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Wider den Eid des Hippokrates

„Ich werde ärztliche Verordnungen treffen zum Nutzen der Kranken nach meiner Fähigkeit und meinem Urteil, hüten aber werde ich mich davor, sie zum Schaden und in unrechter Weise anzuwenden.“ (aus dem Eid des Hippokrates)

Im Ärzteblatt erschien heute ein Artikel mit dem vielsagenden Titel: Neuer Job für Ärzte: AU für Hartz-4 Empfänger. (AU heißt Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung)

„Auf die Vertragsärzte kommt zusätzliche und in manchen Konstellationen auch unangenehme Arbeit zu. Sie werden verpflichtet, erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, die Lebensunterhalt nach dem SGB II erhalten (Hartz-IV-Empfänger), die Arbeitsunfähigkeit zu bescheinigen.“ (Ärzteblatt )

Der Gemein­same Bundes­aus­schuss (G-BA) ist das oberste Beschluss­g­re­mium der gemein­samen Selbst­ver­wal­tung der Ärzte, Zahn­ärzte, Psycho­the­ra­peuten, Kran­ken­häuser und Kran­ken­kassen in Deut­sch­land. Man hat sich dort – allerdings gegen das Votum der KBV (Kassenärztliche Bundesvereinigung) darauf geeinigt, wann Hartz-4 Empfänger „arbeitsunfähig“ sind- nämlich dann, wenn sie „krankheitsbedingt nicht länger als drei Stunden am Tag arbeiten oder an einer Eingliederungsmaßnahme teilnehmen können.“

Ganz abgesehen davon, dass sich vermutlich von den Beschlussfassern niemand vorstellen kann, was diese Bestimmung für Menschen in prekärer Lebenslage bedeuten kann: Nämlich unter Umständen den Entzug von sogenannten „Leistungen zum Lebensunterhalt“. Jemand, den der Arzt für z.B. 4 Stunden arbeitsfähig hält, und der eine „Arbeitsgelegenheit“ hat, an der er 6 Stunden täglichteilnehmen soll, wird keine AU erhalten und kann dann wählen: Zwischen dem gesundheitlichen Risiko und dem Risiko auf Leistungskürzung oder gar Entzug der lebensnotwendigen Leistung.

Im Ärzteblatt heßt es unter anderem wörtlich: „Problematisch ist die Entscheidung für Ärzte vor allem dann, wenn diese den Patienten und seine Krankengeschichte nicht kennen.“ Da können einem die armen Ärzte richtig leid tun, wenn sie solche problematischen Entscheidungen treffen müssen. Wenigstens haben Ärzte nicht nur Probleme, das Bundesverfassungsgericht hat heute entschieden, dass es unproblematisch ist, wenn Ärzte für die Verordnung von Arzneimitteln Geschenke der Pharmafirmen annehmen.

Vermutlich müssen die Ärzte die Patienten, denen sie die geschenkträchtigen Arzneimittel verordnen, gar nicht kennen und deren Krankengeschichte dürfte dann auch unwesentlich sein.

 

 

 


Blogger in Aktion: Sanktionen wegbloggen!

Bitte macht mit, der aufschreiber zum Beispiel hat ja auf meinen Artikel vom 4. Oktober reagiert und die Online-Petition mitgezeichnet, aber es fehlen noch viele Unterschriften. Die Hürde ist hoch, man muss sich anmelden und registrieren – aber das Anliegen ist wichtig: Die Sanktionen müssen weg. Deshalb hat sich auch eine Blogger-Initiative gebildet, die ich erst heute entdeckte und die ich hier einfach zitiere, in der Hoffnung, andere Blogger zum „SANKTIONEN WEGBLOGGEN“ zu gewinnen und Leser vom Mitzeichnen der Online-Petition zu bewegen. Es geht uns alle an, wir sind und bleiben mitverantwortlich für das, was in unserem Land geschieht.

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Sanktionen wegbloggen – in aller Kürze

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

da der der eigentliche Aufruf doch etwas lang ist: Allein 2008 waren 789.000 Bürger von Sanktionsmaßnahmen im Rahmen von „Hartz IV“ betroffen, sprich: es wurde ihnen die sogenannte „Leistung“ gekürzt. Diese Leistung entspricht aber eh schon nur dem Existenzminimum – alles, was darunter liegt, liefert die Betroffenen Hunger und Existenznot aus.

Da aktuell eine Online-Petition aufliegt, die die Abschaffung dieser Sanktionen fordert, möchten wir sie – gemeinsam mit Euch – unterstützen und rufen Euch auf, uns dabei zu helfen. Sprecht mit Euren Nachbarn, im real life und virtuell, macht sie darauf aufmerksam und laßt uns gemeinsam diese menschenverachtende Sanktionspraxis beenden!

Eure Blogtivisten

Margitta Lamers
Frank Kopperschläger
Frank Benedikt

3. Oktober 2009 von Frank Benedikt

Zur Webseite „SANKTIONEN WEGBLOGGEN“ geht es durch nur einen KLICK

Zum Unterzeichnen der Online-Petition geht es hier:  Registrieren, anmelden und mitzeichnen!