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Sich irgendwie durchschlagen – Rentenversicherungspflicht für Freiberufler – Selbständige

Liebe Miri,

immer mehr Menschen versuchen, sich irgendwie durchzuschlagen, möglichst abseits von Hartz 4.

Das versteht jeder, der auch nur annähernd begreift, was die Abhängigkeit von diesen Ämtern (Jobcenter, Sozialamt, Grundsicherungsamt) bedeutet.

Für die Unabhängigkeit von diesen Ämtern nehmen Menschen dann auch Honorare in Kauf, die nicht annähernd geeignet sind, auch nur zur einfachen Reproduktion der Arbeitskraft beizutragen…

Honorare, von denen man keine Versicherungsbeiträge bezahlen kann und die eine wirkliche gesellschaftliche Teilhabe unmöglich machen…

Es ist verständlich, dass Menschen für solche Honorare arbeiten.

Aber: Es ist unsolidarisch!

Denn es bringt diejenigen, die versicherungspflichtig sind (und es ist gut so, dass sie es sind!) langfristig um Aufträge und ihr Einkommen. Es vernichtet deren Existenz. Und lässt sie dort landen, wo der andere schon steht.

Sie lassen uns konkurrieren – um jedes Stückchen Brot!

Dein fiktiver Selbständiger /Freiberufler, der mit seiner Kunst weniger als 325 € verdient und dann noch kellnert und vielleicht Hunde ausführt und in der Arztpraxis sauber macht und Werbeprospekte austrägt und Kosmetikprodukte promotet und außerdem Tupperwaren an Mann oder Frau zu bringen versucht – der ist in Wirklichkeit weder Freiberufler noch Selbständiger. Der ist ein ungesicherter abhängig Beschäftigter.

Du schreibst, wer als Single mit einem Einkommen von 1000 € zum Jobcenter geht, wird abgewiesen. Stimmt. Aber dein fiktiver Mustermann hat doch gar kein Einkommen von 1000 €, das sind doch nur seine Einnahmen! Von diesen Einnahmen gehen doch alle Ausgaben ab – und schon darf dein Mustermann doch zum Amt pilgern.

Die Argumentation, eine Rentenversicherungspflicht würde Existenzgründungen verhindern, ist scheinheilig – denn erstens würde es (sogar nach den Plänen der Ministerin) für die ersten Jahre Ausnahmeregelungen geben und vor allem ist es eben keine EXISTENZ, wenn das Einkommen nicht dafür reicht, für Alter und Krankheit vorzusorgen.

Das ist ja einer der Tricks der Kapitalisten dieser angeblich sozialen Gesellschaft, alle Risiken auf den Arbeitnehmer abzuwälzen: Man macht ihn zum (Schein-)Selbständigen und faselt von Freiheit, wo es nur darum geht, die Arbeitgeberanteile zu sparen, und jegliches Arbeitnehmerrecht – von A wie Arbeitsschutz bis Z wie Zusatzurlaub auszuklammern.

Ein Zitat aus der Petition über die wir hier reden: „Grundsätzlich stellt ein staatlicher Zwang zum Abschließen einer Versicherung einen erheblichen Eingriff in die persönliche Lebensgestaltung und wirtschaftliche Freiheit der Bürger dar. Wer sich selbstständig macht, entscheidet sich häufig bewusst dafür, in besonderem Maße Eigenverantwortung zu übernehmen und eben nicht staatlich bevormundet zu werden. Neben einer Rentenversicherung gibt es zahlreiche weitere Möglichkeiten der Alterssicherung, sei es das Eigenheim, Wertpapiere, Ersparnisse oder auch das eigene Unternehmen. Diese können im Übrigen durchaus eine effizientere Vorsorge darstellen als die staatliche Rentenversicherung.“

Liebe Miri, das zeigt doch eindeutig, um wen es den Petitionseinreichern eigentlich geht.

