Archiv für die Kategorie ‘Geschichte’

Ein Film ist in mein Herz gefallen… Gundermann

Es gibt sie noch, die guten, wahren Filme. Die Filme, die Gesichter zeigen und Menschen und Geschichten erzählen. Ohne Wenn und Aber: Angucken! Vorsicht, die Gundermann-Lieder machen süchtig.

Poetische Bilder, raue Texte und ein genauer Blick auf unsere Geschichte, Weiß- und Graubrot. Igel mit Milch füttern, das ist falsch und man kann sich nicht entschuldigen, das ist richtig.

Wir sahen den Film zu dritt, zwei Westler und ich – gemeinsam freuen wir uns jetzt auf die fetten Tage, hoffe ich.

Mal eine gut erzählte Stasi-Spitzel-Geschichte. Poet, Sänger, Liebender.

Das hat mir besonders gefallen: Ich habe aufs richtige Pferd gesetzt, aber es hat nicht gewonnen. 

 


Nachschlag… (zum Film „Familie Brasch“) – Thomas Brasch erhält den Bayerischen Filmpreis 1981

Eine kurze Sequenz aus der Preisverleihung gab es auch im Film „Familie Brasch“ zu sehen. Die generierte zwar Lacher – Brasch bedankte sich bei der Filmhochschule der DDR für seine Ausbildung – war  aber definitiv zu kurz, um Brasch zu verstehen. Auch die Zeitzeugenkommentare halfen da nicht weiter. Weiter helfen kann nur Thomas Brasch selbst.


Es gibt nur eine Erde…


Ein schönes Denkmal

Drei Radfahrer. Sie halten an und bewundern das Denkmal – ein riesiger polnischer Adler, der auf einem Sockel hoch oben auf dem Berg wohnt. Einer sagt: Schön ist es ja. Wenn nur nicht der Zweck wäre.

Welcher Zweck, frage ich.

Na, immer 2. Weltkriieg, sollte endlich vergessen werden, ist doch schon so lange her. Die beiden Freunde pflichten ihm bei.

Js, eigentlich geht es hier aber um die Schlacht von 972 (ich habe das gerade gelesen).

Ach so, na dann ist es wirklich ein schönes Denkmal.


8. Mai – Tag der Befreiung

8. Mai – Tag der Befreiung.

Die Linke in Berlin hat vorgeschlagen, in Berlin den 8. Mail zum Feiertag zu machen.

Gute Idee.

Wo Geschichte wohnt und Geschichten lebendig werden können

Unser heutiger Spaziergang fand im Regen statt und er dauerte mehr als 3 Stunden. Warum um „Gottes Willen“ geht man 3 Stunden im Regen spazieren? Wenn es spannend ist, ist der Regen Nebensache. Menschen sind auch immer Kinder, lebenslänglich – die einen mehr, die anderen weniger.

Wir hatten einen großen Erzähler bei uns, der voranschritt und erzählte, berichte und sogar sang und uns den Regen vergessen ließ – meistens jedenfalls.

Wir begegneten Toten, solchen, deren Wirken lebendig ist, anderen deren Leben unser Erzähler lebendig werden ließ und solchen, an deren Leben nur Grabsteine erinnerte. Wir begegneten der Deutschen Geschichte und der Berliner Geschichte.

 

Gedenke


„Gedenke Ewiger was uns geschehen. Gewidmet dem Gedächtnis unserer ermordeten Brüder und Schwestern 1933 – 1945 und den Lebenden die das Vermächtnis der Toten erfüllen sollen.“
– Die Jüdische Gemeinde zu Berlin

 

Nein, ich erzähle jetzt nicht, welche Gräber wir besucht und was wir erfahren haben. Der Ort des Spazierganges steht ja offen. Und auch, wenn natürlich nicht jeder Besucher auf einen so kundigen Begleiter wie wir zählen kann, vieles ist aufgeschrieben und somit erreichbar.

Aber etwas Schönes will ich noch weitergeben, jetzt gleich und nach nah und fern – auf der Grabsäule für Louis und Helene Lewandowski steht: Liebe macht das Lied unsterblich.

