Kommentar 6 – vom aufschreiber – Antwort auf Miri Kommentar 5 :-)

Liebe Miri,

„nein, wir sind nicht beim „400-Euro-Jobber, der mit seiner Kunst weniger als 325 Euro monatlich dazu verdient und deshalb bei der KSK nicht versichert ist“

Dieses von Dir nun als unzutreffend klassifizierte Beispiel stammt – siehe Zitat – von Dir selbst.

„Ich habe bei Zukunftsbau Künstler kennengelernt, die dort Kreativkurse geben, um sich über Wasser halten zu können, was aber nicht bedeutet, dass ihre Kunst wertlos oder eben nur Hobby ist.“

Bezieht sich auch auf die Absätze davor: Ein Künstler, der freiberuflich Kreativkurse gibt, ist entweder als Pädagoge oder in der KSK heute längst pflichtversichert.

„Was, wenn kein Argument, ist denn der Hinweis auf unsolidarische Bezahlung? Es wird solidarisches Beitragsverhalten von unsolidarisch Entlohnten erwartet. (Ich meine nicht den „Zahnarzt“.) Das ist ein Widerspruch in sich.“

Warum, bitte, sollte ein Kapitalist mit einem seiner Lohnsklaven solidarisch sein? Oder der von der herrschenden Klasse abhängige Staat?

„Es nur logisch, dass es einen Aufschrei derer gibt, die sich zu mehr Sozialabgaben außerstande sehen. Ursula spricht schlicht von Selbstständigen und nicht von Selbstständigen mit einem monatlichen Einkommen ab…“

Das ist doch irreal und das weiß auch Ursula von der Leyen, die ich politisch nun wirklich nicht sehr schätze. Kein Mensch will ernsthaft dem 1000-Euro-Umsatz-Macher (dass Du hier immer den Umsatz mit dem tatsächlichen Netto-Einkommen quasi gleich setzt, ist übrigens ein wenig unseriös) 400 Euro Rentenversicherungsbeitrag abnehmen.

Tatsächlich ist der „Aufschrei“, auf den leider viele Klein- und Fast-nichts-Verdiener hereinfallen, eine von der FDP nahestehenden Unternehmensberatern u. ä. lanciert, um gut verdienende Freiberufler vor der Solidargemeinschaft zu schützen.

„Und die Diskussion, ob man von 1000,00 leben kann oder nicht und ob man ein WG-Zimmer für 250,00 warm kriegt oder nicht, führt am Kern der Sache vorbei. Das ist auch regional unterschiedlich. Eine Mutter von zwei Kindern, die ich bis vor kurzem gelegentlich betreut habe, mietet gerade ein Haus mit 6 Zimmern und Garten für 500,00 (kalt), allerdings ist das in Torgelow.“

Nein, das geht nicht an der Sache vorbei. Was Du in diesem Absatz schreibst, ist ein Plädoyer für die Gentrifizierung: Arme raus aus den Städten und ab aufs Land.


4 Kommentare

  1. 1. Miriam

    Kommentar vom 22. Mai 2012 um 16:49

    „Dieses von Dir nun als unzutreffend klassifizierte Beispiel stammt – siehe Zitat – von Dir selbst.“

    Nein, stammt nicht von mir. Bei mir steht:

    „Aushilfstätigkeiten in verschiedenen Bereichen, für die sie Honorare erhalten, also keine 400,00 €-Jobber“ Minijobbern würden die pauschalen Arbeitgeberbeiträge zur Rentenversicherung gutgeschrieben. Eine Honorarkraft kommt in diesen „Genuss“ nicht.

    „Ein Künstler, der freiberuflich Kreativkurse gibt, ist entweder als Pädagoge oder in der KSK heute längst pflichtversichert.“

    Die Künstler bei Zukunftsbau, die ich kennengelernt habe, waren kurz zuvor bei der KSK ‚rausgeflogen und bei Zukunftsbau auf Honorarbasis als Kursleiter beschäftigt. Pädagogen waren und sind die nicht. Deine Aussagen sind zweifelsohne alle richtig, stammen aber aus dem Gesetzbuch und nicht aus der Praxis. Beides sollte zwar deckungsgleich sein, ist es aber nicht immer.

    „Warum, bitte, sollte ein Kapitalist mit einem seiner Lohnsklaven solidarisch sein? Oder der von der herrschenden Klasse abhängige Staat?“

    Dieser Satz aus deiner Tastatur wundert mich. Freiwillig werden sie es nicht tun. Deswegen gibt es gelegentlich Aufschreie der Beherrschten. Leider zu selten und zu leise.

    Was meine Fast-Gleichsetzung des Umsatzes mit dem Netto betrifft, hast du Recht. Lassen wir den, wie du ihn nennst, „Schein-Freiberufler“ 1200,00 verdienen und zusätzlich zu dem, was ich ‚rausgerechnet habe, 200,00 für Arbeitsplatz und Arbeitsmaterial absetzen. Mir ging es nicht um akkurat die Zahlen, die ich in meine fiktive Rechnung eingesetzt habe, sondern um eine Größenordnung. (Das gilt auch für die Miete.)

