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	<title>Jetzt erst recht! &#187; Honorar</title>
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	<description>Vierte Halbzeit - Stichpunkte - Notizen aus dem Off</description>
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		<title>Keine Gnade!</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Nov 2009 22:10:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Maja Wiens</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Honorar]]></category>
		<category><![CDATA[Journalist]]></category>
		<category><![CDATA[Lektorat]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>

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		<description><![CDATA[Es sei eine Gnade, schrieb mir jemand, gedruckt zu werden.
Das ist falsch.
Gute Verleger sind dankbar, wenn sie Texte guter Autoren ver&#246;ffentlichen d&#252;rfen. Von diesen Verlegern gibt es wohl immer weniger, aber einige leben noch.
Ob es unter den Zeitungsverlegern auch welche gibt, die sich nach guten Journalisten verzehren, das wei&#223; ich nicht.
Wer in diesem Land gegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es sei eine Gnade, schrieb mir jemand, gedruckt zu werden.</p>
<p>Das ist falsch.</p>
<p>Gute Verleger sind dankbar, wenn sie Texte guter Autoren ver&#246;ffentlichen d&#252;rfen. Von diesen Verlegern gibt es wohl immer weniger, aber einige leben noch.</p>
<p>Ob es unter den Zeitungsverlegern auch welche gibt, die sich nach guten Journalisten verzehren, das wei&#223; ich nicht.</p>
<p>Wer in diesem Land gegen den Mainstream schreibt, wird es schwer haben &#8211; wie in anderen L&#228;ndern auch. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum mancher Text nicht ver&#246;ffentlicht wird. Manchmal liegt es auch daran, dass sich Schreiber weigern, f&#252;r zu wenig Geld zu schreiben. Obwohl sie gedruckt w&#252;rden. Und so wird mancher gute Text nicht gedruckt, weil er gar nicht geschrieben wird.</p>
<p>In den letzten Jahren haben sich &#8211; und das jedenfalls ist meines Erachtens deutlich &#8211; Zeitungs- und Zeitschriftenmacher eindeutig gegen die Qualit&#228;t entschieden &#8211; zu Gunsten von Billigproduktionen.</p>
<p>Es wird immer ein Unterschied sein, ob der Berichterstatter ein Augen- und Ohrenzeuge ist, oder nur Nachrichten aus zweiter Hand vermarktet. Dabeisein ist teuer. Recherche ist teuer.</p>
<p>Wenn ein Journalist f&#252;r die Rezension eines Buches nur 16 Cent pro geschriebener Zeile bekommt, dann sollte das Buch m&#246;glichst kurz und die Rezension sehr lang sein. Schreibt er n&#228;mlich 300 Zeilen &#8211; das ist sehr viel &#8211; landet er bei 48 €. Nehmen wir an, das Buch ist zuf&#228;llig auch 300 Seiten lang und unser ge&#252;bter Journalist liest  genau eine Seite in der Minute, dann liest er schon f&#252;nf Stunden am Buch. Um die die 300 Zeilen zu schreiben, lassen wir ihn genau 3 Stunden brauchen. Dann hat unser guter Journalist genau 8 Stunden f&#252;r 48 € gearbeitet. Macht 6 € pro Stunde. Brutto! Davon bezahlt er dann Kranken-, und Pflegeversicherung und k&#252;mmert sich auch um seine Altersvorsorge. Nat&#252;rlich kann er von dem Rest nicht leben, aber vielleicht hate er eine Frau, die gut verdient.</p>
<p>So kommt es, dass Rezensionen geschrieben werden, von Rezensenten, die das Buch, das sie rezensieren gar nicht gelesen haben, oder allenfalls nur die ersten 3 Seiten. Unter den g&#252;nstigsten Umst&#228;nden gelingt es einem begabten Schreiber, die Rezension anderer Kollegen umzuschreiben und aus Zitaten und Verlagsank&#252;ndigungen innerhalb von 3 Stunden den geforderten Artikel herzustellen. Dann kommt er auf gewaltigen Stundenlohn von immerhin 16 € . Nach Abzug aller Beitr&#228;ge und Kosten k&#246;nnte er so auf einen realen Stundenlohn von 8 € kommen. Allerdings br&#228;uchte er t&#228;glich mindestens drei solcher Auftr&#228;ge, um von seiner Arbeit bescheiden leben zu k&#246;nnen, aber wenn er zwei Auftr&#228;ge bekommt, muss er sich schon gl&#252;cklich sch&#228;tzen.</p>
<p>Es ist keine Gnade, wenn der Journalist gedruckt wird. Er wird gedruckt, weil man an seiner Arbeit verdienen kann. Er kann keine gute Arbeit leisten, weil er dazu gar keine Zeit hat. Die Zeche zahlen der Journalist und seine Leser. Wenn sich die Leser verweigern, bekommt der Journalist &#252;berhaupt keine Auftr&#228;ge mehr, denn die Zeitung wird eingestellt oder mit einer anderen zusammen gelegt.</p>
