Archiv für die Kategorie ‘Geschichte’
22. Mai 2010 von Maja Wiens | kein Kommentar
Johannes R. Becher – zum Geburtstag des Dichters wieder einmal eines seiner Gedichte.
Johannes R. Becher
DIE GESCHICHTE GEHT WEITER
Was geschehen muß, geschieht.
Zu lange Pausen sind nicht erlaubt.
Wenn es die, die es eigentlich tun sollten,
Nicht tun,
Tun es eben andere – aber anders.
13. Mai 2010 von Maja Wiens | kein Kommentar
Ab Dienstag wird das Wetter wirklich besser! Da kann mir keiner was anderes erzählen, ich würde es doch nicht glauben. Schließlich soll man ja nicht immer nur negativ denken. Und ich denke jetzt einfach mal positiv. Ich sage so lange besseres Wetter voraus, bis es stimmt.
Eben habe ich einen Blick in den Entwurf des Parteiprogramms DER LINKEN geworfen. So schlimm hatte ich ihn mir wirklich nicht vorgestellt. Da ist wohl keine Besserung in Sicht!
“Der Kampf für eine andere, bessere Welt, für den demokratischen
Sozialismus, beginnt mit der Veränderung der
Gesellschaft, in der wir leben. DIE LINKE setzt sich für die
Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit ein. Einkommen
und Vermögen werden durch Arbeit erzeugt und sollen
daher entsprechend dem Beitrag zum gesellschaftlichen
Arbeitsprozess sowie nach Bedürftigkeit verteilt werden.
Reichtum darf sich nicht länger bei den Kapital- und
Großgrundbesitzern konzentrieren. Erwerbsarbeit, Arbeit
in der Familie, die Sorge um Kinder, Partner und Freunde,
die Teilhabe am kulturellen und politischen Leben und
schließlich individuelle Weiterbildung und Muße sind
wesentliche Lebensbereiche. DIE LINKE will für alle
Menschen die Möglichkeit schaffen, diese Lebensbereiche
in selbstbestimmter Balance zu verbinden.”
Das vergleiche man mal mit:
“Mit einem Wort, die Kommunisten unterstützen überall jede revolutionäre Bewegung gegen die bestehenden gesellschaftlichen und politischen Zustände.
In allen diesen Bewegungen heben sie die Eigentumsfrage, welche mehr oder minder entwickelte Form sie auch angenommen haben möge, als die Grundfrage der Bewegung hervor. Die Kommunisten arbeiten endlich überall an der Verbindung und Verständigung der demokratischen Parteien aller Länder.
Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.
Proletarier aller Länder, vereinigt euch!”
Die alte Schrift ist mir um so vieles näher als das Programm von heute. Ich vermisse bei der LINKEN den Willen zur revolutionären Umgestaltung dieser Gesellschaft – die muss radikal sein, weil die Wurzeln dieser Gesellschaft unmenschlich sind. Der einzige Grund trotz allem DIE LINKE zu wählen, ist für mich die Alternativlosigkeit. Sie ist die einzige Partei, die NEIN sagt zum Krieg.
24. April 2010 von Maja Wiens | kein Kommentar
Eine Schule feiert. Es gibt sie seit 100 Jahren, das ist natürlich ein Grund. Schüler, Lehrer, Förderverein und Eltern haben sich viel Mühe gegeben.
Es gab Vieles zu sehen, eine Modenschau, ein Theaterstück, Spiele wie vor hundert Jahren – die Klassenräume von damals, heute und morgen – wie die Kinder sie sich vorstellen. Die Eltern hatten jede Menge Kuchen gebacken, der Förderverein schenkte Erbsensuppe aus und eine Bratwurst kostete nur 50 Cent.
Die Schulräume waren geöffnet, die Klassenzimmer aufgeräumt und wir bewunderten Bastelarbeiten jeder Art. An den Wänden, in den Fluren gab es auch manche Information über das Schulleben damals. Einen Schulspeiseplan aus der Nachkriegszeit zum Beispiel. Zeugnisse und Bilder.
Vor allem aber tobten heute fröhliche Kinder durch das Haus und auf dem Hof.
Nur das Mädchen mit den dünnen Zöpfen fehlte. Die, die damals plötzlich nicht mehr zur Schule kam. 1934. Das kleine jüdische Mädchen mit den dünnen Zöpfen kam im Rückblick auf 100 Jahre Schulgeschichte nicht vor. Ich habe sie vermisst.