Diejenigen, von denen du redest, sind doch nicht gegen die Pläne, weil sie sich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen, sondern weil sie vermuten, sie könnten sich die eigene Absicherung nicht leisten. Die haben weder Wertpapiere noch Ersparnisse – und ihre Unternehmen sind in der Regel nichts wert, weil ohne sie selbst als einziges Betriebskapital das Unternehmen einfach nur ein schwarzes Loch ohne Zukunft wäre.

Die Eigenverantwortung ist im Übrigen auch für die Freiheitsverfechter, die „ in besonderem Maße Eigenverantwortung übernehmen und nicht staatlich bevormundet“ werden wollen, spätestens dann vorbei, wenn es zur Vorsorge nicht gelangt hat (oder die Aktien gefallen sind) und Mann oder Frau z.B. erwerbsunfähig oder alt und arbeitsunfähig wird. Dann greift – und das ist auch in Ordnung so – das soziale Netz, das wenigstens das Überleben sichert .

„Und da Frau von der Leyen Journalisten gegenüber geäußert hat, dass man in ihrem Ministerium nicht genau wisse, wie es um die Altersvorsorge Selbstständiger tatsächlich bestellt ist, und deshalb eine Machbarkeitsstudie bei McKinsey in Auftrag gegeben sei, halte ich es für legitim, wenn Selbstständige McKinsey etwas „helfen“ und Frau von der Leyen sagen, wie es um ihre finanzielle Situation bestellt ist.“ (Zitat aus deinem/Miris Kommentar)

Liebe Miri, dagegen ist überhaupt nichts zu sagen – aber wie helfen die Selbständigen denn dem Institut (McKinsey) bei der Feststellung der sozialen Lage von Selbständigen? Durch Unterzeichnen einer Petition, die beklagt, dass die „junge Generation noch stärker belastet würde, die ohnehin schon in besonderem Maße die Folgen der demographischen Entwicklung und der Staatsverschuldung zu tragen hat und zu tragen haben wird.“ ?

Nehmen wir einmal an, die ganzen Freiberufler und Selbständigen, die in so prekären Verhältnissen arbeiten und leben, müssten tatsächlich nach Inkrafttreten eines Gesetzes (das wir alle noch nicht kennen), ergänzendes Hartz 4 beantragen. Dann würde der Staat diesen Freiberuflern und Selbständigen ja die Beiträge zur Rentenversicherung finanzieren. Wäre doch prima. Ich gehe allerdings jede Wette ein, dass sie sich das so nicht denken :-).

Du vermutest, ein großer Teil der Betroffenen würde dann zusätzlich zum mageren Hartz4-Satz „schwarz“ hinzuverdienen. Ganz davon abgesehen, dass das so einfach nicht ist, würde es ja die miserablen Stundenlöhnehonorare im Gesamtdurchschnitt (Grundsicherungsbetrag plus Erlös aus Schwarzarbeit durch Arbeitsstunden) mindestens etwas aufbessern.

Ich habe in den Kommentaren zur Petition gelesen und es ist ziemlich gruselig, was da Menschen erzählen – eine hochqualifizierte Übersetzerin (deren Kinder erwachsen sind) und die sich für jetzt für 10 € BRUTTO verdingt, beklagt, dass sie davon die Rentenbeiträge nicht zahlen könnte. Stimmt! Aber das Problem liegt doch nicht bei der Verpflichtung zur Zahlung von solidarischen Vorsorgebeiträgen – sondern bei ihrem Stundenhonorar von 10 € brutto.

Es wird festgestellt, dass dem freiberuflichen Volkshochschullehrer ein Honorar von 18 € geboten wird (von dem er alle seine Ausgaben tragen soll), der angestellten Lehrerin aber ein Stundenlohn von über 50 € zusteht. Die Kritik richtet sich aber nicht gegen die 18 € – sondern gegen die eventuelle Pflicht, davon Rentenversicherungsbeiträge zahlen zu müssen und die damit verbundene Einschränkung der bürgerlichen Freiheit.

