K4-Kulturgarten – Solitüdegrab und andere Indiskretionen

Einen Lesungsbesuch hatte ich nicht geplant. Mein neues Objektiv sollte getestet werden und außerdem schien es, als wolle der Sommer jetzt doch in Berlin Halt machen. Motivsuchend geriet der Weg zum Bürgerpark wieder einmal zu einer Entdeckungsreise. Die Welt verändert sich. Pantha rhei und so. Jedenfalls fast alles. In Pankow fehlt das Geld, deshalb muss mein Lieblingsdrache vermutlich noch eine Weile warten, ehe er wieder spucken kann.

Wasserpumpe Neue Schönholzer Str. Foto: Maja Wiens

Drache – Wasserpumpe Neue Schönholzer Str.

Vielleicht wird dann direkt darüber ein riesiges Transparent gespannt, mit der tollen Aufschrift: Pankower Bürger haben die Reparatur der Wasserpumpe ermöglicht. Im Bürgerpark gäbe es jedenfalls keine Blumen mehr, wenn nicht gesammelt worden wäre.

Betteln bei Bürgern

Betteln bei Bürgern

Ich halte nichts von solcher Delegierung der städtischen Aufgaben an den Bürger. Es wird schnell zur Gewohnheit, dass die öffentliche Hand ihre Nöte auf all die kleinen Finger abwälzt, die man ihr gereicht hat. (Was 2009 mir noch ein einmaliger „Engpass“ schien, wächst sich zur Tradition aus: Kein Geld für Blumen. KLICK zur Info 2009)

Am vergangenen Sonntag auf dem Weg zum Park stellte sich mir ein Plakat in den Weg.

Lesung - Frank-Peter Hansen und Peter Hodina

K4-Kultur-Live – Lesungseinladung – Solitüdegrab

Angesichts des schönen Wetters und zwei daheimgebliebener Frischluftbanausen mit einem Faible für Kultur, beschloss ich, den Restnachmittag zur Kulturveranstaltung umzufunktionieren und leistete am Handy Überzeugungsarbeit…

Der Pflaumenkuchen war gut und der Kaffee okay. Sahne gabs nicht. Besser so.  Anwesend waren ein großer Hund und ungefähr 15 Leute, meine persönlich aktvierten schon eingeschlossen. Das sind nicht viele, für eine Lesung ist so ein Teilnehmerkreis aber durchaus schon ein Erfolg. Vom anwesenden Hund wollte ich ausnahmsweise kein Foto machen, denn der mochte offenbar mein neues Objektiv nicht leiden und bellte wütend.  Mich mögen Hunde, es kann also nur am Objektiv gelegen haben und der hübsche bescherte mir mit seiner offensichtlichen Abneigung eine völlig neue Erfahrung.

Die beiden Autoren kannte ich nicht und vermutlich hatte auch niemand der anderen Anwesenden etwas von ihnen gelesen.  Krimis sind nicht so mein Ding und ich gebe zu, das werden sie auch nach dieser Lesung nicht. Ich lese keine und schreiben werde ich vermutlich auch nie einen. Obwohl mir das ein Kollege mal empfohlen hatte, der meinte, es sei ganz einfach: Du packst eine Leiche auf die erste Seite und die muss durch das ganze Buch stinken…

Frank-Peter Hansen las aus seinem in Flensburg spielenden Kriminalroman „Solitüdegrab“.

Vielleicht hätte der Autor für die Lesung andere Stellen auswählen sollen, eine stinkende Leiche jedenfalls begegnete mir nicht. Und die mitgebrachten Exemplare hat er wohl auch nicht verkaufen können. Das ist schade, denn auch Schriftsteller müssen leben und vielleicht ist Solitüdegrab durchaus spannend. Bei Amazon wird es jedenfalls gelobt und  was der Autor erzählte, lässt mich eben vermuten, dass er mehr Lockstoff hätte auswerfen können.

