Der BFC Dynamo und seine flinken Schmierfinken

Gestern in der Früh habe ich zum Jahresausklang mit meinem Freund Paul telefoniert. Mit dem Jahr endete auch seine Mitgliedschaft in einem Sportverein. Dort wird ein Wassersport betrieben, für den man eine sehr teure Ausrüstung braucht, und der Verein hatte eigentlich die Zielsetzung, junge Sportler zu fördern und ihnen zum Beispiel auch die Teilnahme an Wettkämpfen im Ausland zu ermöglichen. Solcherlei Förderung braucht Sponsoren – und um Sponsoren zu bekommen… Es ist für jedermann vorstellbar, dass es schwer ist, für eine Randsportart zahlungskräftige Sponsoren zu finden.

Eigentlich hätte Paul es besser wissen können, denn ich hatte ihm ja oft von „meinem“ BFC Dynamo erzählt, wo Kritiker es schwer haben, auch wenn es für den Verein besser wäre zuzuhören, was sie zu sagen haben. Aber Paul hatte wohl gedacht, es sei anderswo anders und Mecklenburg sei nicht Berlin. Jedenfalls sagte Paul laut was er sah, er kritisierte offen und berücksichtigte nicht, dass es in Vereinen offenbar anders läuft. Er spann keine Intrigen, führte keine geheimen Zweiergespräche, schickte seine Mails an alle und war plötzlich der böse Paul. Es interessierte nicht, was er sagte, weil kein Interesse bestand, etwas zu ändern. Und Paul musste erkennen, dass es keineswegs um Förderung von Sportlern ging, sondern um die Befriedigung persönlicher finanzieller Interessen.

Und da schickte Paul der Vorsitzenden seine Austrittserklärung zum Jahresende. Und Paul überlegte, ob er einen Brief schreiben sollte, ans Finanzamt und an das Amtsgericht – und er schrieb die Briefe und nun liegen sie da und sind zum Abschicken bereit, aber Paul weiß noch nicht, ob er sie abschicken wird. Ich glaube, er wird sie nicht abschicken.

Jedenfalls kamen wir auch auf den BFC Dynamo zu sprechen, und ich erzählte Paul davon, wie dumm und uneinsichtig manche Menschen doch sind. Da schrieb ich am vorletzten Tag des Jahres einem Lügner und Schmierfinken, der sich hinter dem Namen Buddelflink verbirgt und durch sein dummes Geschwätz seinem Verein gar nichts Gutes tut, er solle es doch bei meinem Vornamen belassen. Das tat ich gewiss nicht, damit sein dummes Geschmiere nicht mit meinem Namen in Verbindung käme, denn mir schadet es nicht – sondern es blamiert ihn und den BFC Dynamo.

Leider ist Buddelflink nicht der einzige Schmierfink, sondern es tummeln sich in diesem Forum und diesen Threads noch einige andere. Das Schlimme ist, sie sind wirklich der festen Überzeugung, sie nützten ihrem Verein. Nun wird man irgendwann, wenn man den meinen Namen bei Suchmaschinen eingibt, auch auf diese Internetthreads stoßen, vielleicht nicht auf der ersten Seite, aber vielleicht auf der zweiten. Und dann wird manch einer auf Meinungen von BFC-Fans stoßen, die mehr als ein Kopfschütteln auslösen. Da bleibt eine Meinung haften. Und die wieder zu ändern, das ist schwer. Es ist ein wenig, als habe man nach dem ersten Fischessen mit einer Lebensmittelvergiftung zu tun gehabt.

Der BFC Dynamo hat es jetzt, wie immer, besonders schwer. Das schreibe ich nicht nur einfach so, sondern weil es so ist.

Vermutlich von der Polizei durch einen unnötigen Einsatz initiierte Auseinandersetzungen  mit den Fans werden in den Köpfen bleiben als durch den BFC Dynamo verursachte Ausschreitungen. Da hilft auch wenig, dass die Öffentlichkeit inzwischen weiß, dass die Polizei offenbar mit „übertriebener Härte“ (das ist vermutlich ein anderer Ausdruck für rohe Gewalt) vorgegangen ist. Bekanntermaßen sind nicht alle BFC-Fans Pazifisten, und so standen sie beim Einmarsch der Polizei in den Fanblock wohl auch nicht alle mit erhobenen Händen da und skandierten: Keine Gewalt. Es gab viele verletzte BFC-Fans, einige verletzte Polizisten, Festnahmen und ein großes Medienecho. Der BFC Dynamo bekam vom Nordostdeutschen Fußballverband eine Strafe „wegen fortgesetzt unsportlichen Verhalten“ und musste sie akzeptieren, weil sie regelgerecht ist. Die Fans sammelten Dokumente der Polizeigewalt, es wurden Gedächtnisprotokolle angefertigt, aber wenn überhaupt werden sie die Öffentlichkeit viel zu spät erreichen. Vermutlich bleibt das meiste Material irgendwo stecken.