21. April 2010 von Maja Wiens | kein Kommentar
Boxagener Platz. Mitten in Berlin. 1968 -DDR. Der Film von Torsten Schulz (Autor) und Matti Geschonneck (Regie) hätte mich berühren können. Die Geschichte spielt in meinem Berlin, in einer für mich wichtigen Zeit – und kommt bei mir trotzdem nicht an.
Schade eigentlich. Man mag sie alle, die Figuren des Films. Sie sind sympathisch. Aber man liebt oder hasst sie nicht. Es fehlt immer die letzte Nähe oder die ganz große Wut. Das Kinopublikum blieb ruhig. Es wurde nicht laut gelacht.
Einem Ossi wie mir kommt in “Boxagener Platz” Vieles bekannt vor, die Tapeten und der Briefkasten zum Beispiel – aber das Schild, das den Öffentlichen Fernsprecher ankündigt (als ein Beispiel), scheint mir nicht zeitauthentisch. Doch da kann ich mich täuschen. Jedenfalls war für mich die Zeit damals anders. Viel aufregender!
Wer etwas über die DDR um 1968 erfahren will, ist mit Büchern besser bedient. “Nachdenken über Christa T.” von Christa Wolf erschien 1969 und Plenzdorfs “Die neuen Leiden des jungen W.” – auch “Buridans Esel” von Günter deBruyn.
Mein Zeitgefühl treffen auch die alten DEFA-Filme eher – “Paul und Paula” und “Der Dritte” als Beispiele.
C., der Wessi, ist übrigens im Kino “kurz weggenickt” – auch ein Indiz dafür, dass der Film nicht fesselt.
Meine Meinung also: Wer den Trailer gesehen hat, kann sich eigentlich den Weg ins Kino sparen.
Hier der Link zum Trailer des Films – KLICK.
PS.: Der BFC Dynamo kommt auch vor im Film. Mit Kreide an eine Wand geschrieben: BFC. In der gleichen Schrift steht da auch Union. Und beides ist durchgestrichen.
7. April 2010 von Maja Wiens | 1 Kommentar
Mein Freund Uwe Bunkenburg starb einige Jahre vor der sogenannten Wende an den Folgen eines Autounfalls. Er war erst Mitte 20 und Meisterschüler im Fachgebiet Gitarre an der Musikhochschule. Die näheren Umstände seines Todes werfen noch immer viele Fragen auf. Antworten habe ich auf diese Fragen nicht.
Als mein Sohn noch sehr klein war, war Uwe oft sein Babysitter.
Das Schlaflied, das ihm Uwe sang und auf dabei auf der Gitarre begleitete, war Wolfgang Borcherts: “Stell dich mitten in den Regen”. Wolfgang Borchert schrieb sein Gedicht 1940.
Als Uwe 1976 von Offizieren des Ministeriums für Staatssicherheit angesprochen wurde und sie um seine Mitarbeit baten, kam er zu mir.
Ich riet ihm, es überall herumzuerzählen. Er befolgte meinen Rat. Die Leute von der Stasi besuchten ihn bald nicht mehr. Aber sie besuchten nun mich auf Grund der Informationen, die sie von meinem Freund Uwe über mich erhalten hatten. Aber das ist eine andere Geschichte…
“Und versuche gut zu sein” – über diese Zeile haben wir oft gesprochen. Sogar gestritten. “Der Versuch reicht nicht”, ich war zwar älter als Uwe, aber jung genug, um keinerlei Ausflüchte und Entschuldigungen gelten zu lassen. Alles musste ganz sein und vollkommen, wie in der Liebe.
Uwe liebte die Lieder von Hermann van Veen, beide mochten wir Biermann, Degenhardt und Süverkrüpp. Van Veen fand ich zu weich und nicht kämpferisch genug. Damals.
Damals rannten wir bei Regen barfuß durch die Florastraße.
4. April 2010 von Maja Wiens | kein Kommentar
Heute feiern die Christen die Auferstehung Jesu.
Es waren Menschen, die zugesehen haben, wie er litt und starb.
Nur wenige Getreue standen ihm bei, als er noch lebte und sich für die Unterdrückten und Malträtierten einsetzte.
Und daran hat sich seither nichts geändert: Die meisten Unterdrückten und Malträtierten stehen sich selbst nicht genügend bei.
Jesus hat einen 1 €-Job und bekommt Hartz 4.
Jesus hungert mit 524 Millionen Menschen in Asien, 206 Millionen in Afrika, 52 Millionen Menschen in Lateinamerika und Millionen anderen Menschen beinahe überall auf der Erde.
Jesus verhungert jedes Jahr – wie 8,8 Millionen andere Menschen.
Jesus wird “aus Versehen” in Afghanistan erschossen.
Jesus wird gedemütigt, gefoltert und ermordet.