 

Ich empfehle einen Besuch des

Jüdischen Friedhofs Berlin-Weißensee

 


Virtueller Stolperstein für Jochen Klepper

Gestern beim Abendspaziergang mit R. habe ich die Stolpersteine für Jochen Klepper und seine Familie übersehen. Zusätzlich erinnert ein Schild an ihn, das habe ich fotografiert, und so habe ich gestern nachgesehen, wer er war und warum er gemeinsam mit seiner Familie starb.

Jochen Klepper

Jochen Klepper

STOLPERSTEIN FÜR JOCHEN KLEPPER

Dunkel erinnere ich mich an den Filmtitel „Der Kahn der fröhlichen Leute“, aber an den Film überhaupt nicht. Der DEFA-Film ist laut Wikipedia eine „eigenartige“ Verfilmung eines Buches von Jochen Klepper – ich bin gespannt und werde Buch und Film suchen, geht es doch um das Leben an der Oder.

Nachtrag – Ich konnte das Buch für den Kindle soeben für 0,00 € kaufen und kann es lesen.


Der Mann mit dem Objektiv – in der Havelstadt Zehdenick

„Der Mann mit dem Objektiv“ hatte im Jahr 1961 (genauer: im Oktober 1961) seine Premiere. 2017 im Juni gab es ein Wiedersehen in der Klosterscheune in Zehdenick. Nicht nur wir hatten unseren Spaß am Film, auch etwa 20 andere Zuschauer. Es wurde viel gelacht, und es war ein sehr fröhliches Lachen. Das war schön! Und ich hatte das so nicht erwartet. 

Der Mann mit dem Objektiv – DEFA 1961 – Regie: Frank Vogel – Drehbuch: Paul Wiens – Musik: Gerd Natschinski –  Kamera: Horst Hardt – Schnitt: Christa Wernicke – Dramaturg: Willi Brückner

    Christine Laszar: Maja Mayer /    Helga Labudda: Anita /     Micaëla Kreißler: Böckchen /    Otto Stark: Eugen /    Sabine Thalbach: Betriebsfunkkollegin /    Erich Franz: Bekleidungswerkdirektor /    Erik S. Klein: Benno /    Monika Hildebrandt: Heidi /     Maika Joseph: Hertha     Gertraud Kreißig: Hanna /     Eduard Kubat: Physikprofessor /    Axel Müller: Kind Otto /   Uta Maria Schütze: Hilde /    Marianne Wünscher: Verkäuferin /    Heinz Schubert: Leiter der HO   / Werner Dissel: Neurologe

Einzelheiten zur Veranstaltung in Zehdenick kann der geneigte Leser dem hier per Foto gezeigten Plakat entnehmen. Auch, dass der Film im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Kommunistischen Diktatur gezeigt wurde. Übrigens: Die kommunistische Diktatur kam im Film nicht vor, auch wenn Raketenpilot Os (Rolf Ludwig) aus dem Jahre 2222 kommt und natürlich im Kommunismus lebt. Zur Zeit nicht wahrscheinlich, aber immerhin möglich, dass es im Jahre 2222 eine Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der kapitalistischen Diktatur (des Geldes) gibt und die traumatisierten Opfer der deutschen Waffenexporte (oder auch der Hartz4-Gesetzgebung) im Zentrum der Aufarbeitung stehen. Vielleicht hat man bis dahin sogar das Aufarbeiten gelernt und packt nicht mehr die Lebensgeschichte eines Menschen in zwei Sätze, oder gar ein Wort, wie man das heute tut: Stasi. Möglicher Weise haben wir dann tatsächlich alle ein GGO – Gefühls- und Gedanken-Objektiv.