Der Petitionstext richtet sich eben nicht gegen einen ungerechten pauschalen Beitrag zu Rentenversicherung und fordert eine einkommensabhängige Regelung, sondern er lehnt die Pläne einer Rentenversicherungspflicht für Selbständige per se ab. Die Rentenversicherungspflicht für Selbständige würde aber ganz sicher eben auch ein Stück weg führen von den jetzt möglichen Dumpinghonoraren.

Immerhin stieß ich dann doch auf einen Beitrag, der in seiner Quintessenz die Unterschiede in der Anschauung sichtbar macht. (Wer ihn sich wirklich antun will: http://www.globosphaere.de/2012/05/18/liberale-eigentumsrechte-und-das-problem-der-rentenversicherung/#more-131)

Zitat:

Der Liberalismus sucht nicht nach einem Prinzip, auf dem ein gerechter gesellschaftlicher Endzustand basieren soll, sondern betrachtet das Zustandekommen eines gegebenen Zustandes: Wurden im Entstehensprozeß niemandes Rechte verletzt, ist der erreichte Zustand automatisch gerecht (Besitzgerechtigkeit (liberal) vs. Verteilungsgerechtigkeit (sozialistisch)).

 

Auch da bleibe ich Sozialistin – und als solche Verfechterin der Verteilungsgerechtigkeit. Wobei diese Liberalen den Diebstahl, die Aneignung von Mehrwert ja eben nicht als eine Rechtsverletzung begreifen, obwohl er ein Verbrechen ist. Für diese Leute sind die Milliarden der Milliardäre ehrlich verdient. Auch das unterscheidet uns, diese sogenannten Liberalen und uns Sozialisten.


Kommentare: 5 von Miri – bezieht sich auf 4 vom aufschreiber…

Lieber Aufschreiber, nein, wir sind nicht beim „400-Euro-Jobber, der mit seiner Kunst weniger als 325 Euro monatlich dazu verdient und deshalb bei der KSK nicht versichert ist“, sondern bei einem, der auf Honorarbasis kunstfremd arbeitet, das ist ein gewaltiger Unterschied.

Ja, ein Künstler kann auch mal vorübergehend unter dem Einkommenslimit bleiben, ohne aus der KSK herauszufallen, aber viele können absehen, dass sie das längerfristig sein werden und beantragen die Mitgliedschaft nicht. Manche sehen sich auch zu keiner Einkommensprognose imstande.

Ob die Kunst Beruf oder nur Hobby ist, lässt sich nicht ausschließlich über mit ihr erzieltes Einkommen festlegen, denn das hängt nicht ausschließlich von den künstlerischen Fähigkeiten des Künstlers ab, sondern ganz entscheidend auch von der Kaufkraft derer, die sich für seine Kunst interessieren.

Ich habe bei Zukunftsbau Künstler kennengelernt, die dort Kreativkurse geben, um sich über Wasser halten zu können, was aber nicht bedeutet, dass ihre Kunst wertlos oder eben nur Hobby ist.

Was, wenn kein Argument, ist denn der Hinweis auf unsolidarische Bezahlung? Es wird solidarisches Beitragsverhalten von unsolidarisch Entlohnten erwartet. (Ich meine nicht den „Zahnarzt“.) Das ist ein Widerspruch in sich.

Und da sind wir m.E. am entscheidenden Punkt: Wir diskutieren hier nämlich gar nicht wirklich über die notwendige von allen beitragsfinanzierte Altersabsicherung für alle, sondern über ein Arm-reich-Gefälle, das in Ursula von der Leyens Eckpunktepapier nicht berücksichtigt oder zumindest nicht transparent wird.

Jemand, der der Solidargemeinschaft JETZT nicht „auf der Tasche liegen“ will und sich irgendwie durchwurschtelt, wird aufgefordert, auch hinsichtlich Altersvorsorge solidarisch zu handeln. Das setzte aber Arbeitsentgelte voraus, die mehr als ein sorgenfreies JETZT ermöglichen.