Frank-Peter Hansen

Frank-Peter Hansen

Der zweite Autor – Peter Hodina – las aus „Fehlalarme – Notizen eines Berliner Spaziergängers“. Vielleicht hätte er aus den Notizen Geschichten machen sollen. So kam mir alles ein wenig roh vor und unfertig und als Zuhörer blieb ich gleichgültig – weder  Zu- noch Abneigung wollte sich einstellen, dem Spaziergänger gegenüber ebenso wenig wie denen, die er sieht oder trifft, selbst mein Berlin blieb mir fremd – im Guten wie im Schlechten. Lediglich die Lust, aus der Spitze eines Regenschirms auf Skinheads zu feuern ( Peng peng, peng…), blieb ein „Fehlalarm“, den ich als solchen wahrnehmen konnte – leider nicht getroffen :-). Im Vorgelesenen tauchten auch Personen mit ihrem realen Namen auf – darunter die Frau eines sehr bekannten verstorbenen  Zeichners, selbst Malerin, die für 5 €  Malstunden gibt. Das namentliche Ausstellen dieser Not fand ich aus verschiedenen Gründen problematisch, der Autor nicht, er habe ja alle seine namentlich Genannten sympatisch geschildert. Argumenten war er nicht zugänglich, dabei ging es mir ja nur ums Nachdenken, Überdenken der Problematik.

Man stelle sich vor, ein Hausbesitzer erfährt aus einem Text, dass einer seiner Mieter Ratten hält und kündigt diesem deshalb. Was nützt es dem Mieter, dass der Autor geschildert hat, was für einen tollen Käfig der Mieter seinen Ratten gebaut hat. Zumal natürlich der Name bei solchen Schilderunge keine Rolle spielt… Das eine gegebene Information anders verwendet werden kann, als der Informationsgeber es erwartet, gehofft oder vermutet hat, habe ich lernen müssen…

Peter Hodina hat dann noch aus „Die Rampe“ gelesen, aber davon blieb mir nicht nichts in Erinnerung, wovon ich berichten könnte, bedauerlich, lässt doch Hodinas Lust aufs Schreiben (im Internet nachrecherchiert) erwarten, dass er etwas mitteilen möchte… Sein Selbstzitat auf seiner Biografieseite:

„Darf man ein bedeutendes Buch nicht in der Absicht schreiben, ein bedeutendes Buch zu schreiben? Kann man es dann nicht schreiben? Muß man also, um ein bedeutendes Buch schreiben zu können, die Absicht fallen lassen, ein bedeutendes Buch zu schreiben, überhaupt, ein Buch zu schreiben?“

lässt mich allerdings nicht weiter forschen, ob ich etwas verpasst habe – das mögen dann andere tun, vielleicht entdecken die, von mir Übersehenes. (Link)

Peter Hodina im K4-Kulturgarten

Peter Hodina

Von Frank-Peter Hansen hörten wir dann noch einen Ausschnitt aus seinem halbbiografischen Roman „Schlütt“. Leider hatte er die Geschichte dieses Ausschnitts schon ein wenig vorwegerzählt, als er zu Beginn der Lesung seinen Freund Peter Hodina vorstellte und berichtete, wie sie sich kennengelernt hatten – die Spannung fehlte mir. Entweder erzählen oder vorlesen…

Von links nach rechts: Frank-Peter Hansen und Peter Hodina

Von links nach rechts: Frank-Peter Hansen und Peter Hodina

Ein verlorener Nachmittag war es nicht. Im Kulturgarten sitzt man angenehm, wird freundlich aufgenommen und die Idee, dort mehr anzubieten als Kaffee, Kuchen, Bier oder Wein ist großartig! Ich bin bestimmt bald wieder dort – garantiert.

Übrigens: Man kann dort auch Sonntags auch den Tatort gucken…

K4-Kulturgarten

K4-Kulturgarten

 

K 4 -Kulturgarten – Kreuzstraße 4 – 13187 Berlin


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