Meinst du, die Russen wollen Krieg?

Jewgeni Jewtuscheko schrieb das Gedicht „Meinst du, die Russen wollen Krieg?“,  das für mich bis heute eines der eindrucksvollsten Antikriegsgedichte geblieben ist.

Es scheint mir eng verwandt mit den Zeilen Bechers aus der Nationalmyne der DDR:  „…und dass nie wieder eine Mutter ihren Sohn beweint“ und den Zeilen Brechts aus seiner Kinderhymne: „…dass ein gutes Deutschland blühe, wie ein anderes gutes Land…“

Während Millionen auf dieser Erde Menschen hungern oder verhungern, ist Deutschland wieder einmal an einem Krieg beteiligt und lügt sich Begründungen für Gewalteinsätze zurecht. Kriegsnobelpreisträger Obama wirft noch mehr Soldaten in den Kampf, die dann irgendwann nach Hause kommen sollen. Einige von ihnen werden die Reise in Särgen antreten. Andere werden mit psychischen und physischen Schäden kaum wieder zu erkennen sein. Von ihren Opfern werden wir wenig erfahren.

Obama:

„Wenn ich nicht denken würde, dass die Sicherheit der Vereinigten Staaten und des amerikanischen Volkes auf dem Spiel stünde, würde ich frohen Mutes jeden einzelnen Soldaten schon morgen nach Hause befehligen.“

„Ich fühle mich verpflichtet, die Kosten offen und ehrlich anzusprechen. Unser neuer Ansatz in Afghanistan wird wahrscheinlich rund 30 Milliarden Dollar für das Militär in diesem Jahr kosten.“

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Jewgeni Jewtuschenko

Meinst du, die Russen wollen Krieg?

Meinst du, die Russem wollen Krieg?
Befrag die Stille, die da schwieg
im weiten Feld, im Pappelhain,
Befrag die Birken an dem Rain.
Dort, wo er liegt in seinem Grab,
den russischen Soldaten frag!
Sein Sohn dir drauf Antwort gibt:

Meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen wollen Krieg?

Nicht nur fürs eig’ne Vaterland
fiel der Soldat im Weltenbrand.
Nein, daß auf Erden jedermann
in Ruhe schlafen gehen kann.
Holt euch bei jenem Kämpfer Rat,
der siegend an die Elbe trat,
was tief in unsren Herzen blieb:

Meinst du, die Russen woll’n…

Der Kampf hat uns nicht schwach gesehn,
doch nie mehr möge es geschehn,
daß Menschenblut, so rot und heiß,
der bitt’ren Erde werd’ zum Preis.
Frag Mütter, die seit damals grau,
befrag doch bitte meine Frau.
Die Antwort in der Frage liegt:

Meinst du, die Russen woll’n…

Es weiß, wer schmiedet und wer webt,
es weiß, wer ackert und wer sät –
ein jedes Volk die Wahrheit sieht:
Meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen wollen Krieg?

(1961)



3 Kommentare

  1. 1. Ilja Muromez

    Kommentar vom 28. November 2010 um 10:47

    Ach ihr Wege
    trostlos, endlos weit,
    Tag und Nacht der Regen,
    gibt uns Front-Geleit.
    Bruder, weist Du,
    was uns morgen blueht?
    Ob nicht unser Leben,
    morgen schon verglueht?
    Schlamm regiert auf allen Wegen,
    wir waten, wir spaten,
    Ringsum Qualm und Feuerregen,
    des Kriegshund’s Gebell
    Ach ihr Wege,
    trostlos, weit verschneit,
    Tag und Nach die Kaelte,
    gibt uns Front-Geleit.
    Panzer rollen,
    hoer die Raben schrein,
    sterbend liegt Dein Bruder,
    an des Weges Rain.
    Kaempfend fuer das Land der Vaeter,
    fuer Hammer und Sichel,
    starb er hier durch Uebeltaeter,
    aus Nazi-Deutschland
    Ach ihr Wege,
    trostlos, alle Zeit,
    wo der Kriegsbrand lodert,
    gift’s nur Tod und Leid.
    Blut’ge Traenen,
    fallen in den Sand,
    blut’ge Traenen weinen,
    unsre Muetter im Land.

  2. 2. Ilja Muromez

    Kommentar vom 28. November 2010 um 10:49

    Das Gedicht passt auch zur Problematik

  3. 3. Ralf.uwe

    Kommentar vom 30. März 2018 um 04:51

    Das gefällt mir.
    RUF

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