Die Socken-Arie

Die meisten können sie singen: Die Socken-Arie. Die Scheidungsrate scheint bei Socken mindestens so hoch zu sein wie im wirklichen Leben. Selbst bei den ordentlichsten Menschen verschwinden einzelne Socken und tauchen nie wieder auf. Oder erst nach Jahren: Plötzlich und unerwartet – unter dem Bett zum Beispiel.
Manche Menschen sammeln die Singles in Plastiktüten, in der Erwartung, sie fänden dort irgendwann den passenden Gefährten – und sie hoffen in der Regel vergeblich. Andere Zeitgenossen wiederum beugen der Vereinzelung vor und kaufen grundsätzlich nur schwarze Socken eines bestimmten Herstellers in einem bestimmten Material – da passt dann jede zu jeder… Und in Schubladen gibt es Gruppensocks, keinerlei Pärchenbildung, nur ONE NIGHT STANDS und vielleicht sieht man sich ja mal wieder.
Weithin sind Socken fressende Waschmaschinen bekannt (das Sockenfressen ist auch der Grund für das ungeheure Gewicht einer Waschmaschine, über das alle berichten können, die mit derartigem Gerät einmal umgezogen sind und nicht auf den Service von Möbelträgern zurück gegriffen haben).
In der Regel redet man aber nicht über Socken, sie gehören zur Unterwäsche, die ist intim und gehört nicht in öffentliche Gespräche. Es sei denn, man hat Socken geschenkt bekommen. Zum Beispiel zu Weihnachten. Dann plaudert man mit beinahe jedermann über den Sockenschenker, macht sich darüber lustig, was das denn für eine Flachnase sei. Richtig übel nehmen kann man so ein Geschenk aber nicht – ist ja ein Geschenk und ist zudem irgendwie nützlich, also immer noch besser, als AOL-CDs und Gutscheine für irgendwas, über das man sich erst einmal lauthals freuen soll, und das man dann doch nie kriegt.
Unter Umständen werden Socken-Hinweise auch zur Anpassung in der Gesellschaft verwendet. Fast jeder, der freiwillig oder verordnet ein Bewerbungstraining absolviert, weiß hinterher, dass man mit weißen Tennissocken beinahe keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hat. In der Regel findet der so Belehrte allerdings auch dann keinen Arbeitsplatz, wenn er die Falke Harvard Socke stahlblau trägt oder gar die Falke Nr. 8 – den luxuriösen Universalstrumpf mit Kaschmir. Es nützt dem Bewerber vermutlich auch nichts wenn er die Socken mit der richtigen Kleidung kombiniert. Es sei denn, er wird gebraucht. Wenn nämlich ein Arbeitsplatz frei ist – und sich 10 Leute um diesen Arbeitsplatz bewerben – worauf kommt es dann an? Auf die Socken? Völlig von der Hand zu weisen ist allerdings die Behauptung nicht, es käme doch irgendwie und irgendwann auf die Socken an, denn es gibt ja so viele verschiedene Socken – dafür muss es einfach gute Gründe geben. In jedem Minni-Knigge erfährt der Leser, welche Socken er wann tragen soll, um den richtigen Eindruck zu hinterlassen.  Wenn man mal nicht den richtigen Eindruck hinterlassen hat, kann man das notfalls auch noch per Mail korrigieren und kundtun, dass man Burlington-Socken mit typischem Muster aus dem Outletcenter an der B5 an den Füßen hatte… (BFC Dynamo Präsidiums-Interna) 

Vielleicht ist es einfach so, dass schöne Socken die Füße wärmen? Und warme Füße machen fröhlich, das weiß schließlich jeder! Wer Traumsocken will, sollte sie sich von seiner Wunschgranny stricken lassen. Und hilfreich ist so ein Sockstar. Man kann allerlei anfangen mit Socken, auch mit den Witwen und Witwern – sie als Putzlappen verwenden, Puppen aus ihnen basteln und wenn sich genügend in der Plastiktüte befinden, sogar Adventskalender aus ihnen herstellen. Ob „Gesocks“ von den Socken kommt? Ziemlich weit unten trägt man die Fußhüllen ja. Die Bezeichnung „Gesocks“ ist jedenfalls sehr unfreundlich: Ungehobelte Personen, die keine bürgerliche Lebensweise pflegen; oft allgemein für die soziale Unterschicht.  (Guckst du hier: Quelle).
Bevor ich mich „auf die Socken mache“, über unser aller WIKI hab ich laut gelacht (Motiv- und Ringelsocken wirken dynamisch) – guckst du hier: Tür 8

 

 

  

  

 

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2 Antworten zu Die Socken-Arie

  1. Momke Schleppegrell sagt:

    Wikipedia: „Am linken und am rechten Fuß unterschiedliche Socken zu tragen gilt als Zeichen von Schusseligkeit oder aber Nonkonformismus.“ Wer genau hinsah, entdeckte früher an manchem SED-Genossen deutlichen Nonkonformismus. Vor allem an der linken Socke.

  2. Miriam sagt:

    „Puppen aus ihnen basteln“: das sind dann Sockenpuppen, guckst du hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Sockenpuppe_%28Netzkultur%29. Sie werden manchmal auch Trolle genannt, guckst du hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_%28Netzkultur%29

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