    Ob diese Petition von der FDP oder ihr nahestehenden Beratern lanciert ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall kommt sie ihr gelegen. Ich habe bestimmt auch schon Petitionen unterschrieben, die den Linken oder den Schwarzen in den Kram passten. Ja, das passiert.

    Mit deinem Hinweis, ich riefe zur Gentrifizierung auf, wirst du unsachlich und ich beende meine Teilnahme an dieser Diskussion. Ich habe nicht dazu aufgerufen, die Großstadt zu verlassen, sondern ein Beispiel dafür angebracht, dass eine allgemeine Aussage dahingehend, ob man für 250,00 warm wohnen kann oder nicht, unmöglich ist, weil Mieten regional unterschiedlich sind.

    Ich gewinne den Eindruck, dir geht es nicht um die Diskussion, sondern darum, dass du Recht hast. Das ist jetzt unsachlich von mir.

  2. 2. aufschreiber

    Kommentar vom 22. Mai 2012 um 21:19

    „Mit deinem Hinweis, ich riefe zur Gentrifizierung auf, wirst du unsachlich und ich beende meine Teilnahme an dieser Diskussion. Ich habe nicht dazu aufgerufen, die Großstadt zu verlassen, sondern ein Beispiel dafür angebracht, dass eine allgemeine Aussage dahingehend, ob man für 250,00 warm wohnen kann oder nicht, unmöglich ist, weil Mieten regional unterschiedlich sind.“

    Ganz egal, ob Du noch an der Diskussion teilnimmst, es gibt ja auch noch andere Leser: Du schönst Deine eigenen Zitate. Dein Text ging nämlich noch weiter:

    „Eine Mutter von zwei Kindern, die ich bis vor kurzem gelegentlich betreut habe, mietet gerade ein Haus mit 6 Zimmern und Garten für 500,00 (kalt), allerdings ist das in Torgelow.”

    Und das ist nichts anderes als Ergebnis von Gentrifizierung, weil sie sich eine angemessene Wohnung für sich und die Kinder in Berlin nicht mehr leisten kann.

    Wie ich schon schrieb: Arme raus aus den Städten und ab aufs Land.

    Das hat überhaupt nicht damit zu tun, dass ich recht haben möchte. Das Gegenteil wäre mir viel lieber.

  3. 3. Miriam

    Kommentar vom 23. Mai 2012 um 09:01

    „Und das ist nichts anderes als Ergebnis von Gentrifizierung, weil sie sich eine angemessene Wohnung für sich und die Kinder in Berlin nicht mehr leisten kann.“

    Nee, weil in Torgelow ihre Eltern leben und sie dort 1 Gaststätte aufmacht. Hatte ich nicht dazu geschrieben, konntest du also nicht wissen, aber du biegst dir alles, was du hörst/ liest so zurecht, wie es in dein Argumentationsschema passt.

  4. 4. Maja Wiens

    Kommentar vom 23. Mai 2012 um 17:42

    Liebe Miri, wenn du das Haus in Torgelow nennst, um zu beweisen, dass es regionale Unterschiede in den Wohnkosten gibt, die bedingen, dass es auch regionale Unterschiede in der Summe des zum Leben notwendigen Einkommens gibt – darfst du dich über aufschreibers Schlussfolgerung nicht beklagen. Die regionalen Unterschiede in den Wohnkosten sind natürlich auch die Folge regional niedrigerer Tarife und Honorare – und umgekehrt.

    Auch wenn es im Einzelfall möglich ist, für 250 € warm zu wohnen – ist diese Summe nirgendwo tauglich – also auch nicht bei deiner Erstrechnung (obwohl die im Einzelfall stimmen kann!) – denn die Rechnung suggeriert eine Wirklichkeit, die es nicht gibt.

    A.(freiberufliche Journalistin/Berlin)schrieb mir in einer Mail dazu: „Na ja, allerdings frage ich mich, in welchem Massenquartier man für 250 Euro wohnen darf … vielleicht eine Außenklo-Wohnung von 30 qm in Kirchmöser.“ (A. hatte mir auch eine Aufforderung zum Unterzeichen der Petition geschickt und erhielt als Antwort meinen LInk…)

    Biegst du dir die Dinge nicht zurecht, damit sie in dein Argumentationsschema passen? Deiner Ansicht nach sind Kursleiter bei Zukunftsbau ja „…keine Pädagogen und werden auch keine sein…“ Sie fallen aber genau in die Sparte der Pädagogen und sind versicherungspflichtig, ob du nun meinst, dass sie Pädagogen sind oder nicht. Dein Satz sollte sie doch aber „beweisen“, dass sie nicht rentenversicherungspflichtig seien…, oder? Und warum sind die denn aus der KSK geflogen, wenn sie doch Künstler sind? Zu wenig verdient?
    Unzurechtgebogen liegen die Dinge ganz einfach: Die von dir genannten Beispieler sind bereits nach derzeitigen Gesetzen rentenversicherungspflichtig (Ausnahmen bereits erwähnt)oder mangels Einkommen keine Freiberufler/Selbständige oder mangels Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen (Sozialversicherungsbeiträgen) Schwarzarbeiter.

    Oh, ich wiederhole mich…

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