Teure Rippchen – kleine Entchen?

Das Fußballwochenende ist vorbei. Die Bayern haben wieder versagt, das freut mich, obwohl ich auf ihren Sieg getippt hatte. Die Cottbuser Fans können jubeln, Werder wurde glücklich geschlagen, das freut mich auch, aber getippt hatte ich auch da falsch. Die Frankfurter Eintracht hat in Karlsruhe gewonnen, das löste Jubel bei Paula und Paula aus, getippt hatte ich das Spiel nicht, die Partie kam beim MDR-Tippspiel nicht vor. 

In den unteren Ligen wurden viele Spiele schon frühzeitig abgesagt. Schnee, Eis, Regen und andere Feinde verdarben vielen Fußballfreunden das Wochenende. In der Oberliga Nordost-Nord gab es nur für eine Begegnung keine Absage.

Der Oberliganeuling FSV Bentwisch wollte gegen den BFC Dynamo spielen. Dessen Fans hatten sich ja allerdings zum Auswärtsboykott entschlossen – Jetzt erst recht berichtete hier und hier

Rippchen satt sollte es für die Berliner Boykottfans im Vereinsheim geben. Für lediglich nur 5.- € Eintritt und 5,99 Kostgeld sollte es die Knöchlein mit dem bissel Fleisch drumrum plus Pommes bis zum Umfallen geben und dazu eine Liveschalte ins ferne Bentwisch zur Übermittlung des Spielgeschehens per Handykonferenz. Schon Tage vorher versicherten die Boykottierer sich per Forumfunk gegenseitig, dass Erscheinen Pflicht sei, auch wenn das Spiel wegen des Wetters abgesagt würde, schließlich war der Großeinkauf der Nahrungsmittel bereits erfolgt.

BFC-Fans ordneten das nicht frühzeitige Absagen des Spiels gleich in die Schublade „Retourkutsche“ ein und schimpften über alle, die dafür eventuell oder wirklich verantwortlich sein könnten. Der Fanbeauftragte des BFC Dynamo, Rainer Lütdke, berichtete am Donnerstagabend in seinem Forum, es werde noch eine Platzbegehung geben und der Staffelleiter Bernd Wusterhausen vom NOFV (für den manch BFC-Fan „nichts als Verachtung“ übrig hat) würde jemanden vom Verband hinschicken.

Die Platzkommission entschied am Freitag: Das Spiel findet statt. Die Fans des Serienmeisters hielten das im privaten Fanforum für einen schlechten Scherz oder gefährliche Körperverletzung der Spieler, sie hatten ja schließlich die Absagen aller anderen Begegnungen im Kopf und das Wetter vor Augen.

Aus Bentwisch aber wurde berichtet, die Strafräume seien geräumt und sogar grün und auf dem Rest fahre der Platzwart bereits den ganzen Tag über mit einer Walze spazieren.

So begab sich wohl der Bus am Morgen des Sonnabends vollgepackt mit den siegeshungrigen Spielern des Meisterklubs auf die Reise in die mehr oder weniger winterliche Provinz und einige Fans machten sich etwas später in „endlich wieder Fußball“- Erwartung und Hunger auf knochendominierte Rippchen auf  in das vereinseigene Heim.

Der Schiedsrichter pfiff das Spiel nicht an. Ihm gefielen die Platzverhältnisse offensichtlich nicht so gut wie den Mitgliedern der Platzkommission. Er entschied sich für die Gesundheit der Spieler, eine nachvollziehbare Entscheidung. Böse Zungen könnten behaupten, er hatte keine Lust, seine schmale Entschädigung ohnehin verdient und es deshalb leicht gehabt, so zu entscheiden – mit all den anderen Absagen im Hintergrund. Dagegen spricht, dass Schiedsrichter ihren Freizeitjob ziemlich lieben müssen und wohl gern auf dem Platz sind, sonst könnten sie es gar nicht aushalten, beinahe immer an allem schuld zu sein. 🙂

Inzwischen war der Bus mit den Spielern des BFC Dynamo natürlich längst in Bentwisch eingetroffen. Nun musste man sich auf den Rückweg begeben. Im BFC-Fanforum konnte der interessierte Leser erfahren, dass die Mannschaft auf dem Weg ins Vereinsheim sei, die Rippchen vorzüglich schmeckten und man den bösen Menschen aus Bentwisch – oder denen vom Verband, die Kosten für die unnötige Busfahrt in Rechnung stellen müsste.

