Doof bleibt doof!

„Einer der Grundpfeiler des «Eisernen» Selbstverständnisses ist die klare und dauerhafte Abgrenzung vom BFC Dynamo, dem Lieblingsverein des ehemaligen Stasi-Chefs Erich Mielke.“ (Quelle: Netzeitung – Klick)

Wie beschränkt denkt ein Autor,  der solch kleinkarierten Mist schreibt oder gar noch mit vertritt? Sich Legenden für die Vergangenheit zurecht zu legen zur Imagepflege, das ist kein Verbrechen – Mauern in die Zukunft bauen, ist aber nicht nur nur unsportlich. Solche „Grundpfeiler“ muss man einreißen und darf sie nicht bejubeln.

Der 1. FC Union und der BFC Dynamo spielen Fußball in der gleichen Stadt – ihre Nachwuchsmannschaften treffen sich beinahe an jedem Wochenende. Sollen sich da Kinder von einander abgrenzen? Weil die Vereine früher mal das Spielzeug alter Männern waren – der eine wie der andere? Harry Tisch und Erich Mielke waren Genossen derselben Partei, kamen aus der selben KPD. Bastelten gemeinsam am DDR-Globus. Der eine leitete die Gewerkschaft, der andere den Sicherheitsapparat. (Der sportlichere war allerdings Erich Mielke, der jahrzehntelang jeden Morgen um 5.00 Uhr aufgestanden sein soll und dann eine Stunde schwamm. )

Die größten Kämpfer für die deutsche Einheit und Helden des Widerstands habe ich auch auf dem Fußballplatz entdeckt. Das sind die Fans des Brandenburger SC Süd 05. Die skandierten während des Spiels ihrer Mannschaft am letzten Sonntag gegen den Berliner AK 07 immer noch laut: „Die Mauer muss weg“. Und das 20 Jahre nach der Wende.

Die Mauer muss weg!

Die Mauer muss weg!

Und siehe da:  Die Macht der Worte wirkte – die Mauer öffnete sich und die Freiheit der Ball flo(h)g gen Westen.
Die Mauer öffnete sich

Die Mauer öffnete sich

Und an dieser Mauer war auch nicht der BFC Dynamo schuld.  An der anderen aber doch. Behauptet jedenfalls Baufresse alias Andreas Gläser. Deshalb fahren bestimmt auch die Fans des Brandenburger SC Süd 05 ins Sportforum, denn da dürfen sie am kommenden Sonntag ganz ungestraft rufen:  Die Mauer muss weg!

Scheinheiligkeit kommt vor dem Fall – der 1. FC Union und seine Fans und die beide bejubelnden und beglückwünschenden Medien hätten vielleicht doch noch einen Moment länger nachdenken sollen. Aber doof bleibt doof!

Selbst das NEUE DEUTSCHLAND (nennt sich eine Sozialistische Tageszeitung) stimmt ein ins Unkritische und veröffentlicht einen Artikel von Matthias Koch, der den Anschein erweckt, der Sponsor wäre ohnehin gekündigt worden.  So ist das aber nicht. Vertrag ist Vertrag.  Sogar beim 1. FC Union.  Hier wurde und wird schon wieder einmal die längst tote Stasi als VORWAND genutzt. Das hätte man eigentlich schreiben müssen. Wenigstens die sozialistische Tageszeitung.

Wer all die vielen Artikel und Artikelchen liest, kann sich vermutlich irgendwann des Eindrucks nicht erwehren, an all dem Union-Ärger sei auch mal wieder BFC Dynamo schuld. Der kommt dauernd irgendwie vor. Dabei hat der BFC Dynamo nullkommanix mit dem geschassten Sponsor zu tun – und muss nur dazu herhalten, zu begründen, warum ein Unternehmen, das einen ehemaligen Stasioffizier zum Aufsichtsratsvorsitzenden gemacht hat, als Sponsor für Verein und Fans nicht in Frage kommt. Der (Allein!!!)-Eigner des Unternehmens ist übrigens ein Unioner, ein ehemaliger Trainer, der sich ganz offenbar nicht am Lebenslauf seines Aufsichtsratsvorsitzenden gestört hat. Dass der Sponsor, das angeblich in Dubai eingetragene Unternehmen namens International Sport Promotion (ISP) undurchsichtig war und man nicht klären konnte, woher sein Geld kam, hätte der 1. FC Union vor Vertragsabschluss zum Entscheidungskriterium machen müssen. Aber da kam noch erst das Fressen und dann die Moral.