Es nur logisch, dass es einen Aufschrei derer gibt, die sich zu mehr Sozialabgaben außerstande sehen. Ursula spricht schlicht von Selbstständigen und nicht von Selbstständigen mit einem monatlichen Einkommen ab…

Und die Diskussion, ob man von 1000,00 leben kann oder nicht und ob man ein WG-Zimmer für 250,00 warm kriegt oder nicht, führt am Kern der Sache vorbei. Das ist auch regional unterschiedlich. Eine Mutter von zwei Kindern, die ich bis vor kurzem gelegentlich betreut habe, mietet gerade ein Haus mit 6 Zimmern und Garten für 500,00 (kalt), allerdings ist das in Torgelow.


Keine Gnade!

Es sei eine Gnade, schrieb mir jemand, gedruckt zu werden.

Das ist falsch.

Gute Verleger sind dankbar, wenn sie Texte guter Autoren veröffentlichen dürfen. Von diesen Verlegern gibt es wohl immer weniger, aber einige leben noch.

Ob es unter den Zeitungsverlegern auch welche gibt, die sich nach guten Journalisten verzehren, das weiß ich nicht.

Wer in diesem Land gegen den Mainstream schreibt, wird es schwer haben – wie in anderen Ländern auch. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum mancher Text nicht veröffentlicht wird. Manchmal liegt es auch daran, dass sich Schreiber weigern, für zu wenig Geld zu schreiben. Obwohl sie gedruckt würden. Und so wird mancher gute Text nicht gedruckt, weil er gar nicht geschrieben wird.

In den letzten Jahren haben sich – und das jedenfalls ist meines Erachtens deutlich – Zeitungs- und Zeitschriftenmacher eindeutig gegen die Qualität entschieden – zu Gunsten von Billigproduktionen.

Es wird immer ein Unterschied sein, ob der Berichterstatter ein Augen- und Ohrenzeuge ist, oder nur Nachrichten aus zweiter Hand vermarktet. Dabeisein ist teuer. Recherche ist teuer.

Wenn ein Journalist für die Rezension eines Buches nur 16 Cent pro geschriebener Zeile bekommt, dann sollte das Buch möglichst kurz und die Rezension sehr lang sein. Schreibt er nämlich 300 Zeilen – das ist sehr viel – landet er bei 48 €. Nehmen wir an, das Buch ist zufällig auch 300 Seiten lang und unser geübter Journalist liest  genau eine Seite in der Minute, dann liest er schon fünf Stunden am Buch. Um die die 300 Zeilen zu schreiben, lassen wir ihn genau 3 Stunden brauchen. Dann hat unser guter Journalist genau 8 Stunden für 48 € gearbeitet. Macht 6 € pro Stunde. Brutto! Davon bezahlt er dann Kranken-, und Pflegeversicherung und kümmert sich auch um seine Altersvorsorge. Natürlich kann er von dem Rest nicht leben, aber vielleicht hate er eine Frau, die gut verdient.

So kommt es, dass Rezensionen geschrieben werden, von Rezensenten, die das Buch, das sie rezensieren gar nicht gelesen haben, oder allenfalls nur die ersten 3 Seiten. Unter den günstigsten Umständen gelingt es einem begabten Schreiber, die Rezension anderer Kollegen umzuschreiben und aus Zitaten und Verlagsankündigungen innerhalb von 3 Stunden den geforderten Artikel herzustellen. Dann kommt er auf gewaltigen Stundenlohn von immerhin 16 € . Nach Abzug aller Beiträge und Kosten könnte er so auf einen realen Stundenlohn von 8 € kommen. Allerdings bräuchte er täglich mindestens drei solcher Aufträge, um von seiner Arbeit bescheiden leben zu können, aber wenn er zwei Aufträge bekommt, muss er sich schon glücklich schätzen.

Es ist keine Gnade, wenn der Journalist gedruckt wird. Er wird gedruckt, weil man an seiner Arbeit verdienen kann. Er kann keine gute Arbeit leisten, weil er dazu gar keine Zeit hat. Die Zeche zahlen der Journalist und seine Leser. Wenn sich die Leser verweigern, bekommt der Journalist überhaupt keine Aufträge mehr, denn die Zeitung wird eingestellt oder mit einer anderen zusammen gelegt.

