Wer ist Achim?

Ich leite dir mal ’ne Mail weiter, rief ich.

Aber nicht die von Achim, die hab ich schon, brüllte er zurück.

Wir müssen von Schreibtisch zu Schreibtisch brüllen – sonst verstehen wir uns nicht. Er weigert sich hartnäckig, Skype einzurichten, ich kann keine Wände einreißen und den Lärm der Baustelle gegenüber müssen wir gemeinsam hinnehmen.

Wer ist Achim, fragte ich mit letzter Stimmkraft zurück.

Achim sucht Arbeit, eine Bewerbung oder so, hieß es von nebenan.

Ich ließ mir die Bewerbungsmail weiterleiten und gelangte so auf Achims Seite.

Inzwischen weiß ich, wer Achim ist. Einer, der einen Arbeitspaltz verdient hätte. Einen mit einem eigenen Büro und immer Internet und einer netten Chefin (so wie ich eine wäre) und einem tollen Gehalt.

Ich habe mich nämlich auf Achims Arbeitssuchseite im Internet gründlich umgesehen. Und er betreibt seine Suche so intensiv, dass er eigentlich beinahe sofort eine gute Stelle angeboten kriegen müsste. Behaupten doch gewisse Politiker immer: Jeder ist seines Glückes Schmied. Das sind solche Politiker, die dann ihr Glück in Form von Diäten und Pensionsansprüchen längst geschmiedet haben. Im Gegensatz zu Achim. 

Achim hat eine sogenannte ordentliche Ausbildung, ist ganz offenbar sehr fleißig, beherrscht die deutsche Sprache und Orthografie, kann sogar Englisch sprechen und ich vermute, dass auch die Prozentrechnung keine Hürde für ihn ist. Eigentlich besitzt Achim also Amboss und Hammer, nur das Schmieden misslingt bisher. Statt Glück schmiedet Achim Pläne.

Achim verteilt Flyer, schreibt Mails, blogt, zwitschert auf  Twitter und bietet sogar eine Belohnung an, falls ihm jemand zu einer Arbeit verhilft. Er sucht Arbeit – keinen Job (ich hoffe darauf, dass die Leser den Unterschied noch kennen).

Mir gefällt, wenn einer sich etwas einfallen lässt, egal ob der Einfall zum Erfolg führt – oder nicht.

Für diese beschissene Gesellschaftsordnung (sie hat nichts anderes verdient als ihre Abschaffung und einen Kraftausdruck)  ist schließlich nicht Achim allein verantwortlich. Und eine Arbeit zu bekommen, das ist auch Glücksache: wie ein Gewinn im Lotto – entspricht etwa einem Vierer oder Fünfer. Ein Job entspricht einem Dreier. Wenn man unter 50 bzw. 45 ist. Die Chancen sinken mit zunehmendem Alter  überproportional. Was für ein Glück! Achim ist deutlich unter 50!

Und weil ich Achim noch mehr Glück wünsche, mache ich hiermit seine Suche bekannt. Ich rate ihm, mal bei mir vorbeizukommen, dann gibt es bald ein Foto von Achim, das besser in seine Pläne passt, als die komische Privatszene, die er jetzt auf seiner Seite hat – und außerdem, kann er mir eine Mail schreiben – dann verrrate ich ihm, was ich noch für ihn tun kann, damit sich seine Aussichten verbessern. Nein, das kostet ihn kein Geld. Es bringt auch keines ein – aber es verbessert seine Aussichten auf eine Arbeit, ist sozusagen ein Zweitlos.

Guten Tag,

ich bin der Achim. Und ich suche Arbeit.

In Berlin, um Berlin und um Berlin herum.

Auf meiner Heimseite stelle ich mich Dir vor:

 http://www.AchimsuchtArbeit.de

Du kannst mir dort auch Fragen stellen: http://sokoberlin.de/frag-den-achim/

 Auf Twitter bin ich ebenfalls vertreten: http://Twitter.com/SoKoBerlin 

Sachdienliche Hinweise bezüglich der Frage, wo sich die Arbeit versteckt hält, sind ausdrücklich erwünscht. Vielen Dank für Deine Hilfe.

Mit freundlichen Grüßen 

Achim aus Berlin-Kreuzberg

So Achim, was ich vorerst tun konnte, habe ich getan. Melde dich mal :-).


1 Kommentar

  1. 1. Achim

    Kommentar vom 21. August 2009 um 15:47

    Wow! Ich bin ja total platt von so vielen netten Worte, vielen, vielen lieben Dank dafür!

    Nun ja, dass das Foto nicht so der Hit ist, damit hast Du natürlich völlig ‚Recht. Aber es ist auch nicht mehr ganz aktuell. Inzwischen habe ich mich ein bisschen der Mode angepasst und wie geschrieben, ich nutze nun sogar Twitter. Und ja, das Foto in meinen Bewerbungsmappen, also den Echten, zum in die Hand nehmen, in RL, ist ein Anderes. Das hat jedoch bislang leider nicht geholfen. Deshalb nun diese Webseite.

    Und sag doch ‚mal Deinem Kollegen einen schönen Gruß, das mit dem Skype ist garnicht so wild, habe ich auch gerade geschafft.

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