Den einzigen guten Pressesprecher (Yiannis H.D. Kaufmann), den der BFC Dynamo je hatte, vertrieben die Fans und der damalige Präsident (Mario Weinkauf) gemeinsam, und viele BFCer vermuten fälschlicher Weise in Yiannis Kaufmann bis heute einen FEIND, obwohl er es zum Beispiel war, dem es gelang, die drei Sterne auf das Trikot zu balancieren. Dass zehn deutsche Meisterschaften in der DDR nicht zehn Sterne wert sind, liegt natürlich nicht am BFC Dynamo, sondern daran, dass die momentanen Sieger der Geschichte auch in diesem Fall den Bürgern des untergegangenen Landes beweisen müssen, dass ihre Vergangenheit und Tradition wenig wert ist, jedenfalls weniger. 

Auf seine eigene Darstellung in der Öffentlichkeit, legt der BFC Dynamo viel zu wenig Wert. Seine Webseite ist seit Jahren eine Ruine, im Wesentlichen tippt ein mehrfach belasteter Marketingverantwortlicher/Pressesprecher/Stadionsprecher in seiner kargen Freizeit die Meldungen ein, und wenn er Glück hat, dann schickt ihm jemand eine Korrektur seiner Tippfehler. Aber zur Information über den Verein taugt die Seite nicht. Mann oder Frau erfährt nicht einmal, wie der Präsident des Vereins heißt. Nach der Telefonnummer muss man lange suchen. Kenner benutzen die Seite des Fanbeauftragten Rainer Lüdtke zur Information, aber das ist eben eine private Fanpage. Von vielen Menschen wird diese Seite auch einfach für die offizielle Seite gehalten.

Journalisten benutzen zur Information über den Verein neben den üblichen Kanälen auch die Internetforen. Da gibt es das private Fanforum BFC Online und dann gibt es das Nordostfußballforum. Und eben dort präsentiert sich der BFC Dynamo auch mit seinen flinken Schmierfinken. Kaum lesen die mal wieder ein kritisches Wort von mir, schon verteufeln sie die Person und benehmen sich kräftig daneben. Natürlich betrifft diese Art der Auseinandersetzung auch jeden anderen Menschen, der ihre Meinungen nicht teilt. Egal, ob in Fußballforen oder anderswo. Im Nordostfußballforum moderiert ein BFC-Fan ebenso „parteilich“, wie es im privaten Fanforum des Fanbeauftragten natürlich auch BFC-Fans sind, die moderieren. Inzwischen findet man dort – die Moderatoren haben zum Teil gewechselt – keine so deutlichen Pöbeleien mehr, aber eine Diskussion findet nicht statt. Der BFC Dynamo verhält sich, wie sich die DDR verhielt. Die Diskussion über Missstände wird unterdrückt, als könnte man damit die Missstände beseitigen. Und die Begründung für dieses Verhalten sind die vielen Feinde, die man ohnehin hat, aber durch das eigene Verhalten ständig vermehrt. Die flinken Schmierfinken, die jeden Kritiker mit verbalem Dreck bewerfen, stellen dann gleichzeitig sich als BFC-Fans aus: Pöbelnd, verleumdend, oft der deutschen Sprache nicht mächtig, und sie wirken fürchterlich abstoßend. Dass nicht alle BFC Fans so sind, versuche ich immer noch oft zu erklären, aber ich ernte ebenso oft nur ein Lachen.

Der BFC Dynamo, der zehnfache DDR-Meister, spielt zur Zeit in der fünften Liga. Im Moment hat er 14 Punkte Rückstand auf den wahrscheinlichen Aufsteiger Tennis Borussia. Der Verein hat nicht genügend Geld, der Wirtschaftsratsvorsitzende ist sein größter Gläubiger und außer einem Vielleichtsponsor, ist auch keine Besserung in Sicht.

Der stellvertretende Vorsitzdende des Wirtschaftsrates Thomas Heilmann-Kern ist übrigens zurück getreten. 

Ich beende hiermit mein Blog-Schweigen über den BFC Dynamo.


10 Kommentare

  1. 1. Martin Richter

    Kommentar vom 1. Januar 2009 um 18:08

    Hallo Maja,

    eine Anmerkung zu deinem Text:

    Die Idee beim DFB und bei der DFL schlafende Hunde zu wecken, war meine Idee. Es war definitiv nicht die Idee von YHDK.

    Gruß in die Runde und ein gesundes neues Jahr.

