Die Liebenden – Kraniche

Kraniche 2010

Kraniche 2010

Schnell findet man im weltenweiten Netz dutzende Interpretationen des einen Gedichts. Brechts „Die Liebenden“ eignet sich offensichtlich zum Sezieren. Ein Beispiel sei zur Betrachtung vorgeschlagen: KLICK
Wir ahnen, dass viele Schüler-Generationen mit der Analyse des Gedicht gequält wurden und werden. Muss man ein Gesicht so lesen, wie der Dichter es meint? Nein, das muss man nicht. Muss man es so verstehen, wie manche Lehrer meinen, dass es zu verstehen ist? Noch einmal NEIN.
Und muss man des Dichters Meinung teilen?
Nein.
Brecht irrt: Die Liebe ist den Liebenden ein Halt. Manchmal jedenfalls. Trotz des Kapitalismus, oder: dem Kapitalismus zum Trotz.

Die Liebenden

Die Liebenden

Berthold Brecht

Die Liebenden

Sieh jene Kraniche in großem Bogen!

Die Wolken, welche ihnen beigegeben

Zogen mit ihnen schon, als sie entflogen

Aus einem Leben in ein andres Leben

In gleicher Höhe und mit gleicher Eile

Scheinen sie alle beide nur daneben.

Daß so der Kranich mit der Wolke teile

Den schönen Himmel, den sie kurz befliegen

Daß also keines länger hier verweile

Und keines andres sehe als das Wiegen

Des andern in dem Wind, den beide spüren

Die jetzt im Fluge beieinander liegen

So mag der Wind sie in das Nichts entführen

Wenn sie nur nicht vergehen und sich bleiben

Solange kann sie beide nichts berühren

Solange kann man sie von jedem Ort vertreiben

Wo Regen drohen oder Schüsse schallen.

So unter Sonn und Monds wenig verschiedenen Scheiben

Fliegen sie hin, einander ganz verfallen.

Wohin ihr?

Nirgendhin.

Von wem davon?

Von allen.

Ihr fragt, wie lange sind sie schon beisammen?

Seit kurzem.

Und wann werden sie sich trennen?

Bald.

So scheint die Liebe Liebenden ein Halt.

Kraniche fliegen...

Kraniche fliegen...

Und weil der Mensch ein Mensch ist, kann er die Geschichte bestimmen und Gedichte ändern.

Ihr fragt, wie lange sind sie schon beisammen?

Schon lange.

Und wann werden sie sich trennen?

Nie!

So ist die Liebe Liebenden ein Halt.

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