Archiv für die Kategorie ‘Geschichte’

Hunde sind wichtig

In einen anständigen Text gehört ein Hund. Schreib immer einen Hund rein, sagte Gerhard zu mir, der mein Hörspiel-Vater war. Entweder einen Hund oder eine Leiche.

Leichen sind nicht so mein Fall, ich schreibe keine Krimis. Also wähle ich Hunde. Die kommen überall vor, sind mir sympathisch und in der Regel auch Sympathieträger. Man wählt einen passenden – es gibt für jeden Text den passenden Hund.

Sie aportieren die Botschaften zum Leser.

Manchmal sind Hunde unverzichtbar! Mit ihnen umschifft man die Klippe der Langeweile. Du schreibst über ein ganz langweiliges Thema… Äh, warum denn? Weil es gerade gebraucht wird und ein Redakteur Dich händeringend gebeten hat. Sag lieber sicherheitshalber NEIN! Es sei denn, Dir fällt ein, wie Du den Hund unterbringen kannst. Es gibt keine langweiligen Themen? Schon mal auf einer Pressekonferenz über neue 18 Volt-Akku-Schrauber gewesen? Ich habe mich da sehr gelangweilt. Die einzige Abwechslung war ein kleiner, weißer Spitz, den eine Kollegin mitgebracht hatte und der ihr entwischte und dann dem Herrn, der die Akkuschrauber vorstellte, um die Beine strich und laut kläffte. Ich hatte natürlich sofort die Assoziation zu Tschechow: Die Dame mit dem Hündchen. Vermutlich habe ich zu viel Fanatsie – aber der Mann mit dem Akkuschrauber lächelte meine Kollegin so liebevoll an. Vermutlich sind beide verheiratet.

Ich habe sie später gemeinsam im Café Park gesehen, der weiße Spitz lag zu ihren Füßen…

Ich sag es ja, Hunde sind wichtig.


Mauerpark – Nichts bleibt wie es ist…

Mauerpark. So viele Erinnerungen.

1990. Die Aussicht auf unentdecktes Land.

Orkan 2002  – es fegte uns fast weg. Damals mit G.. – das Gefühl, der Mensch könnte vielleicht doch fliegen. So und überhaupt. Aufbruch in eine neue alte Zeit. Focusiert.

Sonnenwende – Hexentanzplatz. Wir kamen gar nicht bis zum Mauerpark. Standen eingekesselt von der Polizei in der Oderberger. Unvergessbar.

Jahre später mit S. und ihren Freunden. Drachen steigen lassen.  Es ist nie zu spät für eine schöne Kindheit. Vielleicht war nicht ausreichend, was ich versuchte. Mangelhaft, mit Mängeln be… – besser: verhaftet. Vermutlich war es doch zu spät.

Mit Z.(aus Syrien) am Feuer vor 2 Jahren, sie war sehr traurig, als wir durch die Oderberger gingen. „Außer Dir habe ich keine einzige Freundin hier“. Ich tröstete mit Worten, dem Hnweis auf eine andere Zukunft – ich war da sicher – und einem Eis.

Als ich sie gestern (vor dem Eisladen) daran erinnerte, dass wir hier schon einmal gewesen seien, sagte sie: „Weißt Du, man vergisst die Straßen, in denen man traurig war.“

Schade, dass sie sich irrt. Wir liefen gestern wieder durch die Oderberger – übrigens mit einer ihrer vielen Freundinnen.

…sprüht auch, sage ich dem Sprayer, sagt er: „Kenne ich. Gibt ja wenig Frauen die sprühen.“ Er nennt mir den passenden Instagramm Account. Ja, er kennt sie. Berlin ist ein Dorf! Besonders am Mauerpark.

Mit den Gästen aus dem Umkreis von Bremerhaven blicken wir auf den bebauungsfreien Streifen – Mauervergangenheit. Schließlich landen wir in der gegenwärtigen Vergangenheit. DDR-Zeug liegt im Trend. Im Schaufenster der VEB-Ladens in der Oderberger entdecke ich zwei Sitzeier in Orange – meine waren rot. Die Welt verändert sich.

Auf dem Hirschhof in der Oderberger ist es immer noch schön. Er ist offen und zugänglich. Wie oft waren wir früher hier! Zum Theater kein Durchgang und auch keiner zur Kastanienalle, schade. Aber Klettersteine und Schaukeln gibt es – und ein Gemeinschaftshaus.

Wir folgen den Spuren des Hirsches und landen beim Inder, hungrig und fröhlich – man muss sich nicht lange kennen, um sich miteinander wohl zu fühlen. Kommt bald mal wieder – ihr da aus Niedersachsen. Wir passen zusammen :-).

Wir sitzen zu lange für die Schulkinder. Als wir zum Auto laufen, glüht die Sonne rot über’m Mauerpark. Wie ein Versprechen.

Klettern

Klettern


Zeitspenden und der Turm der blauen Pferde

Der Gegenwert meiner gespendeten Zeit türmt sich auf dem Küchentisch, lächelt mir blühend entgegen, füllt den Kühlschrank und springt ins Auge.

Der Turm der blauen Pferde (Franz Marc), lerne ich, ist seit 1945 verschollen. Der letzte Besitzer sei Hermann Göring gewesen, der das Gemälde nach seiner Entfernung aus der Ausstellung „Entartete Kunst“ im Jahr 1937 in München für seine Kunstsammlung vereinnahmt hatte. E. schenkte mir eine kleine Reproduktion in blauem Rahmen. Jedes Mal, wenn ich die schönen blauen Pferde ansehe, werde ich auch daran denken, dass der Faschismus Kunst gestohlen und Bücher verbrannt hat.