Wir waren extra zeitig losgefahren und konnten den Filmbesuch mit einem Stadtspaziergang verbinden. Ich habe ein wenig „geknipst“ (keine Zeit für Fotos) – auch, um mir ein Bild zu machen, von dem Ort, der Heimat des Films „Deutschboden“ ist. Der Film wurde uns – aus uns nahestehenden und gewöhnlich gut informierten Kreisen – sehr empfohlen, aber wir haben ihn noch nicht gesehen. Vielleicht ist das auch ein Vorteil. Zehdenick ist in jedem Fall eine Reise wert, dass blühende Landschaften nicht unbedingt nur von glücklichen Menschen bewohnt werden, ist eine Binsenweisheit.

Gastronomisch ist man in Zehdenick gut versorgt, da gibt es nichts zu meckern, in der Berliner Straße in Zehdenick findet man nicht nur das „Neue Vaterland“ (wie passend!), sondern auch einen italienischen Imbiss, einen Eisladen und direkt nebeneinander das Hotel Klement, den Istanbul Döner und das Café Lucky. Über die Qualität der Gastronomie kann ich mich nicht äußern, aber angesichts der leeren Tische draußen und der wenigen Menschen auf den Straßen, lässt sich vermuten, dass die Gastwirte es schwer haben.

Unsere tierische Ausbeute war auch nicht schlecht: Zahlreiche Libellen, eine Wacholderdrossel, eine Nachtigall, viele Amseln, Schafe mit Lämmern, zwei Füchse und ein Reh, alle blieben unverletzt und wir auch.

 

Eintrittskarte

Eintrittskarte

Plakat

Plakat

 

Scheune

Scheune

 


Gastbeitrag von Manfred: Überfall

Überfall

Bin überfallen worden. Ich dachte, ich träume. Ist aber leider nicht so.
Heimtückisch und hinterhältig haben mich doch, so dir nichts, mir nichts, unverhofft und urplötzlich heute früh die Ganoven Rhinitis Schnupfus und Grippalus Infektus überfallen. Damit nicht genug, haben sie auch noch ihren Kumpel Diarrhoe im Schlepptau.

Die klauen mir jetzt die Konzentration, versuchen meinen biologischen Computer lahm zu legen, strapazieren die Sekretorgane von Augen und Nase. Irgendwas Ähnliches wie Bleigießen versuchen die auch. Auserwählt haben sie dazu meine Knochen. Und Genosse Diarrhoe übt sich darin, mich auf Trapp zu halten. Erstmals bin ich froh, rundlich zu sein. Bauch einziehen und schon ist die Hose runter.

Habe mal gelesen, mutig ist, wer Durchfall hat und trotzdem pupst. Ich bin aber eher ein Feigling, denn dazu stehe ich lieber, als in der Sch….

Und keiner da, der mal meine Mutti anrufen kann. Auch von wegen „da nehme ich einfach eine Aspirin und dann geht es mir gleich wieder gut“ – ist nix als Geschwätz.

Mit Müh und Not sowie einer Imodium konnte ich mich vormittags kurzzeitig davonschleichen. Aber von wegen so’n lockerer Gang wie in der Werbung. A… zusammenkneifen und nicht dran denken. Brauchte jedoch ein paar Kleinigkeiten aus dem Supermarkt. Vor allem Tabak und sonstige Unheilmittel. Zum Glück ist bei dem malträtierenden Gesindel nicht auch noch Bronchitis Hustus dabei. Jetzt nur nicht unken. Erfreulicher Weise wurde meine kurze Abwesenheit kaum bemerkt. Nur der hinternhältige Diarrhoe erblickte mich gleich wieder. Naja, also Bauch einziehen und erneut `was durchmachen.

Nun lungere ich hier rum und verstecke mich mit Schal und Tropffänger für die Nase auf meinem Sofa. Gelegentlich schlürfe ich Kaffee mit Honig, weil, früher war ich zu oft im Tee und mag das seit Jahrzehnten nicht mehr sein. So warte ich nun auf das Ende meiner Papiertaschentücher (den Ofen wird’s freuen) und den Abzug des unliebsamen Besuchs.

