Glas San Pellegrino – wann hat man schon mal solchen Besuch – und gucke ihn abwartend da.

Er trinkt ein wenig und guckt mich dann an. Schöne große, glänzende Augen. Schweigt.

Nun sag schon, fordere ich, worüber denkst Du nach?

Ich wäre gern einmal ein bunter Vogel, sagt der Rabe, ich möchte einfach wissen, ob das Leben dann besser wäre. Aber ich weiß nicht, wie man ein bunter Vogel wird.

Sich mit fremden Federn schmücken, das wäre vielleicht eine Möglichkeit, aber keine gute, sage ich. Bleib einfach so wie Du bist: Schwarz und schön und klug.

Danke, dass Du das sagst, sagt der Rabe, ich habe das gebraucht. Wir spiegeln uns ja in den Augen der Fremden.

Und dann fliegt er auf, durch das immer noch geöffnete Fenster und schnell sind die Nacht und der Rabe nicht mehr voneinander zu unterscheiden.

Mir ist warm obwohl es kalt ist. Und ich verstehe jetzt das Sprichwort: Hör den Raben zu, und Du hörst die ganze Welt.