Alltag

Der Tag beginnt mit WhatsApp. Irgendwann gegen 4:00 Uhr erreicht mich eine Nachricht. Ich bin wach und die Gegenstelle auch, also kommunizieren wir. Das hilft zwar nicht beim Wiedereinschlafen, ist aber lustig. Bernd das Brot und Ratten spielen mit.

Endlich schlafe ich doch noch einmal ein und träume einen Satz von Novalis: Erinnerung ist Gegenwart. Habe ich vermutlich kürzlich gelesen. Im Traum legen sich Bilder übereinander, irgendwie schief.

Passend dazu kontaktiert mich zwischen einem halben Dutzend Telefonate ein Verflossener: Alte Liebe rostet zwar, aber es gibt Rostentferner. Lass uns mal treffen. Meint er. Ich bin zwar neugierig, aber ich habe keine Zeit, sage ich.

C. steht auf der Straße mit 3 Stehlampen und braucht einen Transporter. Ich kann nicht helfen, bin ortsgebunden am Schreibtisch. Immerhin habe ich ein Faxgerät, das braucht C. auch.

Mein Optiker kommt persönlich vorbei, um die Form der Brillengläser anzuschauen – was für ein Service!

Ich verteile ein wenig Deutschunterricht per Smartphone und ärgere mich über veraltete Sätze aus dem Facebook-Universum, mit denen Araber die deutsche Sprache lernen (sollen). „Ich muss jetzt auflegen“. Den Hörer auf die Gabel?

Bei E. richte ich eine Datei per Teamviewer. Als wir fertig sind, sagt E.: „Ich sterbe“. Warum auch immer. E., sage ich, das geht jetzt nicht. Wir haben jetzt keine Zeit zum Sterben. E. lacht. Stimmt, sagt sie.

Eine Behörde, bei der ich mir vor vielen Monaten einen Termin geholt habe, erinnert mich an diesen Termin, der in einigen Tagen stattfinden wird. Noch könne ich absagen, schreiben sie mir. Das könnte denen so passen.

Jemand hat Blumen vor die Tür gelegt und den Müll mitgenommen. 

Am Abend mache ich weit das Fenster auf und sehe den fliegenden Lichtern zu.

Ich muss keine Angst haben, hier fällt heute keine Bombe.


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