<p>Der Journalist bekommt einen Herzinfarkt oder wird zum Alkoholiker. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Journalisten liegt fast 30 Jahre unter der eines evangelischen Pfarrers.</p>
<p>Wenn unser Journalist arbeitsunf&#228;hig oder tot ist, bekommt einer seiner Kollegen ein tolles Angebot. Er soll eine Rezension schreiben, 300 Zeilen f&#252;r das Ha&#223;furter Tagblatt &#8211; Zeile 0,10 €.</p>
<p>Es ist eine Gnade, sagt der Auftraggeber und l&#228;chelt s&#252;ffisant, wenn man heutzutage gedruckt wird, was glauben Sie, wie viele gern f&#252;r uns schreiben wollen&#8230;</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;</p>
<p>Meldung auf <a title="mediafon" href="http://www.mediafon.net" target="_blank">mediafon</a> &#252;ber das Honorar beim Ha&#223;furter Tagblatt von heute: 0,10 Cent pro Zeile</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;..</p>
<p>Herr X vom Bezirksamt Y bat mich um eine Lesung und fragte nach meiner Honorarforderung. Ich nannte ihm die untere Grenze des vom VS empfohlenen Honorars f&#252;r Lesungen. 200 €.</p>
<p>Aber Sie lesen doch nur eine Stunde vor und dann ist Diskussion.</p>
<p>Als ich ihn fragte, ob er einen Text h&#228;tte, den er eine Stunde lang vorlesen k&#246;nnte, sch&#252;ttelte er den Kopf.</p>
<p>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.</p>
<p>Korrektorat (Zeichensetzung, Grammatik, Rechtschreibung) ab 32.- €/h</p>
<p>stillistisches Lektorat (Pr&#252;fung von Stil/Ausdruck) ab 42.-€/h</p>
<p>Standardlektorat (stilistische und inhaltliche Pr&#252;fung) ab 47 €/h</p>
<p>So lauten die Honorarempfehlungen f&#252;r freiberufliche Lektoratsarbeit (Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren e.V.).</p>
<div>Von den 32 €/h bleiben &#8211; wie eine grob repr&#228;sentative Beispielrechnung des Vereins belegt, durchschnittlich unter 8 €/h &#252;brig &#8211; geringere Honorare sind also abzulehnen!</div>
<div>&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;.</div>
<p><strong><span style="font-family: Arial,Helvetica,Sans-serif;">Georg Herwegh<br />
Bundeslied f&#252;r den Allgemeinen Deutschen                   Arbeiterverein</span></strong></p>
<p><span style="font-family: Arial,Helvetica,Sans-serif; color: #0000a0;">You are many, they are few.<br />
(Eurer sind viele, ihrer sind wenige.)<br />
</span><span style="font-family: Arial,Helvetica,Sans-serif;"><br />
Bet&#8217; und arbeit&#8217;! ruft die Welt,<br />
Bete kurz! denn Zeit ist Geld.<br />
An die T&#252;re pocht die Not -<br />
Bete kurz! denn Zeit ist Brot.</span></p>
<p>Und du ackerst und du s&#228;st,<br />
Und du nietest und du n&#228;hst,<br />
Und du h&#228;mmerst und du spinnst -<br />
Sag&#8217;, o Volk, was du gewinnst!</p>
<p>Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht,<br />
Sch&#252;rfst im Erz- und Kohlenschacht,<br />
F&#252;llst des &#220;berflusses Horn,<br />
F&#252;llst es hoch mit Wein und Korn.</p>
<p>Doch wo ist dein Mahl bereit?<br />
Doch wo ist dein Feierkleid?<br />
Doch wo ist dein warmer Herd?<br />
Doch wo ist dein scharfes Schwert?</p>
<p>Alles ist dein Werk! o sprich,<br />
Alles, aber nichts f&#252;r dich!<br />
Und von allem nur allein,<br />
Die du schmiedst, die Kette, dein?</p>
<p>Kette, die den Leib umstrickt,<br />
Die dem Geist die Fl&#252;gel knickt,<br />
Die am Fu&#223; des Kindes schon<br />
Klirrt &#8211; o Volk, das ist dein Lohn.</p>
<p>Was ihr hebt ans Sonnenlicht,<br />
Sch&#228;tze sind es f&#252;r den Wicht;<br />
Was ihr webt, es ist der Fluch<br />
F&#252;r euch selbst &#8211; ins bunte Tuch.</p>
<p>Was ihr baut, kein sch&#252;tzend Dach<br />
Hat&#8217;s f&#252;r euch und kein Gemach;<br />
Was ihr kleidet und beschuht,<br />
Tritt auf euch voll &#220;bermut.</p>
<p>Menschenbienen, die Natur,<br />
Gab sie euch den Honig nur?<br />
Seht die Drohnen um euch her!<br />
Habt ihr keinen Stachel mehr?</p>
<p><strong>Mann der Arbeit, aufgewacht!<br />
Und erkenne deine Macht!<br />
Alle R&#228;der stehen still,<br />
Wenn dein starker Arm es will.</strong></p>
<p>Deiner Dr&#228;nger Schar erbla&#223;t,<br />
Wenn du, m&#252;de deiner Last,<br />
In die Ecke lehnst den Pflug,<br />
Wenn du rufst: Es ist genug!</p>
<p>Brecht das Doppeljoch entzwei!<br />
Brecht die Not der Sklaverei!<br />
Brecht die Sklaverei der Not!<br />
Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!</p>
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