Am Nachmittag meldete sich im Fanforum „in privater Verantwortung“ (des offiziellen BFC-Dynamo Fanbeauftragten) alorenza  und wünschte Kontakt zu eben diesem Fanbeauftragten, der gerade forumsabwesend  im Vereinheim zum Fleisch-von-den-Knochen-nagen und natürlich zu netten Gesprächen weilte. 

Alorenza hatte sich mit einigen BFC-Fans angefreundet, als er ihrem berechtigten Ärger über Polizeiübergriffe bei dem Spiel Tennis Borussia gegen den BFC Dynamo schließlich doch durch seine Artikel im BERLINER KURIER unterstützte und sich zu einem Gespräch mit den Fans bereiterklärte, das dann auch tatsächlich stattfand.

Sorgsam hatte der Fanbauftragte darauf geachtet, dass niemand von dem Termin erfuhr, der zu den Immer-Pöblern gehört. Schließlich wollte man das Verhältnis verbessern und war bereit, auch die andere Meinung zu hören – im kleinen Kreis.

Nun durfte sich der BFC-Fan schon über ganz viele positive Artikel im BERLINER KURIER freuen und die Sportredaktion mit alorenza an der Spitze begleitet den Auswärtsboykott der Fans wohlwollend und unkritisch. Ich kann das gut verstehen. Viele BFC Fans sind, wenn man sie näher kennenlernt, sehr sympatisch.

Nur darf man sich – wenn man sich einmal genähert hat – nicht kritisch äußern, das könnte dann allerlei Folgen haben – von den meisten kann ich berichten.

Heute berichtete der BERLINER KURIER unter anderem, dass sich gestern im Vereinsheim 200 Fans trafen und feierten. Ich vermute, dass das eine starke Übertreibung ist. Gab es doch gestern einen Beitrag im BFC-Fanforum, der ganz anderes berichtete. Der Autor des Forumbeitrages berichtete verärgert davon, dass nur 80 Leute erschienen seien, er den ganzen Tag in der Küche gestanden habe und man nun draufzahlen müsse – wegen der geringen Beteiligung der Boykottfans. Der Beitrag wurde schnell gelöscht, nur eine rudimentäre Antwort zeugt noch von seiner Existenz. Allerdings bezweifelte auch der vereinseigene Fotograf  mit „Pressejacke“ TRIO die Zahl und das weist darauf hin, dass vielleicht doch nicht ganz 200 Fans feierten. (Bilder hier)

Berliner Kurier - Teure Rippchen

Berliner Kurier - Teure Rippchen

Vielleicht hat alorenza die Kosten für nichtgegessene Rippchen gleich den Kosten für den Verein zugerechnet, schrieb er doch: „…der Klub bleibt auf 800 € sitzen“.  Auf der offiziellen Homepage des BFC Dynamo beträgt die Entfernung zwischen dem BFC Sportforum und dem Bentwischer Sportplatz auch „knappe 600 Kilometer“, während mir Google Maps für eine Strecke nur 228 Kilometer berechnet, dass wären dann reichliche 450 Kilometer für beide Strecken.

Demnächst wollen der alorenza vom  BERLINER KURIER und Fans des BFC Dynamo wieder einmal treffen und die vertrauensbildenden Gespäche fortsetzen. Ich kann nur alorenza nur empfehlen: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!


1 Kommentar

  1. 1. yhdkYpsilon

    Kommentar vom 25. Februar 2009 um 14:51

    Lach … ich kenne da einen Verein, der hat in dieser Saison bis Bentwisch und zurück nur 400 Euro bezahlt. Inclusive ausreichend vorhandenem Benzin im Tank des höchst luxuriösen Gefährtes…

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