Jesus stirbt im Bombenhagel.
Jesus wird von Minen zerfetzt.
Jesus steht auf dem Dach eines Hochhauses…
Es wird Zeit, dass die Völker die Signale hören.
15. Februar 2010 von Maja Wiens | kein Kommentar
Es war absurdes Theater. Bizar. Die Vergangenheit schob sich in die Gegenwart…
Morgen oder Übermorgen mehr auf dieser Seite…

Nazi-Ordner
7. Februar 2010 von Maja Wiens | 1 Kommentar
Sie wollen auch in diesem Jahr wieder durch Dresden marschieren. Nazis und ihre Freunde. Dass das nicht verboten ist, ist schon ein Skandal. Man muss diesem Pack etwas entgegensetzen.
Notfalls sich selbst.
So ist es auch geplant.
Ein breites linkes Bündnis rief dazu auf.
Aber den Nazis in diesem Lande etwas entgegen zu setzen, das ist offensichtlich einmal mehr gar nicht so einfach. Die Staatsmacht durchsuchte auf Anweisung der Dresdner Staatsanwaltschaft zahlreiche Räumlichkeiten und beschlagnahmte Mobilisierungsmaterialien. Im Aufruf zu zivilem Ungehorsam und “GEMEINSAM BLOCKIEREN” sieht sie einen Aufruf zu Straftaten.
Die Internetseite www.dresden-nazifrei.de wurde gesperrt.
Dafür gibt es jetzt die Internetseite www.dresden-nazifrei.com.
Die Materialien wurden nachgedruckt und es gibt sie jetzt in noch mehr Einrichtungen.
Darum geht es:
XXXXXXXXGEMEINSAMXXXX
XXXXXXXXXXXXXXBLOCKIERENXXX
Im letzten Jahr waren des 10 000 Menschen, die Gesicht zeigten. Die Nazis marschierten trotzdem durch die Innenstadt.
In diesem Jahr werden sich hoffentlich ebenso viele Menschen den Nazis entgegenstellen. Ihnen den Weg verstellen.
Am Wochenende werde ich in Dresden sein. Bewaffnet: Mit meiner Kamera.
12. November 2009 von Maja Wiens | kein Kommentar
Manchmal denke ich, die Menschen in diesem Lande fressen jede Kröte.
Der sozialdemokratisch-christliche Sozialabbau mit gelb-grünen Akzenten, die Gesellschaft der Enteignung der Armen und der Ungleichheiten – alles wird gefeiert als eine Errungenschaft der Zivilisation und ist doch menschenfeindlich bis ins Mark.
Rente mit 67, die Hartz-Gesetze, Studiengebühren und sogenannte Gesundheitsreform(en). Egal ob die Einen oder die Anderen, Alte oder Junge, Arbeitende oder Arbeitslose – fast immer sind andere die Betroffenen und – GOTT SEI DANK - nur manchmal trifft es uns selbst. Solidarität ist längst zum ausgebürgerten Fremdwort mutiert, während wir uns selbst geißeln und uns Sorgen machen um Opel und Quelle und Karstadt, als wären die JEMAND.
Die Gewerkschaft verkauft Lohn-und anderen Verzicht als Erfolg beim Erhalten der Arbeitsplätze und lügt sich solange selbst in die Tasche bis sie platzt. Dann guckt sie verwundert und versucht es beim nächsten Mal mit noch mehr Lohnverzicht…
Derweil streiten sich die Linken um LINKS oder Konzeptionen für Theorieabende und die rechten Linken und die neoliberalen Linken fahren im Urlaub nach Malta oder gehen in die Muckibude.
In der Arche, so hörte ich, müssen die Kinder vor dem Essen beten, die Ritter der Tafelrunden verteilen Salat und Nudeln und Brot an die Bedürftigen, deren Not noch größer ist als die Scham.
Die Würde des Menschen ist unantastbar, wir verteidigen unsere Freiheit und Demokatie auch am Hindukusch, rezitieren Politiker vollmundig in Talkrunden, und die meisten von ihnen würden vermutlich erstaunt gucken, wenn sie erführen, dass sie selbst es waren, die Gesetze beschlossen haben, die Menschen die Würde nehmen und ihre Freiheit einschränken.
Die Künstler, die Intellektuellen haben brav ihre Suppe gelöffelt und schnarchen höchstens laut, die wenigen wach gebliebenen, sind wohl längst vor Kummer und Einsamkeit ausgewandert.
Und doch keimt der Widerstand!
Studentenproteste überrollen Europa
In Deutschland protestieren Tag für Tag mehr Studenten gegen Missstände im Bildungssystem – wie schon seit Wochen in Österreich. Schon über 50 Universitäten sind besetzt. Auch in der Schweiz regt sich Widerstand….