    Martin

  2. 2. Maja Wiens

    Kommentar vom 1. Januar 2009 um 21:39

    Stimmt Martin, es war Deine Ideee – aber zu erklären, dass Du sie hattest, hätte zu weit geführt (hier lesen vorwiegend Leute, die mit Fußball nichts am Hut haben)- nicht, dass ich Dir nichts zutraue, aber Geschichtenerfinden ist nicht Deine Sache. Du hattest die Idee, aber Yiannis ist in der Lage Meldungen zu lancieren. Nur für die „gute“ Nachricht interessiert sich keiner. Das erlebst Du doch tagtäglich.
    Gruß Maja

  3. 3. Martin Richter

    Kommentar vom 1. Januar 2009 um 22:58

    Hallo Maja,

    diese Meldung hätte jeder in der Zeitung platziert bekommen. Der „Stasi-Schiebermeister“ der „Lieblingsverein von Stasi-Chef Erich Mielke“ greift nach den Sternen des DFB/DFL einer Auszeichnung für ehrenhaft erspielte und erkämpfte Titel in der Bundesliga. Das verkauft sich einfacher als biedere Hausmannskost aus der 5. Liga in der Sportstadt Berlin.

  4. 4. Maja Wiens

    Kommentar vom 1. Januar 2009 um 23:31

    Richtig Martin – das verkauft sich einfacher, will aber auch verkauft sein. Und das kann der YHDK.
    Aber es ging mir ja um die Außendarstellung insgesammt, und da kennst ja auch Du die Probleme. Und es liegt eben nicht daran, dass es zu wenig Leute wäre oder zu Verbesserungen zu teuer wären.

  5. 5. Weinkauf

    Kommentar vom 2. Januar 2009 um 12:13

    Hallo Maja,
    Y hat seinerzeit seinen Rücktritt erklärt,
    „aus dem Amt getrieben“ ist wunderbar polemisch und Wunschdenken.
    Gruß MW

  6. 6. Maja Wiens

    Kommentar vom 4. Januar 2009 um 12:49

    Lieber Mario, klar hat Yiannis seinen Rücktritt eklärt. Weißt Du noch warum? (Ich erinnere mich gut!) Und warum WUNSCHDENKEN?
    Leider war meine Beschreibung nicht wirklich polemisch sondern traurig und realistisch.

  7. 7. Jochen

    Kommentar vom 5. Januar 2009 um 10:34

    Liebe Maja, immer was uns bei diesem Verein hält. Die Änderungen, welche Du anmahnst werden nicht kommen!
    Immer wenn wieder etwas passiert, dann will der Verein etwas tun, aber passieren tut und wird nichts. Beste Beispiel ist das riesen Banner der „Kameradschaft weinrotes Berlin“ beim Traditionsturnier. Und wir wollen weg vom rechten Image? Meine Versuche leise und mit sachlichen Worten ein Kameraden zum Umdenken und Verzicht zu bewegen, hat mir einen Schlag ins Gesicht und den Spruch „Bist wohl ne linke Jonerzecke.“ eingebracht. Wir sind nen toller Haufen!!

    Verzeih mir das Verweigern der Email. Lege momentan keinen großen Wert auf den Verlust der gefüllten Anonymität. Auch wenn der Typ nen Idiot ist, mir reicht es im Moment.

  8. 8. Torsten KWO

    Kommentar vom 5. Januar 2009 um 14:26

    Hallo Jochen ,ich bin Mitglied dieser Kameradschaft Weinrotes Ostberlin ,und möchte Dir sagen ,daß wir
    keine politische Gruppierung sind (Kameradschaften müssen nicht zwingend „RECHTS“ sein)
    In ihr vereinen sich Leute (zum Teil sehr gute Freunde von mir sind),die dem BFC z.T. seit Jahrzehnten die Treue halten.

    Deinem obigen Vorwurf würde ich gerne nachgehen-Kontakt geht,wenn Du möchtest, über Maja

    Weinrot weiße Grüße Torsten

  9. 9. yhdk

    Kommentar vom 7. Januar 2009 um 01:03

    Lach …

    Warum nur hat Martin seinerzeit seine wundervolle Drei-Sterne-Idee nicht vermarktet … weil er mich so lieb hat? Grübel …

    Und Mario hat natürlich vollkommen recht (oder Recht): Ich (!) bin zurück getreten > Die WiRa-Story (rund um Odins Klinge) dazu ist sicher noch bekannt und auch ansonsten hat es angesichts wahnwitzigster Verschwörungstheorien ebenso wahnwitziger Fans + Funktionäre einfach gereicht.

    Y.

  10. 10. Lars

    Kommentar vom 2. Oktober 2016 um 14:57

    Liebe Maja,

    ich lese gerade mit 7(?) Jahren Verspätung dein Statement. Ein hervorragender Text.
    Egal, ob Fan von BFC, oder nicht.

    Viele Grüße
    Lars

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