Der Journalist bekommt einen Herzinfarkt oder wird zum Alkoholiker. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Journalisten liegt fast 30 Jahre unter der eines evangelischen Pfarrers.

Wenn unser Journalist arbeitsunfähig oder tot ist, bekommt einer seiner Kollegen ein tolles Angebot. Er soll eine Rezension schreiben, 300 Zeilen für das Haßfurter Tagblatt – Zeile 0,10 €.

Es ist eine Gnade, sagt der Auftraggeber und lächelt süffisant, wenn man heutzutage gedruckt wird, was glauben Sie, wie viele gern für uns schreiben wollen…

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Meldung auf mediafon über das Honorar beim Haßfurter Tagblatt von heute: 0,10 Cent pro Zeile

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Herr X vom Bezirksamt Y bat mich um eine Lesung und fragte nach meiner Honorarforderung. Ich nannte ihm die untere Grenze des vom VS empfohlenen Honorars für Lesungen. 200 €.

Aber Sie lesen doch nur eine Stunde vor und dann ist Diskussion.

Als ich ihn fragte, ob er einen Text hätte, den er eine Stunde lang vorlesen könnte, schüttelte er den Kopf.

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Korrektorat (Zeichensetzung, Grammatik, Rechtschreibung) ab 32.- €/h

stillistisches Lektorat (Prüfung von Stil/Ausdruck) ab 42.-€/h

Standardlektorat (stilistische und inhaltliche Prüfung) ab 47 €/h

So lauten die Honorarempfehlungen für freiberufliche Lektoratsarbeit (Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren e.V.).

Von den 32 €/h bleiben – wie eine grob repräsentative Beispielrechnung des Vereins belegt, durchschnittlich unter 8 €/h übrig – geringere Honorare sind also abzulehnen!
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Georg Herwegh
Bundeslied für den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein

You are many, they are few.
(Eurer sind viele, ihrer sind wenige.)

Bet‘ und arbeit‘! ruft die Welt,
Bete kurz! denn Zeit ist Geld.
An die Türe pocht die Not –
Bete kurz! denn Zeit ist Brot.

Und du ackerst und du säst,
Und du nietest und du nähst,
Und du hämmerst und du spinnst –
Sag‘, o Volk, was du gewinnst!

Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht,
Schürfst im Erz- und Kohlenschacht,
Füllst des Überflusses Horn,
Füllst es hoch mit Wein und Korn.

Doch wo ist dein Mahl bereit?
Doch wo ist dein Feierkleid?
Doch wo ist dein warmer Herd?
Doch wo ist dein scharfes Schwert?

Alles ist dein Werk! o sprich,
Alles, aber nichts für dich!
Und von allem nur allein,
Die du schmiedst, die Kette, dein?

Kette, die den Leib umstrickt,
Die dem Geist die Flügel knickt,
Die am Fuß des Kindes schon
Klirrt – o Volk, das ist dein Lohn.

Was ihr hebt ans Sonnenlicht,
Schätze sind es für den Wicht;
Was ihr webt, es ist der Fluch
Für euch selbst – ins bunte Tuch.

Was ihr baut, kein schützend Dach
Hat’s für euch und kein Gemach;
Was ihr kleidet und beschuht,
Tritt auf euch voll Übermut.

Menschenbienen, die Natur,
Gab sie euch den Honig nur?
Seht die Drohnen um euch her!
Habt ihr keinen Stachel mehr?

Mann der Arbeit, aufgewacht!
Und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still,
Wenn dein starker Arm es will.

Deiner Dränger Schar erblaßt,
Wenn du, müde deiner Last,
In die Ecke lehnst den Pflug,
Wenn du rufst: Es ist genug!

Brecht das Doppeljoch entzwei!
Brecht die Not der Sklaverei!
Brecht die Sklaverei der Not!
Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!