Der Turm der blauen Pferde

Der Turm der blauen Pferde


Ein Film ist in mein Herz gefallen… Gundermann

Es gibt sie noch, die guten, wahren Filme. Die Filme, die Gesichter zeigen und Menschen und Geschichten erzählen. Ohne Wenn und Aber: Angucken! Vorsicht, die Gundermann-Lieder machen süchtig.

Poetische Bilder, raue Texte und ein genauer Blick auf unsere Geschichte, Weiß- und Graubrot. Igel mit Milch füttern, das ist falsch und man kann sich nicht entschuldigen, das ist richtig.

Wir sahen den Film zu dritt, zwei Westler und ich – gemeinsam freuen wir uns jetzt auf die fetten Tage, hoffe ich.

Mal eine gut erzählte Stasi-Spitzel-Geschichte. Poet, Sänger, Liebender.

Das hat mir besonders gefallen: Ich habe aufs richtige Pferd gesetzt, aber es hat nicht gewonnen. 

 


Nachschlag… (zum Film „Familie Brasch“) – Thomas Brasch erhält den Bayerischen Filmpreis 1981

Eine kurze Sequenz aus der Preisverleihung gab es auch im Film „Familie Brasch“ zu sehen. Die generierte zwar Lacher – Brasch bedankte sich bei der Filmhochschule der DDR für seine Ausbildung – war  aber definitiv zu kurz, um Brasch zu verstehen. Auch die Zeitzeugenkommentare halfen da nicht weiter. Weiter helfen kann nur Thomas Brasch selbst.


Es gibt nur eine Erde…


Ein schönes Denkmal

Drei Radfahrer. Sie halten an und bewundern das Denkmal – ein riesiger polnischer Adler, der auf einem Sockel hoch oben auf dem Berg wohnt. Einer sagt: Schön ist es ja. Wenn nur nicht der Zweck wäre.

Welcher Zweck, frage ich.

Na, immer 2. Weltkriieg, sollte endlich vergessen werden, ist doch schon so lange her. Die beiden Freunde pflichten ihm bei.

Js, eigentlich geht es hier aber um die Schlacht von 972 (ich habe das gerade gelesen).

Ach so, na dann ist es wirklich ein schönes Denkmal.


8. Mai – Tag der Befreiung

8. Mai – Tag der Befreiung.

Die Linke in Berlin hat vorgeschlagen, in Berlin den 8. Mail zum Feiertag zu machen.

Gute Idee.

Wo Geschichte wohnt und Geschichten lebendig werden können

Unser heutiger Spaziergang fand im Regen statt und er dauerte mehr als 3 Stunden. Warum um „Gottes Willen“ geht man 3 Stunden im Regen spazieren? Wenn es spannend ist, ist der Regen Nebensache. Menschen sind auch immer Kinder, lebenslänglich – die einen mehr, die anderen weniger.

Wir hatten einen großen Erzähler bei uns, der voranschritt und erzählte, berichte und sogar sang und uns den Regen vergessen ließ – meistens jedenfalls.

Wir begegneten Toten, solchen, deren Wirken lebendig ist, anderen deren Leben unser Erzähler lebendig werden ließ und solchen, an deren Leben nur Grabsteine erinnerte. Wir begegneten der Deutschen Geschichte und der Berliner Geschichte.

 

Gedenke


„Gedenke Ewiger was uns geschehen. Gewidmet dem Gedächtnis unserer ermordeten Brüder und Schwestern 1933 – 1945 und den Lebenden die das Vermächtnis der Toten erfüllen sollen.“
– Die Jüdische Gemeinde zu Berlin

 

Nein, ich erzähle jetzt nicht, welche Gräber wir besucht und was wir erfahren haben. Der Ort des Spazierganges steht ja offen. Und auch, wenn natürlich nicht jeder Besucher auf einen so kundigen Begleiter wie wir zählen kann, vieles ist aufgeschrieben und somit erreichbar.

Aber etwas Schönes will ich noch weitergeben, jetzt gleich und nach nah und fern – auf der Grabsäule für Louis und Helene Lewandowski steht: Liebe macht das Lied unsterblich.

 

Ich empfehle einen Besuch des

Jüdischen Friedhofs Berlin-Weißensee

 


Virtueller Stolperstein für Jochen Klepper

Gestern beim Abendspaziergang mit R. habe ich die Stolpersteine für Jochen Klepper und seine Familie übersehen. Zusätzlich erinnert ein Schild an ihn, das habe ich fotografiert, und so habe ich gestern nachgesehen, wer er war und warum er gemeinsam mit seiner Familie starb.

Jochen Klepper

Jochen Klepper

STOLPERSTEIN FÜR JOCHEN KLEPPER

Dunkel erinnere ich mich an den Filmtitel „Der Kahn der fröhlichen Leute“, aber an den Film überhaupt nicht. Der DEFA-Film ist laut Wikipedia eine „eigenartige“ Verfilmung eines Buches von Jochen Klepper – ich bin gespannt und werde Buch und Film suchen, geht es doch um das Leben an der Oder.

Nachtrag – Ich konnte das Buch für den Kindle soeben für 0,00 € kaufen und kann es lesen.