Das Lächeln verankern zwischen Pflastersteinen – Paul Wiens zum 90. Geburtstag

Eine Schachtel Casino, ein voller Aschenbecher, ein Tintenfass, kariertes Papier mit einem Muster drauf. Er sitzt, die Zigarette, wie immer im Mundwinkel und zeichnet. Im Radio laufen die Nachrichten. Französisch. Im Garten geht Melpo Axioti spazieren… Ob russisch oder englisch, französisch oder italienisch, es schien mir immer, dass jede Sprache seine wäre. Paris und Moskau, Dubrovnik und Vernedig, Berlin und Wien, er war überall zu Hause. Er war Internationalist. Kommunist und Weltbürger, Philosoph und Dichter. Die Wunden, die ihm die Nazis geschlagen hatten, heilten nie. Er starb früh mit 59 Jahren und nahm nicht nur Dienstgeheimnisse mit ins Grab.

In diesem Deutschland hat er keinen Platz. Hier dürfen Nazis wieder maschieren. Was für ihn Verteidigung der Zukunft und Antifaschismus war, nennt Wikipedia Spitzeltätigkeit. Das wirkliche Leben hat bei Wikipedia keine Chance. Die Verarbeitung von Stasiwahrheit und Stasidichtung wird zum Standardwerk (Joachim Walther – Sicherungsbereich Literatur) und gilt als Geschichte. Die Wahrheit braucht noch Zeit. Aber ohne uns wird es sie nicht geben.

Das Gedicht „Der Regenbogen“ von Paul Wiens stammt aus dem Gedichtband Beredte Welt, der 1953 im Aubauverlag erschienen ist. Seine eigenen Korrekturen befinden sich im gedruckten Exemplar.

Paläste Häuser müssen wir bauen,

den Traum

mit Lindenbäumchen in die Straßen pflanzen,

das Lächeln der Zukunft

im Heute verankern

selber.

Das Lächeln verankern

zwischen den Pflastersteinen.

Das Lächeln verankern zwischen Pflastersteinen

Das Lächeln verankern zwischen Pflastersteinen

 

 


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