Denk Male

Geht euch das auch so – ihr geht an immer mehr bettelnden Menschen vorüber, einfach vorbei?

Ich habe das Gefühl, ich sehe sie alle. Als wollten sie bewusst meinen Weg kreuzen. Sie sind lebendige Denkmale. Sie sitzen, stehen überall, wohin ich auch gehe oder blicke, sehe ich Bettler, ich fühle mich hilflos und dann macht mich die eigene Hilflosigkeit wütend.

Hilflosigkeit ist die Mutter mancher Wut.

Wohin mit dieser Wut? Und weiter: Ohnmächtige Wut ist die Hebamme des Terrorismus.

Bin ich, sind wir wirklich hilflos? Ohne Helfer und ohne Idee zur Selbsthilfe?

Die Augen einfach zuzumachen, das wäre keine Lösung – es heißt ja nicht umsonst: „Augen auf im Straßenverkehr.“ Sehr bald gäbe es einen Zusammenstoß mit der Realität. Die Bettler – als ein Zeichen für präsente Not – sind in unserer Gesellschaft unübersehbar geworden, sie sind auch nicht mehr wegdenkbar.

Werde ich von Bettlern angesprochen, so sehe ich ihnen immer noch ins Gesicht und weiche ihren Blicken nicht aus. Aber es macht mir Schwierigkeiten, ihnen nichts zu geben. Allen etwas geben, das kann ich aber nicht. Eine Weile hatte ich im Kopf so eine Art Budget zum Verschenken – jede Woche 5 € – sorgsam aufgeteilt auf 5 bettelnde Menschen. Aber was macht man dann mit dem 6? Inzwischen gebe ich, bis ich gefühlsmäßig an meiner Grenze bin. Doch meine geringen Spenden, die helfen vermutlich mehr mir als den Empfängern. Das ändert die Welt nicht.

Auf die Idee, ich könnte irgendwann selbst betteln müssen, komme ich nicht. Niemals. Dabei ist genau diese Ausblendung absurd.

 

Deutschland


1 Kommentar

  1. 1. Phil

    Kommentar vom 17. März 2018 um 11:58

    Betteln ist unnötig. Es gibt Hartz4. Dann ist man nicht mehr arm. Sagt Spahn.

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