Artikel von HU-Studi
Audimax an der HU Berlin besetzt
HU-Studi 11.11.2009 19:36
Während der heutigen Vollversammlung an der HU Berlin wurde der Audimax besetzt. Mehrere Bullenwannen stehen bereits um die Ecke. Die Unileitung ist derzeit unentschlossen, wie mit der Besetzung umgegangen werden soll. Präsident gibt freie Hand.
Heute fand an der HU eine Vollversammlung statt. Auf dieser wurde über zurückliegende Proteste und zukünftiges Vorgehen diskutiert.
Gleich zu Beginn wurden zwei Zivilpolizisten von der Moderation des Raumes verwiesen. Sie hatten sich unter die Zuhörenden gemischt, wurden jedoch sofort erkannt und verließen den Saal.
Danach Begann die VV mit einem ironischen Redebeitrag zu den aktuellen Humboldtgeburtstagsfeierlichkeiten “HU200″(
http://hu-berlin.blogspot.com/search/label/HU200). Danach informierte ein Student des Refrats (so heißt hier der AStA) über die aktuelle Situation im Akademischen Senat. Dort wurden im Juni die Forderungen aus der Streikwoche diskutiert, wobei bis jetzt wenig bis nichts umgesetzt wurde.
Weiterhin gab es Redebeiträge aus Wien und Potsdam, die mit viel Jubel aufgenommen wurden. Außerdem wurden Kleingruppen gebildet, um auf Institutsebene die bereits angestoßene Überarbeitung der Studiengänge kritisch zu begleiten.
Während des zweiten Teils der VV, in dem diskutiert werden sollte, verlasen besetzungswillige Studierende eine kurze Erklärung, in der sie sich mit den Forderungen der Besetzerinnen und Besetzer in Wien und dem dortigen Frauen_Lesben_Inter_Transraum solidarisierten. Daraufhin kamen die üblichen Redebeiträge der Kaderjugend (SDS). Als jemand die Dominanz der Parteiredebeiträge kritisierte, wurde ihm das Mikrofon von der derzeitigen Geschäftsführerin des SDS aus der Hand gerissen.
Momentan lassen die Cops niemand mit Essen auf das Gelände der Universität.
(Artikel von HU-Studi ist unter einer
Creative Commons-Lizenz lizenziert.)
Inzwischen darf wieder ESSEN aufs Unigelände. Vielleicht wecken die mobilen Studis ja auch manchen Schlafenden.
Übrigens: Rote Fahnen gibt es bei der JUNGEN WELT – für nur 5 € – KLICK
16. Oktober 2009 von Maja Wiens | 1 Kommentar
Manche Leute meinen, dass Auswandern eine Lösung sei.
Was das Wetter betrifft, stimmt das. Die anderen Probleme, die Mensch so hat, sind anderswo auch nicht besser gelöst. Länder, in denen alles schlimmer ist, gibt es zu Hauf, aber an die denkt man ja nicht einmal im Traum. Wohin also?
Das fragt sich auch Gregor, während er die Blätter seines Gummibaums mit einem feuchten Lappen vom Staub befreit. Ungern würde er zugeben, dass er sich mit solcher Hingabe einer Grünpflane widmet, die Kollegen würden ihn sofort zum Opfer machen. Natürlich wäre er ausreichend kompetent, sich des Spotts zu erwehren, schließlich ist er Psychologe und weiß, wie man das macht. Aber wozu?
Es geht die Kollegen nichts an, was er mit seinem Gummibaum macht. Es geht überhaupt niemand etwas an, was er mit seinem Gummibaum macht. Es geht auch niemand etwas an, dass er auswandern wollen würde, wenn es denn einen Ort gäbe, an dem es besser wäre. Niemand geht das etwas an.
Es gibt Leute, die behaupten, Psychologen wären schon von Natur aus verrückt, sonst hätten sie etwas Anständiges studiert, Jura, Medizin oder BWL – aber doch nicht Psychologie. Das ist fast so schlimm wie Archäologie, das behaupten manche Leute.
Das sind Leute, denen man auch nie im Leben sagen darf, dass man Staub auf einem Gummibaum wischt. Die denken nicht einmal im Traum daran, wie sie sich selbst fühlen würden, wenn sie so ein Gummibaumblatt voller Staub wären. Ein Gefühl, als müsste man ersticken!
Das Schlimme ist, denkt Gregor, dass Auswandern keine Lösung ist. Und während er das denkt, wischt er dem Gummibaum den Staub von den Blättern.