Der Balljungenskandal

Manchmal ist, ob man Erfolg oder Misserfolg hat, von ganz kleinen Dingen abhängig.

Das betrifft auch Ballsportarten. Ja, auch Fußball ist ein Glücksspiel, unter allerlei Umständen jedenfalls. Einer dieser Umstände ist das Wetter – auf eisigem Rasen ist schon mancher Ball mehr geschlittert als gerollt.

Einer der weiteren Umstände, die Fußball auch zu einem Glücksspiel macht, ist der sogenannte Unparteiische, der auch eine Frau, dann also die Unparteiische sein kann, aber da der oder die Unparteiische regelmäßig Partei ergreifen muss, weil eine Partei die Regeln verletzt, deshalb wird ihr oder ihm sehr oft vorgeworfen, parteiisch und ungerecht zu sein. Oft sogar von den Anhängern beider Mannschaften, und denen ist ganz egal, ob es sich um einen Schiedsrichter oder eine Schiedsrichterin handelt. 

Zu den weiteren unkalkulierbaren Umständen, die Sieg oder Niederlage beeinflussen können, gehören auch die Balljungen. So nennt man, ich muss das erklären, denn hier lesen auch NICHTFUSSBALLFANS, die Jungs oder Mädchen, die den Ball zurückholen, wenn er weit aushalb des Spielfeldes landete. Rund um den Spielfeldrand stehen sie, die Balljungen oder Mädchen. Sie stehen, wenn sei sehr diszipliniert sind und warten darauf, nach dem Ball laufen zu können. Wenn sie weniger diszipliniert sind, balgen sie sich, oder spielen mit einem eigenen Ball. Bei vielen Fußballspielen in den unteren Ligen gibt es aber keine Balljungen. Oft übernehmen dann freundliche Zuschauer deren Funktion, kämpfen sich durch Gestrüpp und klettern über Zäune, um das runde Leder schnell wieder ins Spiel zu bringen. Natürlich rennen oft auch kleine Kinder dem Ball hinterher, stolz, ihn dann den Spielern zurück zu geben. Manchmal haben die Spieler es eilig, zum Ball zu kommen, manchmal auch nicht – das liegt natürlich am Spielstand. Will man ihn verändern, braucht man jede Sekunde – möchte man ihn konservieren, hat man viel Zeit.

Dem BFC Dynamo wurde in den letzten Wochen mehrfach vorgeworfen, nach einer Führung die Balljungen „abgezogen“ zu haben. (Damit ist nicht gemeint, dass man den Kindern irgendetwas weggenommen hat. Abziehen heißt in diesem Zusammenhang – Subtraktion. Die Jungs sind plötzlich weg. Das ärgerte nun ein paar Mal die Trainer der Gegner und in der FUWO wurde auch darüber mehrfach geschrieben. Da hieß es zum Beispiel:

Kein BFC-Heimspiel ohne das Thema Balljungen: Am Sonnabend beschwerte sich Lothar Hamann, Trainer der TSG Neustrelitz: „Der BFC Spielteinen richtig guten Fußball. Man muss aber nach dem 2:1 nicht die Balljungs abziehen. Das hat Dynamo nicht nötig.“ Seitens des BFC blieb Hamanns Aussage unkommentiert.“ (Fußballwoche/U.Meyer)

Im BFC-Fanforum wird die „Balljungenfrage“ durchaus kontrovers diskutiert. Obwohl mancher Fan eher der Meinung ist, die anderen sollten mal „die Fresse halten“ und das auch sicherheitshalber schreibt. Die Jugendleitung tut jedenfalls alles, um sich bei den Verantwortlichen der FUWO und der Verbände einzukratzen.

Jugendleitung

(Screenshot aus dem BFC Fanforum – hier für Lesewillige der LINK)

Man kann beide verstehen. Die moralischen Diskutanten, die dafür plädieren, sich fair zu verhalten und die Taktierer, die daran denken, dass man Vorteile durchaus nutzen sollte. Dass es in keinem Fall ein Vorteil ist, die Balljungen vom Spielfeldrand zu entfernen, daran denkt aber keiner. Und das ist eben falsch! Es könnte ja sein, dass einer der Balljungs, oder ein Ballmädchen, das entscheidende Tor in einem wichtigen Spiel erzielt. Es könnte zum Beispiel sein, dass die Fans des BFC Dynamo irgendwann nur deshalb weiter vom Aufstieg träumen dürfen, weil ein Balljunge im richtigen Moment am Ball ist und die Schiedsrichterin ihre Augen woanders hat. Wie? Balljungen können keine Tore erzielen? Doch. Sogar in der 3. Liga, sogar in Brasilien.

Rio de Janeiro – Das Tor eines Balljungen und der folgenschwere Irrtum einer prominenten Schiedsrichterin haben für einen Skandal im brasilianischen Fußball gesorgt. Beim Drittliga-Spiel zwischen Santacruzense und Atlético Sorocabana hatte ein Weitschuss des Santacruzense-Stürmers Samuel in der 89. Spielminute das Tor knapp verfehlt. Ein neben dem Pfosten stehender Junge beförderte den Ball daraufhin ins Tor der Gäste. Trotz heftiger Proteste gab die Unparteiische den Treffer, da sie offenbar mit dem Rücken zum Tor stand. Dank des Tores erreichte Santacruzense ein Unentschieden und verteidigte die Tabellenführung – vor Sorocabana. (SPIEGELONLINE – LINK)

Nein, der Spiegel hat nicht geschwindelt. Wer sich den Balljungenskandal auch noch ansehen will, bitte, viel Vergnügen – und immer beachten: Manchmal braucht man Balljungen auch in der 89. Spielminute!

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