 


Reis – ein Film über Recep Tayyip Erdogan, einen geretteten Nicht-Pudel und das Gestern im Heute

Entgegen meiner sonstigen Gewohnheit entschloss ich mich schnell und dann auch noch innerhalb der Arbeitswoche für einen Kinobesuch. Es hat sich gelohnt. Obwohl wir nach dem Kinobesuch pudelnass wurden.

Das Kino Alhambra im ehemals Roten Wedding hatte nicht wegen Überfüllung geschlossen. Nach meiner kurzen Recherche ist es offenbar das einzige Berliner Kino, das den Film zeigt. Beim Kartenkauf schien es noch schwierig zu sein, zwei zusammenhängende freie Plätze zu finden, aber als wir in den Saal kamen, waren nicht mehr als zwanzig Plätze besetzt. Vielleicht hatte den Rest der als belegt geltenden Plätze die türkische Botschaft aufgekauft.

Ich habe gelernt, dass sich Erdogan einreiht, ein strahlender Held, ein Kopf, ein Chef, ein Anführer, Füh…  Ich dachte, solche Filme würde man heutzutage allerhöchstens noch in Nord-Korea drehen. Ich habe mich geirrt.

Reis, das heißt Anführer, so ist es jedenfalls in der deutsche Untertitelung übersetzt – vermutlich, um den großen Helden nicht gleichzusetzen mit dem faschistischen Führer Nazideutschlands.

Im Film spielen Frauen fast keine Rolle, so wie sich das wohl Erdogan und seine Freunde wohl auch für die Zukunft der Türkei vorstellen. Allerdings hat sogar eine Frau – Leyla – ohne Kopftuch eine beinahe wichtige Rolle, sie himmelt immer aufs Neue den Besitzer einer Teestube an, der sich ihr entzieht, weil er sie nicht belasten will, er leidet an einer Herzkrankheit, von der sie nichts weiß. Der Teestubenbesitzer handelt auch sonst heroisch, er übernimmt die Schuld an einem Verbrechen, das er nicht begangen hat,  damit seine Freunde – die ebenfalls unschuldig sind – aus der Haft entlassen werden.

Außer Leyla sind Frauen in kurzer Rolle in ihrer Rolle als Mutter oder Frau zu sehen, und sie bleiben völlig gesichtslos. Sie haben nichts zu sagen in mehrfacher Bedeutung, kein Wort, an das ich mich erinnern könnte.

Ein einziges Mal haben wir laut gelacht. M. sogar so laut, dass ich sie sicherheitshalber „ermahnte“…

Erdogan hat einem kleinen Jungen (Jacub) seine Visitenkarte gegeben, für den Fall, dass dieser einmal Hilfe braucht.

Der Zuschauer sieht, wie Jacub am Rand eines Brunnens steht und verzweifelt einen Namen hineinruft. Aber es kommt keine Antwort. Da fällt Jacub die Visitenkarte ein und er holt sie aus der Tasche. Schnitt.

Erdogan kommt spät nach Hause zu Frau und Tochter…. Da klingelt das Telefon. Jacub, der Hilfe braucht. Natürlich bricht Erdogan (mitten in der Nacht?) noch einmal auf, um dem Jungen in seiner Not zu Hilfe zu eilen. Schnitt.

Aus dem Brunnen gezogen wird schließlich ein triefender Hund.  M. behauptete es sei ein Pudel, ich widersprach. Aber es war wirklich sehr komisch.

Die Guten sind die Gläubigen, die Bösen sind ungläubig oder nicht gläubig genug. Die Rosenkränze in den Händen signalisieren das Gute. Die Kamera konzentriert sich oft auf sie.

Die gezeigte Welt war mir fremd, aber nicht fremd wie andere fremde Welten, denen man näher rückt, wenn man sie filmisch erlebt. Ich kann den Film uneingeschränkt empfehlen. Es ist beängstigend zu sehen, wie heutige Filmemacher das Gestern zeigen. Das lässt ahnen, in welch eine Zukunft Recep Tayyip Erdogan die Türkei führen will. Und die Gefahr, dass das Volk dem Reis – dem Anführer – folgt, ist groß.

#FreeDeniz