Mit den Verträgen nimmt es der 1. FC Union eben nicht so genau. Die kann man ja erstmal abschließen und dann irgendwie kündigen. Gut, dass es den BFC Dynamo noch gibt. Da wollte man beim Köpenicker „Kultverein“ einen Spieler loswerden und siehe da:  Der böse Nico Patschinski hatte beim BFC Poker-Turnier mitgemacht  und sich dort angeblich (man hat ja schließlich so seine Kundschafter) über den Arbeitgeber unbotmäßig geäußert. Union feuerte den ungeliebten Stürmer und verlor vor dem Arbeitsgericht  – und so kostete die Vertragsauflösung eine Menge Geld.

Wenn sich der 1. FC Union jetzt wieder einmal zum Moral-, Kult- und Widerstandsklub erklärt – „Moral ist uns wichtiger als Geld“ – dann müsste das bei klugen und die Fakten kennenden Menschen eigentlich ein heftiges Kopfschütteln verursachen. (Den Fans sei verzeihen – Liebe kann blind machen)

Der Verein aus Köpenick sollte aber jetzt dringend alle seine Sponsoren überprüfen. Die Sponsoren sollten beim Kultklub Unbedenklichkeitsbescheinigungen der Birthlerbehörde für alle ihre leitenden Angestellten vorlegen müssen. Wer weiß, wie viele ehemalige Stasileute sich da noch verstecken…

Natürlich spielt es überhaupt keine Rolle, ob eine Führungskraft eines sponsernden Unternehmens vor 20 Jahren mal beim CIA, dem BND, dem Verfassungsschutz oder sonst irgendeinem Geheimdienst gearbeitet hat.  Oder doch? Jedenfalls gibt es keine Behörden, die bestätigen, dass man für diese Geheimdienste nicht tätig war – oder ist. Aber schließlich begehen so integere Geheimdienste keine Verbrechen – und sind somit besser als der böse Dämon STASI.  Nur ausnahmsweise gelangte so eine Aktion wie CHAOS an die Öffentlichkeit. Und der BND würde niemals Journalisten des Spiegel bespitzeln, denn das darf er natürlich nicht.

Warum stört sich eigentlich niemand daran, dass Gazprom den Fußballbundesligisten Schalke 04 sponsert? Dort sitzt mit Waleri Golubjew ein ehemaliger Geheimdienstoffizier im Vorstand, als stellvertretender Vorsitzender. Und der Aufsichtsrat Igor Jussufow soll ebenfalls ein ehemaliger Geheimdienstler sein. Der rettet gerade die  ostdeutschen Werften – und woher die Gelder solcher Neureichen kommen, scheint beim Sponsoring des westdeutschen Bundesligisten auch keine Rolle zu spielen.

Nun ja – Schalke muss ja seinen Kult auch nicht aus einem  imaginärem Widerstand gegen einen toten Geheimdienst und einen ehemals von diesem unterstützten Nachbarverein ziehen.

Union verzichtet letztlich nicht wegen der Stasivergangenheit des ehemaligen Vorstandvorsitzenden (er war schon zurück getreten,  als Union den Vertrag kündigte) auf die versprochenen 10 Millionen des Sponsors,  sondern weil der Verein befürchtete, die Undurchsichtigkeit des Vertragspartners könnte bei Aufdeckung der Geschäftsfelder letztlich zu einem Desaster führen. Wer glaubt, dass es um die tote Stasi ging, ist doof.


1 Kommentar

  1. 1. yhdkYpsilonY

    Kommentar vom 26. August 2009 um 23:41

    … wenn man ein bisserl zwischen den Zeilen der verschiedenen Medien-Berichte liest, amüsiert es einen schon, als Begründung für die Vertragsauflösung die Stasi-Vergangenheit des Aufsichtsratsvorsitzenden präsentiert zu bekommen.

    Mit Sicherheit ist den braven Union-Funktionären mittlerweile beim Gedanken an die Herkunft der Sponsorengelder heiss und kalt geworden – da kam die StasiStory ziemlich passend. Und man profitiert als guter Verein vom aufpolierten Image …

    Ein Schelm, wer dsabei Böses denkt.

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