Big Brother, die Teletubbies und der BFC Dynamo

Jürgen ist wieder da! Nein, nicht der Jürgen Bogs, der Meistertrainer des BFC Dynamo, der sitzt regelmäßig zuschauend auf der Tribüne um Spiele des Vereins zu verfolgen, aber er ist nicht zum Verein zurückgekehrt als Trainer. Das war vor 7 Jahren so – da war er wieder Trainer des als Meisterklub bezeichneten und gerade (damals wie heute) um den Klassenerhalt kämpfenden Viertligavereins. Der andere Jürgen, der, der jetzt zurück gekehrt ist, zog damals gerade ins Haus ein. In das BIG BROTHER Haus. Die Meinung der Intellektuellen in den deutschen Landen stand fest, bevor die Sendung begonnen hatte. BIG BROTHER galt als schlimm, beinahe schlimmer als STASI. Die flauschigen Außerirdischen Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa und Po waren da schon da und eingezogen in die deutschen Wohnzimmer – zu Beginn des Jahres 2000 hatten sie bereits seit einem Jahr im deutschen Fernsehen einen festen Platz und wurden ebenfalls von unwissenden intellektuell tuenden Dummschwätzern verlacht. Natürlich hatten die (Be-)Richter nichts begriffen und wenig oder gar nichts gesehen… Von dem „kognitiven Entwicklungsstand“ der Zielgruppe der Sendung für Kleinkinder hatte die Intellektuellengruppe sich zwar altersbedingt entfernt – aber ihre Einschätzungen der Sendung lassen vermuten, dass sie seither doch nicht so viel dazugelernt hatten, wie man von sogenannten Studierten erwarten könnte. Selbst die Mindestanforderung der persönlichen ANSCHAUUNG erfüllten viele der Kritiker nicht. „Das muss ich mir nicht ansehen“, „Das tue ich mir nicht an…“ – hörte ich immer wieder. Nun bitte, man muss sich nicht alles ansehen und schon gar nicht muss man sich etwas antun. Man darf unter gewissen Umständen sogar über Fernsehsendungen reden, die man weder fern noch nah gesehen hat. Alles erlaubt und gestattet. Nur wenigstens darüber nachdenken sollte man vorher, ob das Gesagte nicht vielleicht doch ein näheres Hinschauen erfordern würde.

Über die Teletubbies hieß es unter anderem, sie seien „Sendboten des Satans“ und auch wenn diese Behauptung von „besorgten“ amerikanischen Eltern stammt, in Deutschland wurden die Teletubbies von der kritikfreudigen Besserwissergesellschaft nicht sehr viel freundlicher aufgenommen. Aber:  „*Teletubbies* sind die erste Serie für Ein- bis Dreijährige – und bei der schnullernden Zielgruppe weltweit ein Erfolg. In über 30 Ländern sehen Kleinstkinder zu, wenn die „Tubbies“ brabbelnd durch ihre surreale Welt hüpfen, in der Telefonhörer aus dem Boden wachsen, Staubsauger sprechen können und als Nahrung „Tubbie“-Toast mit Pudding dient. “ (Quelle) Was die (unverdorbenen) schnullernenden Minis toll finden, muss noch lange nicht dem erziehungswissenschaftlichen „So-sehen-wir-das-jetzt-mal“ entsprechen. Fakt, Kleinkinder lernen durch Wiederholung, die bekommen sie bei den Tubbies – die wiederholen jeden Satz viermal – na und? Gut so… Politiker tun das auch. Nur sind die Teletubbies die größeren Realisten und sehr viel glaubwürdiger.

In der Kritik zur Fernsehsendung Big Brother ging es oft um die angegriffene Würde der „Bewohner“ genannten Mitmacher der Show. Wie viele Gedanken machen sich die Fernsehsendungskritiker um den Erhalt der Würde all der Menschen, die auf Grund einer „Mitwirkungspflicht“ fremden Menschen Wohnungstüren, Kühl- und sogar Kleiderschränke öffnen müssen. Die Bewohner von Big Brother sind freiwillig eingezogen. Slatko – ein Bewohner der ersten Staffel –  hat dem guten alten Shakespeare sogar zu einer ganz neuen öffentlichen Brisanz verholfen, so viel Bildungsfernsehen gibt es sonst nur bei Arte und Phönix. Nein, man muss BIG BROTHER nicht sehen, aber es ist eine Sendung, die auch nicht schlimmer ist als die meisten anderen Sendungen. Und man kann und darf sogar Spaß haben an BIG BROTHER… Die Sendung hat nämlich beinahe nichts zu tun mit den wirklichen BIG BROTHER – von Gesundheitsreform bis zur Mitwirkungspflicht.

Nein, man muss Kleinkinder nicht vor den Fernseher setzen und die Teletubbies sehen lassen. Man kann auch ohne diese Fernsehsendung ein kluger, freundlicher, neugieriger und guter Mensch werden. Aber Kleinkinder dürfen auch ihren Spaß haben mit den Teletubbies und Erwachsene mit ihnen englisch lernen – die Sendung kann durchaus zur Bildung beitragen und wann dürfen Kinder schon mal Spaß an Bildung haben – der vergeht ihnen in der Regel doch früh genug. Also lasse man ihnen das Vergnügen, wenn sie denn eines empfinden. Ich jedenfalls mag Dipsy sehr. Und Laa-Laa, ThinkyWinky und Po auch. (Winke-WINKE – DIPSY!!!)

Als (Be-)Richter und (Be-)Werter tut man in jedem Fall gut daran, genau hinzusehen -und zwar unbedingt vor dem URTEIL (damit es kein VORURTEL wird), das jedenfalls habe ich mir angewöhnt. Aber es kommt natürlich auch vor, dass jemand gar nicht möchte, dass so genau hingeguckt wird, wie ich gewöhnlich gucke… Manchmal kann ich dann auch aus der Ferne durchsehen :-). Sieben Jahre sind eine lange Zeit. Sogar Jürgen hat sich verändert – nun ist er nicht mehr Bewohner sondern Moderator.

Der BFC Dynamo kämpft wieder um den Klassenerhalt. Ich hoffe, die Rückrunde läuft wirklich anders. Innerlich und außerhalb. LOGO!


1 Kommentar

  1. 1. 1058

    Kommentar vom 7. Februar 2007 um 19:33

    Mache dir da mal keine Sorgen Maja. Die Rückrunde kann nur besser werden und sie wird besser, dit kannste glauben.

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